Nordeifel: Beziehung zur Kirche: Bischof nimmt die Menschen mit ins Boot

Nordeifel : Beziehung zur Kirche: Bischof nimmt die Menschen mit ins Boot

Wenn in einer alt eingefahrenen Beziehung der Satz fällt „Wir müssen reden“, dann ist es meistens höchste Zeit, dass sich grundsätzlich Dinge ändern und neue Wege eingeschlagen werden. In einer ähnlichen Situation sieht sich auch die katholische Kirche.

Die Beziehung der Institution Kirche zu den Gläubigen steckt in der Krise, die Zeichen stehen auf Wandel. Dieser Veränderungsprozess hat im Bistum Aachen bereits volle Fahrt aufgenommen.

„Heute bei Dir“ lautet die achtteilige Gesprächsreihe des Bistums Aachen mit dem Bischof, der rund 120 Gäste folgten. Eine Aachener Printe in Form einer Hostie nahmen die Besucher gerne als Geschenk mit. Auch das Schiffsführerteam der Rurseeschifffahrt Schwammenauel hieß Bischof Helmut Dieser auf der „Stella Maris“ herzlich willkommen (Bild unten li.). Als geduldiger und konzentrierter Zuhörer zeigte sich Bischof Helmut Dieser im Gespräch mit den Menschen während der vierstündigen Fahrt auf dem Rursee (Bild unten re.). Foto: Peter Stollenwerk

Mit der innovativen Dialogreihe „Heute bei Dir“ möchte die Kirche Schritt halten mit dem rasantem Wechsel in der Gesellschaft und direkt auf die Menschen zugehen und sie mit ins Boot nehmen. Mit gutem Beispiel geht da der erste Mann im Bistum Aachen, Bischof Helmut Dieser, voran. Und wo gelänge ein solches Vorhaben besser als auf einem Fahrgastschiff der Rurseeschifffahrt?

„Heute bei Dir“ lautet die achtteilige Gesprächsreihe des Bistums Aachen mit dem Bischof, der rund 120 Gäste folgten. Eine Aachener Printe in Form einer Hostie nahmen die Besucher gerne als Geschenk mit. Auch das Schiffsführerteam der Rurseeschifffahrt Schwammenauel hieß Bischof Helmut Dieser auf der „Stella Maris“ herzlich willkommen (Bild unten li.). Als geduldiger und konzentrierter Zuhörer zeigte sich Bischof Helmut Dieser im Gespräch mit den Menschen während der vierstündigen Fahrt auf dem Rursee (Bild unten re.). Foto: Peter Stollenwerk

Das siebte von insgesamt acht Begegnungstreffen mit Helmut Dieser fand am Dienstagabend auf dem Rursee statt. An der Anlegestelle Schwammenauel wurden rund 120 Gäste aus der Region empfangen, die den Oberhirten des Bistums persönlich kennenlernen und mit ihm ins Gespräch kommen wollten.

Einen harmonischen Ausklang fand der Gesprächsmarathon auf dem Rurseeschiff mit einem Liedvortrag des Kirchenchores St. Martin aus Froitzheim. Foto: Peter Stollenwerk

„Wir müssen reden“ lautete dann das Motto in den folgenden vier Stunden, während die „Stella Maris“ sanft über die Rurtalsperre glitt und dabei auch so manche Bucht erkundete, die sonst nicht im Fahrplan vorgesehen ist. In kleinen Gruppen wurden die Gäste bei der bestens organisierten Veranstaltung nacheinander zu Bischof Dieser an den Tisch gebeten. Zwischendurch gab es dezente Livemusik und, dem Untertitel der Veranstaltung („meet & eat“) entsprechend, einen attraktiven Imbiss.

Kernthema: junge Menschen

„Die Menschen spüren den Umbruch“, sagt Helmut Dieser im Gespräch. Bei den bisherigen Begegnungen seit dem 1. März zwischen Krefeld und Aachen hat der Bischof mit rund 700 Menschen gesprochen, ebenso persönlich wie kontrovers. „Wir müssen andere Wege des Glaubens entdecken und darüber sprechen, wie es weiter geht mit der Kirche“, sagt der Bischof, und seine Sorgen sind geradezu greifbar. Als „Kernthema“ bezeichnet er es auch, wie es gelingen könne, „dass die jungen Menschen wieder in den Glauben hineinwachsen“.

Mit herzlichem Beifall wurde der Bischof an Bord begrüßt, und schon nach wenigen Einführungsworten hatte der 55-Jährige, der seit knapp zwei Jahren Bischof von Aachen ist, viele Sympathiepunkte sicher. Redegewandt und frei von Berührungsängsten suchte der geduldige und konzentrierte Zuhörer mit den Gästen aus dem Eifelraum den ehrlichen Dialog, darunter übrigens nur wenige aus dem Monschauer Land.

„Wir werden uns als Kirche weiter bewegen“, versprach er. „Wir müssen die Gemeinsamkeiten vertiefen und die Vielfalt annehmen.“ Ziel der Begegnungen sei es, Menschen anzusprechen, „die in die Kirche etwas einbringen möchten und uns damit weiterbringen“. Diese Botschaft stand auch immer wieder während des anschließenden Kommunikations-Marathons im Mittelpunkt. Die vielen Anregungen und Kritikpunkte notierte das Mitarbeiterteam des Bistums gewissenhaft mit.

Der unausweichliche Neuanfang löst bei Helmut Dieser keine Endzeitstimmung aus, sondern erfüllt ihn mit Zuversicht: „Manches in der Kirche tun wir doch nur noch, damit es irgendwie weitergeht, obwohl es längst nicht lebendig ist“, bekennt er selbstkritisch. „Die Kirche muss dahin gehen, wo die Menschen sind, und die anstehenden Veränderung als Start in eine neue Epoche sehen“, fordert er.

Auch müsse die Kirche lernen, die „Unterschiedlichkeit der Menschen auszuhalten“. Der für seine Reformpläne auch schon in die Kritik geratene Bischof verspricht aber, „dass Inhalte vor Strukturen gehen“ und er nicht die Absicht habe, das Modell aus seinem Vorgängerbistum Trier nach Aachen zu übertragen. Ihm sei wichtig, „den Dialog so lange zu führen bis das Gemeinsame groß genug ist und sich am Ende keiner als Verlierer fühlt“.

„Offene Wunde“ in Monschau

Dieser weiß aber auch, dass es in den Pfarren vor Ort manchmal ohne schmerzliche Verluste nicht geht. Angesprochen auf die Situation in der GdG Monschau, wo derzeit kein hauptamtlicher Seelsorger zur Verfügung steht, spricht der Bischof von einer „offenen Wunde“. Trotz aller Bemühungen sei es nicht gelungen, eine personelle Lösung zu finden.

Fast ohne Ausnahme nahmen die Menschen nach den zeitlich knapp bemessenen Reihum-Gesprächen ein gutes Gefühl aus der Begegnung mit. Günter Garke aus Rott fühlte sich ernst genommen und sprach von einer „lebendigen und überzeugenden Begegnung“. Alois Goffart aus Simmerath fand den Dialog „sehr angenehm“ und nahm „einige gute Impulse“ mit. „Es hat mir gut getan, einige Dinge anzusprechen, die in mir brennen.“

Er habe ein „sehr ausgeprägtes Bewusstsein der Menschen für Veränderung, gute Laune und positive Energie“ wahrgenommen, zog Helmut Dieser sein persönliches Fazit dieser intensiven Kreuzfahrt auf dem Rursee, die im wahrsten Sinne harmonisch mit einem Lied des an Bord befindlichen Kirchenchores St. Martin aus Froitzheim endete.

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