Buchvorstellung des Monschauer Geschichtsvereins, Thema Zwangsarbeit

Geschichte des Monschauer Landes : Dieter Lenzen stellt sein Buch zum Thema Zwangsarbeit vor

Ungeahnt großes Interesse rief die Buchpräsentation des Geschichtsvereins Monschauer Land am Sonntag im Haus Holzmarkt 5 hervor. Rund 100 Personen verteilten sich im Gebäude. Der Geschichtsverein Monschauer Land hatte eingeladen, um Band 18 in der Reihe „Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes“ vorzustellen. Autor ist Dr. Dieter Lenzen aus Simmerath.

Gabriele Harzheim, Vorsitzende des Vereins, führte in die Thematik ein. Sie dankte dem Autor mit den Worten: „Dr. Dieter Lenzen hat sich eines Themas angenommen, das in die Abgründe menschlichen Handelns blicken lässt und deshalb lange auf seine Bearbeitung warten musste. Es war höchste Zeit, dass sich endlich mal jemand intensiv mit der Zwangsarbeit im Monschauer Land zwischen 1939 und 1945 beschäftigt.“

Akribisch und detailliert sei der Autor vorgegangen und habe mit seiner Arbeit einen letzten weißen Flecken auf der Landkarte der Forschung zum Thema Zwangsarbeit im Rheinland geschlossen. Harzheim: „Ja, tatsächlich hat sich die Eifel dieses Themas sehr spät angenommen.“ 2002 sei das Thema Zwangsarbeit in Nordrhein-Westfalen für die breite Öffentlichkeit aufgearbeitet worden, damals fand die Ausstellung „Zwangsarbeit im Rheinland und Westfalen 1939 bis 1945“ im Historischen Zentrum in Hagen statt. Doch die Eifel tat sich schwer. Im vergangenen Jahr legte Autor Franz Albert Heinen eine entsprechende Arbeit für den Altkreis Schleiden vor. Für den ehemaligen Kreis Monschau ist dieser Schritt nun ebenfalls gelungen.

Am 12. August 2000, so berichtete Gabriele Harzheim weiter, sei die Stiftung EVZ (Erinnerung, Verantwortung und Zukunft) gegründet worden. Harzheim: „Auch das war bereits viel zu spät.“ Viele Betroffene waren schon gestorben. Harzheim: „Insgesamt gab es ab 2001 noch circa 1,6 Millionen Überlebende und für diese eine einmalige Entschädigungszahlung zwischen 2235 Euro und 7669 Euro. Diese Zahlen sind erschreckend.“ Die Summen seien lächerlich, die Dimension der Betroffenen nach derart vielen Jahren immer noch extrem hoch.

Im Kreis Monschau lebten 1940 zirka 23.000 Personen, davon waren viele Männer an der Front. Dieter Lenzen belegte 1155 Personen in dieser Zeit, die Zwangsarbeit verrichten mussten. Lager gab es in Schmidt, in der Stadt Monschau, in Lammersdorf, Roetgen, Rurberg und in Strauch, dort gleich hinter der Kirche. Eingesetzt wurden die männlichen und weiblichen Zwangsarbeiter in Industrie- und Handwerksbetrieben, in der Land- und Forstwirtschaft und im Baugewerbe. Viele Zwangsarbeiter starben an Erschöpfung, Hunger oder brutaler Behandlung. Doch da nur wenige Sterbeurkunden ausgestellt wurden, gestaltete sich die Recherche äußerst schwierig.

Dieter Lenzen dankte seinen Wegbegleitern, den Geschichtsforschern Franz Albert Heinen und Dr. Toni Offermann, für ihre Unterstützung, fachlich sowie menschlich. Lenzen: „Ich brauchte manchmal eine Menge Antrieb, um mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Zum einen gebe es da im Buch den Blick auf die Opfer, zum zweiten aber auch den Umgang mit der Erinnerungskultur. Was Lenzen besonders quält: „Rund 1300 Zwangsarbeiter waren in Massenunterkünften untergebracht, davon sieht man heute nichts mehr. Ich kenne keine Hinweise auf diese Lager, ich kenne nur verpasste Gelegenheiten.“

So sei auf der Internetseite der Gemeinde Simmerath, etwa bei den „Dorfrundgängen“, kein Hinweis auf die Zwangsarbeiter-Lager zu finden. Lenzen: „Stattdessen geht es um tolle Aussichten und um Kulturdenkmäler.“ In Kesternich am Ehrenmal sei eine Bronzeplakette verschwunden. Lenzen: „Und mit dem Russenfriedhof in Rurberg habe ich auch so meine Probleme, man könnte meinen, dort liegen Soldaten, die im Hürtgenwald gefallen seien.“ Stattdessen würden dort Männer, Frauen, Kinder und Babys liegen, die aus dem kompletten Regierungsbezirk Aachen stammen. Lenzen mahnte große Informationsdefizite an. Und die Infos, die die Gemeinde Simmerath etwa herausgebe, ebenso aber auch die Nachbarkommunen, würden mehr vernebeln als aufklären.

Solange es nicht gelingen würde, über die tatsächlichen Gegebenheiten zum Beispiel über die des Rurberger Friedhofs aufzuklären, meint Lenzen, „wird solch ein Friedhof, auch wenn er von der Gemeinde bestens gepflegt wird, immer ein Fremdkörper bleiben“.

Weitere Verpflichtungen sieht Lenzen bei der Presse, bei Lehrern, Kommunen und eben Geschichtsvereinen. „Es liegt letztendlich an jedem Einzelnen von uns, wie wir mit der Erinnerung umgehen“, sagt er.

(gkli)
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