Breiband-Internet: Monschau beim Glasfaser-Ausbau im Schneckentempo

Glasfaserausbau in Monschau : Beim Netztempo wie ein Entwicklungsland

Der Monschauer Wirtschaftsausschuss hat beschlossen, den Breitbandanschluss aller Schulen auszuschreiben und ein neues Markterkundungsverfahren für das gesamte Stadtgebiet einzuleiten. Aber: In Sachen Internetgeschwindigkeit und -infrastruktur bleiben der ländliche Raum und auch die Stadt Monschau weiterhin erheblich unterversorgt, wie nun im Ausschuss kritisiert wurde.

„Wenn wir in dieser Sitzung Zuhörer aus Litauen hätten, würden diese vermutlich glauben, sie wären in einem Entwicklungsland“, schimpfte Grünen-Vertreter Werner Krickel im Ausschuss, als dieser jetzt den Glasfaser- und Breitbandausbau auf der Tagesordnung hatte. Darin berichteten die Verwaltung und Diplom-Informatiker Nils Malzahn vom privatwirtschaftlichen Duisburger Forschungs- und Beratungsunternehmen Innowise über den Ausbaustand im Stadtgebiet.

Deutschland und einige Bereiche der Stadt Monschau gelten auch nach Abschluss des laufenden Breitband-Ausbaus und nach aktualisierter Definition der EU, des Bundes und des Landes weiterhin als unterversorgt. Das betrifft sowohl die Haushalte, die nur mit weniger als 30 Mbit/s im Download versorgt werden können, als auch die Schulen und Betriebe in Gewerbegebieten, bei denen 30 Mbit/s je Klasse bzw. je „internetfähigem Betriebsmittel“ nicht erreicht werden. Aus diesem Grund wurden in der Vergangenheit und werden auch in Zukunft unterschiedliche Maßnahmen getroffen, um die Breitbandversorgung der Stadt Monschau zeitgemäß auszubauen und zu erhalten. Zu diesem Zweck liefen und laufen nach unterschiedlichen Finanzierungsbausteinen, Förderkriterien und Programmen formal noch vier verschiedene Infrastrukturmaßnahmen für eine höhere Bandbreitenversorgung im Stadtgebiet.

Technisch abgeschlossen ist eine FTTC-Versorgung (engl. Fibre To The Curb/Glasfaser an den Randstein) von 120 Haushalten mit mindestens 30 Mbit/s im Ortsteil Konzen. Bis September sollen weitere 341 Haushalte in den übrigen Stadtteilen Monschaus im FTTC-Verfahren ans „schnelle Netz“ angeschlossen werden – 15 Prozent mit mindestens 30 Mbits/s, 85 Prozent mit mindestens 50 Mbits/s.

Für eine dritte Maßnahme ist gerade das Ausschreibungsverfahren abgeschlossen, es betrifft 76 Unternehmen im Gewerbegebiet Imgenbroich. Sie erhalten mittelfristig eine FTTH-Versorgung (engl. Fibre To The Home/Faser bis ins Gebäude) mit mindestens einem Gbit/s, und das sogar symmetrisch, also gleich schnell im Up- und im Download. In den Genuss eines solchen Anschlusses sollen auch die sechs Schulgebäude im Stadtgebiet sowie die Volkshochschule kommen.

„Die Versorgungsquote wird sich damit weiter verbessern, aber die Bedarfe wachsen, und langfristiges Ziel ist FTTH für alle Anschlussnehmer“, so die Verwaltung. Daher sei noch in diesem Jahr eine sogenannte Markterkundung zur Analyse der Breitbandversorgung und zur Beantragung weiterer Fördermitttel sinnvoll, bestätigte auch der Experte im Wirtschaftsausschuss.

Neben diesen, durch die Stadt Monschau angestoßenen Infratrukturverbesserungen werden zeitgleich auch privatwirtschaftliche Investitionen unternommen. Die Deutsche Glasfaser ist vor wenigen Tagen in die konkrete Planungsphase für Imgenbroich und Konzen eingetreten und hat eine generelle Abfrage für die übrigen Stadtteile angekündigt.

Zusätzlich konnte die privatwirtschaftliche Erschließung des Neubaugebiets Rohren mit Glasfaser (FTTH) erreicht werden. Auch im Neubaugebiet „Lindenweg/Auf der Knaag" in Imgenbroich möchte die Stadt eine entsprechende Versorgung veranlassen.

„Zusätzlich zu den Infrastrukturmaßnahmen bis zu den Grundstücken sollen für die Schulen entsprechende Mittel aus dem Digitalpakt Schulen beantragt werden“, kündigte die Verwaltung an. Derzeit würden Konzepte für eine zukunftsfähige Versorgung der Schulen abgefragt, „damit die glasfaserbasierte Breitbandanbindung auch in den Klassenräumen ankommt“, wie es in der Vorlage hieß. „Das ist wichtig für unsere Schulen“, stellte Georg Kaulen (CDU) fest, und Gregor Mathar (SPD) meinte, dass der bisherige Monopolist „wohl unter dem Konkurrenzdruck mobiler wird“. Dies relativierte jedoch Werner Krickel, IT- und EDV-Berater und Grünen-Vertreter im Ausschuss. „Bei 30 oder auch 50 Mbit/s kann man heute wirklich nicht mehr von ‚schnellem Internet‘ sprechen“, monierte er. Es sei ein Trauerspiel, wie vor allem der ländliche Raum beim Netzausbau benachteiligt würde. „Hier versagt der Staat“, meinte Krickel und wusste, dass man in anderen Regionen Deutschlands von Geschwindigkeiten ab zwei Gbit/s spreche.

Im Wirtschaftsausschuss ärgerte man sich allerdings nicht nur über das Hinterherhinken in Sachen Internetgeschwindigkeit. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss berichtete Björn Schmitz von der Verwaltung, dass im Zuge der laufenden Kanal- und Straßenbauarbeiten in der Altstadt zwar Leerrohre mit verlegt worden seien, diese jedoch unter Umständen nicht ohne Weiteres für eine nachträgliche Verlegung von Glasfaser nutzbar seien. „Leider gibt es für die Leerrohre noch keine Norm“, berichtete Schmitz. Wenn man dann für die Glasfaserverlegung das gerade neu verlegte Altstadtpflaster dann wieder aufreißen müsse, sei das „ein Stück aus dem Tollhaus“, meinte Werner Krickel.

(hes)
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