Bilderpräsentation historischer Fotos und aufschlussreiche Gespräche

Tag der offenen Tür zum 42. Museumstag : Dorfmuseum Steckenborn präsentiert „Alte Schätzchen“

Der 42. Internationale Museumstag am 19. Mai war auch ein guter Zeitpunkt für das Steckenborner Dorfmuseum, seine Tore zu öffnen. Zu diesem Anlass wurden im oberen Raum des Museums, das sich im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus von Steckenborn befindet, historische Fotos in einer Bilderpräsentation gezeigt.

„Die meisten Fotos haben leider keine Beschriftungen, so dass wir uns heute erhoffen, nähere Informationen zu einigen der Bilder zu erhalten“, sagte André Koll, Kassierer beim Ortskartell Steckenborn und Mitglied im Arbeitskreis Dorfgeschichte zum gemeinsamen Projekt des Ortskartells und des Arbeitskreises Dorfgeschichte. Der Arbeitskreis Dorfgeschichte gründete sich vor knapp fünf Jahren und möchte die Geschichte des Dorfes nicht in Vergessenheit geraten lassen. Ziel dabei ist es, mehrere historisch markante Plätze und Gebäude mit Informationstafeln vor Ort zu versehen. Das Zuordnen von Bildern auf dem Museumstag habe bereits in den letzten drei Jahren sehr gut funktioniert, und viele Personen konnten mit den passenden Namen versehen werden. Auch in diesem Jahr wurde der Wunsch von André Koll erhört und es konnten viele der insgesamt 180 präsentierten Bilder zugeordnet werden.

„Leider waren aber von den ganz Alten über 85 Jahre nicht so viele da. Dies bedauere ich sehr, da gerade wir vom Ortskartellvorstand oft zu hören bekommen, dass für Ältere im Ort nichts angeboten werde“, so Koll. Und obwohl der angebotene Fahrdienst in diesem Jahr nicht in Anspruch genommen wurde, soll dieser auch im nächsten Jahr zur Verfügung stehen, „sodass auch die älteren, ehemaligen Steckenborner, die in Nachbarorten leben, zum Museumstag kommen können“.

Selbst ein aufziehendes Gewitter und starker Regen taten dem Museumstag aber keinen Abbruch, sondern sorgten eher dafür, dass die Gäste noch länger blieben.

„Das ist eindeutig auf Held, da bin ich mir aber ganz sicher!“, sagte einer der Anwesenden während der Präsentation, die unter dem Motto „Wer kennt wen? Wo ist das?“ stand. Bei Kaffee und Kuchen herrschte eine rege Diskussion, zum Teil von alteingesessenen Bürgern, und die Ursprünge vieler Bilder wurden gemeinsam geklärt. „Ich finde es so schön, wie gut das hier gemacht wurde und dass man in den Aufbau des Dorfmuseums so viel Arbeit steckt, um alte Erinnerungen zu sichern“, sagte Friedel Wirtz aus Steckenborn. Er sei zum zweiten Mal Besucher des Museumstages in Steckenborn und werde auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sein. Auch wenn er selber keine historischen Bilder mehr habe, interessiere er sich für die Dorfhistorie. „Es ist immer etwas Neues dabei, ob historische Aufnahmen oder alte Geräte und das alte Feuerwehrgerätehaus ist genau der richtige Platz für das Dorfmuseum.“

Ebenfalls positiv angetan war Gisela Kampshoff-Enderle aus Steckenborn: „Ich war schon öfters hier im Dorfmuseum und auch bei der Eröffnung dabei. Beim Museumstag bin ich jetzt zum ersten Mal und werde wohl auch im nächsten Jahr wiederkommen.“ Besonders gut gefalle ihr eine große Tafel, auf der die Entwicklung der Einwohnerzahlen Steckenborns seit 1816 zu sehen ist.

Historische Ausstellung

Während im oberen Raum fleißig gerätselt wurde, erfreute sich auch die Ausstellung im unteren Teil großer Beliebtheit. Hier waren alte Werkzeuge, Küchengeräte, Nähmaschinen, historisches Geschirr, selbst gefertigte Eierbecher, alte Küchenwaagen, Butterfässer, gusseiserne Öfen sowie bereits in den Vorjahren zugeordnete Bilder zu sehen. Der Großteil der Ausstellungsstücke ist bereits viele Jahrzehnte alt und stammt aus der Zeit um den zweiten Weltkrieg.

„Nein, das ist aber jetzt total verkehrt“, sagt ein älterer Mann zu seiner Ehefrau plötzlich vor einem der Bilder. „Kennst Du die auf dem Bild etwa nicht mehr? Die musst Du doch noch kennen, das ist doch sogar Verwandtschaft von Dir!“, war aus einer anderen Ecke zu hören. Bereits im Vorstand des Ortskartells Steckenborn sei im Vorfeld des Museumstages überlegt worden, wie man gegebenenfalls an weitere historische Fotos komme, die in diversen Steckenborner Schränken schlummerten. Bevor diese verstauben, war der Museumstag im Mai nun die richtige Gelegenheit, die alten Schätzchen noch einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren und Erinnerungen zu wecken.

Insgesamt zeigte sich Koll zufrieden mit der Resonanz beim inzwischen vierten Museumstag in Steckenborn: „Es lief zwar etwas schleppend an, aber später, zur Kaffeezeit, lief es besser und es herrschte durchgehend reger Andrang“. So sei auch für das nächste Jahr wieder ein Museumstag geplant. „Bilder habe ich auf jeden Fall noch genug“, so Koll schmunzelnd. Er persönlich freue sich immer, „den älteren Steckenbornern einen schönen Nachmittag zu bereiten, die in der Vergangenheit schwelgen, sobald sie ein historisches Foto sehen“. Sogar am Museumstag selbst seien noch historische Fotos sowie Exponate als Leihgabe zur Ausstellung im Dorfmuseum abgegeben worden.

Viele Fotos erhalten

Er war bereits Wochen vor dem Museumstag auf die Suche nach historischen Fotos gegangen, die für die Nachkommen gesichert werden sollten, und dabei auch erfolgreich. So konnten historische Steckenborner Fotos von Personen, Häusern und Gegenständen digitalisiert werden und somit für die Ewigkeit festgehalten werden. „Mein Wunsch dabei ist es, zu vermeiden, dass historische Fotos bei diversen Aufräumarbeiten weggeworfen werden, denn wenn sie einmal weg sind, sind sie für immer weg“, sagte Koll vorher. Insgesamt hatte er im Vorfeld des Museumstages rund 120 historische Fotos zugesandt bekommen.

Wer sich auch außerhalb des Museumstages für dieses interessiert, kann sich jederzeit an Marliese Wollgarten, in Steckenborn 57, Tel. 02743/3180 oder an Herbert Strauch, In Steckenborn 50, Tel. 02473/2567 wenden. Diese besitzen jeweils einen Schlüssel für das Museum.

Internationaler Museumstag

Ausgerufen wird der Internationale Museumstag jährlich vom Internationalen Museumsrat ICOM. Er fand im Jahr 2019 bereits zum 42. Mal statt. Ziel des Aktionstages ist es, auf die thematische Vielfalt der über 6500 Museen in ganz Deutschland sowie auch der Museen weltweit aufmerksam zu machen. Mit ihrem breiten Spektrum, dem vielfältigen Angebot und innovativen Ideen leisten die Museen einen großen Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Der Aktionstag steht dabei in jedem Jahr unter einem anderen Motto, das vom Internationalen Museumsrat ausgerufen wird. Damit werden die unterschiedlichen Schwerpunkte der Museumsarbeit aufgegriffen. Es geht stets um aktuelle Themen und er verweist zudem auf die thematische Vielfalt einer vielfältigen Museumslandschaft. In diesem Jahr lautet das Motto „Museums as Cultural Hubs: The Future of Tradition". In Deutschland feiern die Museen den Aktionstag entsprechend unter dem Motto „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“. (maxs)

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