Aachen/Würselen/Monschau: Brandstiftungs-Prozess: Drei Jahre Haft für Hauptschulleiter

Aachen/Würselen/Monschau : Brandstiftungs-Prozess: Drei Jahre Haft für Hauptschulleiter

Alles Leugnen half nichts: Der wegen versuchter schwerer Brandstiftung angeklagte Hauptschulleiter aus Monschau ist am Freitag von einem Aachener Schöffengericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Neben dem Tatbestand der versuchten Brandstiftung wurde er gleichzeitig wegen vierfacher versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Marcel Menn war sich nach der Beweisaufnahme sicher, dass der 63-jährige Pädagoge Franz-Anton D. in der Nacht des 27. auf den 28. November 2015 die rund 50 Kilometer von seinem Wohnort Monschau mit dem Pkw zurücklegte, um in seinem ehemaligen und jetzt an eine Familie verkauften Haus in Würselen auf dem Dachboden Feuer zu legen.

Der Hintergrund: Das Einfamilienhaus war von dem Schulleiter im Jahr zuvor verkauft worden, die Käufer, ein jüngeres Paar, lebten dort mit zwei kleinen Töchtern. Das ursprünglich gute Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer hatte sich abrupt ins Gegenteil verkehrt, als es zu Rückforderungen des Kaufpreises in Höhe von 150 000 Euro durch die Familie kam. Bei Umbauten hatte es massive (und teure) Komplikationen mit den Ämtern gegeben, die man dem Schulleiter anlastete, ein Schadensersatzprozess stand an.

Entgegen seiner eigenen Einlassung habe der Angeklagte D. sehr wohl versucht, mit dem Anzünden des Dachbodens die Grundlage für den Prozess zu seinen Gunsten zu beeinflussen, stellte Richter Menn eindeutig fest. Es sei überhaupt nicht schlüssig, dass der Pädagoge, wie er es über den gesamten Prozess hin hatte Glauben machen wollen, spätabends zu einem klärenden Gespräch nach Würselen gefahren sei.

Er habe bis ein Uhr nachts in seinem Auto gewartet und sei schließlich, nachdem die Mutter der Kinder von einer Feier wieder nach Hause kam, in das Haus eingedrungen. Dann sei er die Treppe hoch auf den Dachboden und sei dort von dem Lebensgefährten der Mutter, Nebenkläger Christos K., bemerkt worden, der noch spät am TV saß. Der hatte gedacht, es sei ein Einbrecher unterwegs, der Mann habe eine Maske aufgehabt, hieß es. Mit vereinten Kräften überwand man den sich heftig wehrenden Eindringling, die Kinder wurden wach von dem Tumult, die beiden Kämpfenden fielen noch die Treppe hinunter, und unten im Flur gelang es dann, den Mann mit Panzertape an Händen und Füßen zu fesseln, am Ende hatte er sieben Rippen gebrochen.

Erst danach sah man einen Rucksack, dessen Inhalt zu der Anklage führte. Denn darin hatte D. — was er noch in seinem letzten Wort bestritt — Benzin, Kerzen und ein Feuerzeug mitgebracht, Utensilien, mit denen er ein Feuer auf dem Dachboden legen wollte, wie das Gericht erkannte. „Er wollte mit der brennbaren Flüssigkeit den Käufern einen Denkzettel verpassen“, wertete Richter Menn eine Aussage des Festgenommenen bei der Polizei. Der Angeklagte aber behauptete, er sei in friedlicher Absicht gekommen, er selber sei von den rabiaten Hausbewohnern angegriffen worden. Diese Version verwies Richter Marcus Menn ins Reich der Märchen.

Oberstaatsanwältin Jutta Breuer hatte als Anklägerin dreieinhalb Jahre Haft und die Verhängung eines Haftbefehls beantragt, es bestehe Fluchtgefahr des Lehrers. Von einem Haftbefehl sah die Kammer allerdings ab, der Richter: „Er ist in ein festes Lebensgefüge eingebunden und wird sich den Konsequenzen stellen.“

(wos)
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