Roetgen: Bildungsausschuss: In Roetgen findet Inklusion längst statt

Roetgen: Bildungsausschuss: In Roetgen findet Inklusion längst statt

„In Roetgen findet Inklusion längst statt“, stellte Helmut Mulorz (SPD) am Donnerstag im Roetgener Bildungsausschuss fest. Zuvor hatte Grundschulleiterin Elisabeth Gerhards-Eckert auf Antrag der Grünen ausführlich darüber berichtet, wie in Roetgen die Beschulung förderbedürftiger Kinder an einer Regelschule umgesetzt wird.

Man praktiziere, so berichtete Gerhards-Eckert, an der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen den sogenannten „Gemeinsamen Unterricht“ (GU) bereits seit 15 Jahren, in denen sich die Zahl der GU-Schüler immer zwischen 10 und 18 bewegt habe. Förderschwerpunkte seien damals wie heute die emotionale und soziale Entwicklung, Sprache und Lernen, was gemäß Inklusionsgesetz künftig nicht mehr differenziert, sondern zum Förderbild „Lern- und Entwicklungsverzögerung“ zusammengefasst werde.

Außerdem werde bei diesen Förderschwerpunkten nicht mehr von einer Behinderung gesprochen; dieser Begriff stehe nur noch im Zusammenhang mit körperlichen oder geistigen Defiziten, so Gerhards-Eckert, die festhielt: „Das Gesetz ist aber noch nicht da; wir arbeiten daher derzeit nach Übergangsbestimmungen.“ Persönlich gehe sie davon aus, „dass sich nicht viel ändern wird“.

Erhöhte Belastung

Nach den Worten der Leiterin laufe der Gemeinsame Unterricht an der GGS Roetgen aktuell gut, stelle aber eine erhöhte Belastung für die Lehrer dar. Die der Schule zugewiesene Sonderpädagogin arbeite zwar in einer Vollzeitstelle, bilde jedoch in diesem Rahmen neben ihrer Unterrichtstätigkeit an der GGS Roetgen derzeit zwei Grundschulpädagogen sonderpädagogisch weiter.

Je nach Förderbedarf werden die GU-Schüler derzeit mit zwei bis drei Stunden gefördert; dies geschehe einzeln oder im Team und werde in Förderplänen und Konferenzen geplant und diskutiert.

Ein Dreh- und Angelpunkt der Inklusion, so hielt Silvia Bourceau (UWG) fest, sei die Klassenstärke, wobei laut Studien die besseren Ergebnisse in kleineren Klassen erzielt würden, in Roetgen die Klassen aber teilweise 29 Kinder groß seien, so Bourceau.

Auch in solch großen Klassen sei bei entsprechender Förderung aber durchaus eine gute Entwicklung der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu beobachten“, hält Elisabeth Gerhards-Eckert andere Kriterien für den Erfolg der inklusiven Beschulung für wichtiger. „Diese Kinder brauchen vor allem mehr Zuwendung“, stellte die Schulleiterin fest, bestätigte aber auch: „Wir könnten da sicherlich noch mehr leisten, wenn wir mehr Zeit und Personal hätten.“

Wolfgang Schruff (CDU) wollte wissen, wie man in Roetgen vorbereitet sei, wenn ein körperbehindertes Kind die örtliche Grundschule besuchen wolle. Es sei, so Gerhards-Eckert, in jeder Jahrgangsstufe ein Klassenraum ebenerdig zu erreichen, wenn dieser Falle eintrete; darauf habe man bei der Raumaufteilung nach Fertigstellung des Um- und Neubaus geachtet, meinte die Schulleiterin, ergänzte aber: „Diese Frage stellt sich uns derzeit jedoch nicht, da auch im jetzt abgeschlossenen Anmeldeverfahren für das Schuljahr 2014/15 keine entsprechende Anmeldung vorliegt“, so die Leiterin.

Rainer Welzel (UWG) wollte wissen, in welchen Fällen derzeit noch Roetgener Kinder mit Förderbedarf der Förderschule Nordeifel in Eicherscheid zugeteilt würden. Dies sei die Ausnahme, wenn das Kind bereits an der Grundschule unterrichtet werde und erfolge praktisch nur, wenn der ausdrückliche Wunsch der Eltern vorliege, so Gerhards-Eckert. Werde bei einem Kind per ASF-Gutachten der Förderbedarf festgestellt, so erfolge gleich nach der Anmeldung der Wechsel zur Förderschule.

Rainer Welzel sprach sich für eine „klare politische Willenserklärung pro Förderschule“ aus, denn die Verunsicherung bei Eltern und Kindern sei sehr groß vor dem Hintergrund, dass auch die Förderschule Nordeifel, deren Träger-Zweckverband die Gemeinde Roetgen ja auch angehöre, im Bestand derzeit nur bis 2014/15 gesichert sei, so der UWG-Vertreter.

Noch nicht absehbar

„Der GU begleitet uns ja schon lange hier in Roetgen, aber was da mit der Inklusion auf uns zukommt, können wir derzeit noch nicht absehen“, fasste Antragstellerin Ingrid Karst-Feilen die Gemütslage zusammen. Deutlicher war Helmut Mulorz in seiner Bewertung, die er aber allgemein und nicht auf Roetgen bezogen wissen wollte: „Die Idee der Inklusion ist faszinierend, die Umsetzung aber frustrierend.“

(hes)
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