Einruhr: Chilene ist mit Spezialrollstuhl auf Eifel-Wildnistrail unterwegs

Einruhr : Chilene ist mit Spezialrollstuhl auf Eifel-Wildnistrail unterwegs

Alvaro Silberstein war 18 Jahre alt, da hatte er einen Autounfall. Der Chilene war fortan querschnittsgelähmt und an einen Rollstuhl gebunden. Inzwischen ist er 33 Jahre alt und schon weit in der Welt herumgekommen. Sein Projekt trägt den Titel „Wheel the World“.

Auf der Internetseite www.gowheeltheworld.com kann sich jeder darüber schlaumachen, was alles möglich ist, wenn ein Wille und viele Ideen sowie ein gutes Netzwerk und gute Freunde vorhanden sind.

Als Michael Lammertz, Fachgebietsleiter Kommunikation und Naturerleben im Nationalpark Eifel, die Anfrage erreichte, dass jemand mit einem Spezial-Rollstuhl den Wildnistrail bewältigen wolle, da sagte er zunächst spontan: „Das ist nicht möglich, das ist völlig verrückt.“ Doch dann schaute er sich die Videos von Alvaro Silberstein und seinem Team an.

Zu dem Team gehören seine Landsleute Camilo Navarro, Juan Diego Luksic, Mathias Meier als Kameramann und Dominique Partarrieu als Designerin sowie Arturo Gaona aus Mexiko. Nach Ansicht der Videos wusste Michael Lammertz, dessen Steckenpferd das Thema Barrierefreiheit ist, dass das, was der gehandicapte Chilene da plante, Wirklichkeit werden könnte. In seinem Spezialrollstuhl, der ein wenig aufgebaut ist wie ein Fahrrad, kann Alvaro Silberstein getragen werden, ein großer Vorteil in unwegsamem Gelände.

Bereits am vergangenen Sonntag lief Lammertz mit der außergewöhnlichen Gruppe das erste Stück Wildnistrail von Höfen nach Einruhr mit. Am Montag gab es dann mitten im Wald auf dem Teilstück Einruhr — Gemünd eine Pressekonferenz. Lammertz bedankte sich bei den aktiven jungen Leute aus Übersee mit den Worten: „Es ist für uns eine große Ehre, dass sie den Nationalpark Eifel besuchen und bei ihrer Reiseberichterstattung berücksichtigen.“

Nach dem Schicksalsschlag

Alvaro Silberstein brachte seine Botschaft mit: „Egal, was passiert, das Leben geht weiter.“ Nach seinem Schicksalsschlag suchte er sich neue Aufgaben und Herausforderungen, die er mit „Wheel the World“ fand und kontinuierlich umsetzt. Im Nationalpark Torres del Paine in Patagonien entschied er sich, als nächstes in die Eifel zu reisen und dort den Wildnistrail mit seinen Möglichkeiten zu testen.

Die Eifel und speziell den Wildnistrail beschreibt Alvaro Silbersein als sehr abwechslungsreich, spannend, liebenswert und wunderschön. Über die Abenteuer, die er in diesem Teil der Erde erlebt, wird er demnächst unter anderem im Internet berichten. Zu den weiteren Teilstücken des Wildnistrails zählen die Etappen Gemünd—Heimbach und Heimbach—Zerkall.

Im und am Nationalpark Eifel, so berichtet Michael Lammertz, gebe es barrierefreie Angebote, die sich großer Beliebtheit erfreuen würden. Bekannt ist etwa der barrierefreie Weg „Wilder Kermeter“, der auch mit einem gängigen Rollstuhl befahrbar ist. Zwei Rollstühle hält der Nationalpark vor, die bei Bedarf und entsprechender Anfrage auch für Kinder ausgeliehen werden können.