Einruhr: Bürgerinitiative sieht erste Erfolge gegen Raserei

Einruhr : Bürgerinitiative sieht erste Erfolge gegen Raserei

Die Umgestaltung des Parkplatzes an der „Schönen Aussicht“ an der B 266 zwischen Kesternich und Einruhr mit dem Ziel, Motorradfahrern durch einen Schotterbelag die Aufenthaltsqualität zu nehmen, hat ein vielfältiges Echo ausgelöst. Insbesondere in den sozialen Netzwerken meldeten sich Kritiker zu Wort. Dort war von Geldverschwendung die Rede. Es wurde die Befürchtung geäußert, dass es zu einer erhöhten Unfallgefahr komme, wenn Schotter auf die Straße gelange. Außerdem würden die im Zufahrtsbereich des Parkplatzes neu angelegten Erdwälle einen guten Sichtschutz bieten und damit die Entsorgung von wildem Müll erleichtern. Kritisiert wurde auch, dass das Raser- und Lärm-Problem durch die Maßnahme nur verlagert werde.

Bauherr der Maßnahme ist die Gemeinde Simmerath. Ausgeführt und bezahlt wird sie aber vom Landesbetrieb Straßenbau.

Bei der Bürgerinitiative, die den anhaltenden Motorradlärm in Verbindung mit Raserei nicht hinnehmen möchte und sich im Sommer auf eben diesem bei Motorradfahrern beliebten Parkplatz mehrmals zu Protestaktionen getroffen hatte, stößt die Maßnahme hingegen auf Zustimmung. Sie sei bisher schon ein voller Erfolg. Bei schönem Wetter seien Lärm und Raserei nun weniger penetrant. „Es wird nicht mehr ständig rauf und runter gefahren“, sagt Markus Kleinhuber als Sprecher der Initiative. Die Maßnahme sei dem ein oder anderen schwer zu vermitteln. „Wenn es aber zum Erfolg führt, heiligt der Zweck die Mittel“, sagt Kleinhuber.

Die Bürgerinitiative hat inzwischen auch einen Namen und nennt sich „Gemeinsam gegen Raser und Radau“. „Das zeigt, dass wir nicht gegen Motorradfahrer im Speziellen sind. Das betrifft zum Beispiel auch Quad- und Autofahrer, die wollen wir da nicht ausnehmen“, betont Kleinhuber. Es gehe keineswegs darum, Motorradfahrer fern zu halten, sondern die Raser. Mittlerweile werde die Strecke von einigen Einwohnern gemieden. „Die fahren jetzt zum Einkaufen lieber in Richtung Schleiden“, sagt Kleinhuber.

Landwirte mit langsamen Fahrzeugen hätten die Sorge, dass ihnen jemand auffährt, und Fahrradfahrer, die keine andere Möglichkeit hätten nach Kesternich zu kommen, sähen sich gefährdet. Hinzu komme noch der Lärm. „Das sorgt bei vielen Einwohnern für Stress, und die Gäste beschweren sich darüber. Wenn die ausbleiben, ist das auch ein wirtschaftlicher Schaden“, erklärt Ortsvorsteher Christoph Poschen. Es gehe nicht darum, die Konfrontation zu suchen. „Aber die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen beginnt“, betont der Ortsvorsteher.

Über den Schotterbelag sei auch innerhalb der Initiative diskutiert worden, sagt Kleinhuber. Die Einfahrt des Parkplatzes sei aber asphaltiert und abschüssig angelegt, so dass nicht davon auszugehen sei, dass dieser vermehrt auf die Straße gelange. „Wir gehen davon aus, dass der Landesbetrieb Straßenbau das bewusst so gemacht hat. Wir verlassen uns da auf die Fachleute“, sagt Kleinhuber. Außerdem würden einige Feldwege mit ihrem Schotterbelag direkt bis an die Straße reichen. Auch dort komme es nicht vermehrt zu Unfällen.

Wilder Müll sei an dieser Stelle auch in der Vergangenheit die Böschung runtergekippt worden. Er gehe nicht davon aus, dass diese Unsitte jetzt zunehme. „Sowas gibt es immer.“

Die beiden Erdwälle seien momentan keine schöne Lösung, sie seien aber so angelegt, dass sie kostengünstig zu pflegen seien. „Es ist klar, dass sie keine Augenweide werden, sie sind aber eine praktikable Lösung. Eine schöne Optik würde sicher mehr kosten“, sagt Kleinhuber.

Der Parkplatz könne auch weiterhin von Autofahrern benutzt werden, etwa um von dort zur „Schönen Aussicht“ zu gelangen. Ein Nachteil sei aber, dass er nicht mehr von Lkw genutzt werden könne, dies sei aber schon seit längerer Zeit nicht mehr zulässig gewesen. Auch damit seien nicht alle in der Initiative einverstanden, da der Platz nun auch nicht mehr von Lkw genutzt werden könne, um schnellere Fahrzeuge vorbei zu lassen.

„Diese Möglichkeit wurde aber ohnehin kaum genutzt. Die Bereitschaft, jemanden vorbei zu lassen, tendiert gegen null. Wenn man so fair sein möchte, gibt es aber auch noch einige Bushaltestellen auf der Strecke“, erklärt der Sprecher. Jedenfalls sei ein Rückbau des Parkplatzes, so wie jetzt erfolgt, sinnvoller als eine komplette Sperrung.

Dass es mit der Umgestaltung des Parkplatzes nicht getan ist, ist auch den Anwohnern und den Mitgliedern der Bürgerinitiative klar. „Niemand ist so naiv zu glauben, dass damit die Raser eingebremst werden. Dazu bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen“, sagt Ortsvorsteher Poschen. Das sieht auch Kleinhuber so. Man werde die Entwicklung zunächst erstmal beobachten.

In Kürze stände dann auch ein Treffen mit dem Aachener Polizeipräsident, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Herrmanns und Vertretern des Landesbetriebs Straßenbau an, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Für deren Engagement sei die Initiative sehr dankbar, erklärt Kleinhuber.

„Für unseren Bereich haben wir nun vielleicht etwas erreicht, aber an anderen Stellen besteht die Problematik weiterhin. Das muss die Politik regeln. Wenn niemand etwas tut, kann sich auch nichts ändern“, betont der Sprecher der Bürgerinitiative.

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