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Imgenbroich: Café International leistet seit über 25 Jahren integrative Arbeit

Imgenbroich : Café International leistet seit über 25 Jahren integrative Arbeit

Vom Maislabyrinth über den Abenteuerspielplatz bis hin zum Indoorspielplatz war alles vertreten. Fünf Stunden verbrachten Kinder und Eltern des Cafés International bei schönstem Wetter im Bubenheimer Spieleland, einem Freizeitpark in Nörvenich. „Und es hat allen sehr gut gefallen“, sagt Vera Rupp-Franksen, Mitarbeiterin des Cafés.

Etwas länger als ein Jahr ist das Café International jetzt ein eingetragener Verein. Die Wurzeln des Treffpunkts für Asylbewerber und Deutsche sind allerdings schon über 25 Jahre alt. Regelmäßig trifft man sich im Pfarrheim Imgenbroich. Die Palette der Besucher ist laut der Cafémitarbeiter breit gefächert.

Es kämen sowohl welche, die gerade erst in Deutschland angekommen seien, als auch welche, über deren Asylantrag schon längst entschieden worden sei. Der Verein stehe dabei für Integration, Toleranz und Fairness — unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Sprache. „Wir wollen hier jedem Hilfe anbieten, der Hilfe braucht — egal ob Eingeborener oder Zugereister“, sagt Rupp-Franksen.

Voneinander lernen

Das Café International bietet an jedem Montag außerhalb der Ferien im Pfarrheim allen interessierten Menschen einen Treffpunkt mit Tee, Kaffee, kalten Getränken und kleinen Leckereien an. Laut Rupp-Franksen kann man hier vieles über fremde Länder und Kulturen lernen — die einen über Deutschland und Europa, die anderen über Syrien, Iran, Afghanistan und Griechenland. Jeden letzten Donnerstag im Monat gibt es einen internationalen Jugendtreff, bei dem Jugendliche mit Migrationshintergrund, aber auch deutsche Kinder und Jugendliche aus der Region, Behinderte und Nicht-Behinderte zusammenkommen und gemeinsam spielen, kochen und Erfahrungen austauschen können.

Neben den regelmäßigen Treffen gibt es auch andere Aktionen, wie Kickerturniere, Billardspiele sowie gemeinsame Weihnachts- und Grillfeste. Um sprachliche Barrieren zu überwinden, werden im Café beispielsweise, meist in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Südkreis Aachen (VHS), Sprachkurse unterschiedlichen Niveaus angeboten. Und sprachliche Barrieren gibt es natürlich.

„Aber man findet immer einen Weg, sei es mit Hilfe des Übersetzers auf dem Handy oder durch andere Kontaktpersonen, die die jeweiligen Sprachen sprechen. Viele können auch Englisch. Die Kommunikation funktioniert auf vielfältige Weise. Daran ist es noch nie gescheitert“, sagt Rupp-Franksen. „Bei kreativen Aktivitäten bekommen unsere Besucher dann die Möglichkeit, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und zu verbildlichen oder für den kommenden Winter die Mütze selber zu stricken“, erzählt Rupp-Franksen.

Auch Ausflüge stehen auf dem Plan. Deswegen machte sich jetzt eine große Gruppe Migranten, aber auch deutsche Teilnehmer, auf den Weg ins Bubenheimer Spieleland, um einen Tag voller Spiel und Spaß in dem Freizeitpark zu verbringen. „Die Kosten wurden durch eine Privatspende und vom Café getragen“, sagt Rupp-Franksen. Jeder habe Verpflegung dabei gehabt, Getränke habe das Café gestellt. Ein großer Ausflug steht indes noch an. In der letzten Ferienwoche geht es zum Segeln an den Rursee.

Etwa 30 Erwachsene und zehn Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter nehmen derzeit die verschiedenen Angebote des Cafés wahr. Die ehrenamtlichen Helfer unterstützen auch bei Papier- und Formularangelegenheiten oder Anwaltspost, helfen bei der Suche nach dem richtigen Integrationskurs und einer neuen Wohnung, einer Praktikums- oder Ausbildungsstelle.

„Da ist beispielsweise einerseits der junge Mann aus Eritrea, der bisher nicht viel von Mülltrennung oder Nebenkosten wusste, und andererseits der Vermieter aus Monschau, der sich fragt, ob das Job-Center regelmäßig zahlt, solange sein Mieter noch zum Integrationskurs geht und noch keine Arbeitsstelle hat“, erzählt Rupp-Franksen.

Man helfe also vor allem bei den Herausforderungen des Alltagslebens in Deutschland. „Für uns ist hier vieles selbstverständlich. In anderen Ländern gibt es aber gewisse Dinge einfach nicht. Wir heißen die Leute hier willkommen, so wie sie sind, und zeigen ihnen das Leben in Deutschland.“ Im Gegenzug bereicherten die Besucher des Cafés die Zusammenarbeit durch landestypische Rezepte, Geschichten, Spiele und Musik.

Als es noch die Landesunterkünfte in der ehemaligen Hauptschule Monschau und auf dem Gelände der ehemaligen „Funk“ am Ortsrand von Höfen gegeben habe, sei auch die Hilfe der deutschen Einwohner im Café größer gewesen. „Mittlerweile liegt das aber brach. Wir würden uns wieder mehr Hilfe und Unterstützung von der Bevölkerung wünschen“, sagt Rupp-Franksen. Derzeit suche beispielsweise ein spanisches Pärchen Unterstützung, das für drei Monate in Deutschland sei und hier die deutsche Sprache erlernen wolle. Man solle sich einfach melden.

Für die Zukunft sind ein Reparaturcafé und Integrationskurse geplant. Auch soll es auf der Internetseite des Cafés bald eine Pinnwand geben, auf der Dinge, Dienstleistungen und Gesprächspartner gesucht und angeboten werden können.

Großes Netzwerk

Die Cafémitglieder arbeiten ehrenamtlich. Unterstützung erhält der Verein unter anderem von der Städteregion Aachen, vom „Integration Point“ der Arbeitsagentur und vom kommunalen Integrationszentrum in Aachen. Auch die Stadt Monschau und die Gemeinde Simmerath sorgen dafür, dass den Flüchtlingen der Transport mit einem Kleinbus zum Café International jeden Montag ermöglicht wird. Laut Rupp-Franksen versucht man im Café durch die Zusammenarbeit mit vielen Institutionen ein vielseitiges Netzwerk aufzubauen.