Nordeifel: Christliche Tradition lebt wieder auf

Nordeifel: Christliche Tradition lebt wieder auf

Eine gute christliche Tradition lebt in der Nordeifel fort! Mit einem Gottesdienst in der Simmerather Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer verabschiedete Präses Pfarrer Michael Stoffels im Namen der Gemeinde nun 17 TeilnehmerInnen der Fußwallfahrt 2011 nach Kevelaer.

Die Pilgergruppe wird am Samstag per Bus die Rückreise vom niederrheinischen Marienort in ihre Eifelheimat antreten. Pastor Stoffels hatte den Altarraum mit der beziehungsreichen Botschaft „Jesus leuchtet den Weg” und einem symbolisch strahlenden Leuchtturm geschmückt. Der Geistliche erbat mit seinem von Marienliedern begleiteten Segen göttlichen Schutz auf dem weiten Pilgerweg.

Im Gespräch mit Präfekt Christian Haas werden Ziele und Entwicklung der 1813 gegründeten Simmerather Kevelaer-Bruderschaft deutlich. Er ist seit 18 Jahren Vorsitzender des schon bald 200 Jahre bestehenden Vereins. Dessen vitale Aktivitäten, die rund 150 Kilometer lange Strecke etappenweise zu meistern, innere Einkehr und Besinnung zu halten, sich den Wunsch zu erfüllen, mit Gleichgesinnten Naturerlebnisse zu teilen, zu beten und gute Gespräche zu führen, kamen nach 1954 zum Erliegen. Niemand weiß heute freilich so recht, warum eigentlich.

Allerdings: die innigen Bindungen der Gläubigen aus dem Monschauer Land zu „ihrer” lieben Frau an Deutschlands Westgrenze blieben bestehen; sie äußerten sich nun längere Jahre durch Besuche im Pkw, Bus oder Bahn statt per Pedes.

2003 wagten Christian Haas und seine Mitstreiter („Wir wollten den schönen Brauch aufleben lassen”) nach 49 Jahren Zwangspause einen Neubeginn der Reise auf Schusters Rappen. Und wurden belohnt: Im Zweijahresturnus findet seither die Fußwallfahrt statt, in diesen Tagen bereits die fünfte.

Leni Braun schon 1954 dabei

Inmitten der Pilgerschar aus Simmerath, Monschau, Mützenich und Kornelimünster befindet sich die Simmeratherin Leni Braun. Sie ist mit 78 Jahren die Seniorin im Tross, war bereits 1954 bei der seinerzeit letzten Tour dabei und versäumte auch seit dem Neustart 2003 keine Kevelaer-Wallfahrt. Zwar dachte sie 2009 daran, diesen ihr stets wichtigen Lebensabschnitt zu beenden und sich von dieser Rheintour der religiösen Art und ihren Weggefährten zu verabschieden, doch dann wussten Pilgerbrüder und -schwestern schon im Voraus, „dass sie auch diesmal mit uns geht, sie kann´s halt nicht lassen, das Pilgern liegt Leni im Blut”.

Präfekt Haas ist mit der Entwicklung der Bruderschaft recht zufrieden: „Mit fünf Mitgliedern fingen wir an, heute haben wir mehr als 70 Angehörige.” Die Stimmung der Marschierer, empfindet der Brudermeister, sei „ausgezeichnet, fast euphorisch”. In der Gruppe herrsche ein gutes Wir-Gefühl, man sei freundschaftlich miteinander verbunden. An einem verkündeten Tagesthema orientierten sich Gebete, Fürbitten und Gesang, in Ruhepausen unterwegs fänden die Gläubigen zu innerer Einkehr und erfreuten sich gemeinsam an Gottes freier Natur.

Die Tagesstationen bis ans Ziel Kevelaer sind Eschweiler, Doveren (Selfkant), Dilkrath und das Spargeldorf Walbeck. Am Spätnachmittag des fünften Streckenabschnitts wird schließlich in der Basilika des Zielortes ein Dankgottesdienst gefeiert.

Die Zusammenarbeit zwischen den Kevelaer verbundenen Bruderschafts-Vorständen innerhalb der Städteregion funktioniere reibungslos, konstatiert Christian Haas. Deren nächste Konferenz sei für das kommende Frühjahr in Simmerath geplant.