Vossenack: Besondere Bilder zeigen nicht nur Schönes im Kloster-Kultur-Keller

Vossenack : Besondere Bilder zeigen nicht nur Schönes im Kloster-Kultur-Keller

Nicht nur „schöne“ Bilder gibt es derzeit in den Fluren des Kloster-Kultur-Kellers in Vossenack zu sehen, die Ausstellung „Arpilleras“ zeigt Bilder von wirtschaftlichen Problemen, von Not, von militärischen Aktionen und Gewalt. Sie wurden von Frauen in den Ländern Chile, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien angefertigt und schildern deren Situation in Zeiten der Unterdrückung.

Das Ehepaar Fritz-Georg und Ursula Kersting hat diese Wandbilder gesammelt und stellt sie dem Kloster-Kultur-Keller für eine Ausstellung zur Verfügung. Ursula Kersting sprach bei der Eröffnung vor zahlreichen interessierten Besuchern die einführenden Worte; sie hat mit ihrem Mann sechs Jahre in Bolivien gelebt, immer wieder zog es das Paar in die Länder Südamerikas.

Begonnen hat die Geschichte der Arpilleras (arpillera = Sackgewebe) in Chile zur Zeit der Militärdiktatur. Die Frauen, deren Männer verhaftet oder verschleppt worden waren, drückten mit diesen von Hand angefertigten textilen Bildern ihre Verzweiflung aus. „Wo sind sie?“ ist auf den Arbeiten zu lesen oder die Forderung nach „Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden“.

Anfangs wurden die Motive auf Sackgewebe genäht und gestickt, die Frauen schlossen sich zu Gruppen zusammen, machten einander Mut und erzielten mit ihren Handarbeiten ein kleines Einkommen. „Die Botschaften vom Schicksal der verzweifelten Frauen wurden in Europa und USA verstanden“, erläuterte Ursula Kersting. Immer feiner wurden die Arbeiten, immer vielfältiger die Materialien und immer detaillierter ihre Aussagen. „Das Volk lässt sich nicht einschüchtern“, lautete eine Botschaft, die auch in anderen Ländern, in denen Unterdrückung herrschte, aufgegriffen wurde. So zum Beispiel in Kolumbien, wo Bilder vom Leid der Vertriebenen zeugen.

Im Laufe der Jahre war es nicht mehr ausschließlich die Notgemeinschaft, die die Frauen zum gemeinsamen Gestalten trieb. Es ging mehr und mehr darum, mit den Arbeiten etwas Geld zu verdienen. Die Wandbilder zeigten dann Bilder des Alltags, Marktszenen, landwirtschaftliche Motive. Es sind oft Gemeinschaftsarbeiten, wobei zum Beispiel eine Frau die Näharbeiten für den Hintergrund übernimmt und andere Frauen filigrane Stickereien beisteuern oder Figuren und Gegenstände dreidimensional herausheben. Alles in üppigem Farbenreichtum und originellem Materialmix.

Wer die Arpilleras kennenlernen möchte, kann noch bis zu den Sommerferien den Kloster-Kultur-Keller besuchen. Die Ausstellung ist immer zu sehen, wenn dort Veranstaltungen laufen, und nach Absprache.

(ale)
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