Bernhard Schrouff übergibt das "Weisse Pferdchen" an seinen Sohn Simon

Kunst- und Kulturstätte in Mützenich : Die Tradition vom „Weissen Pferdchen“ wird fortgesetzt

Es ist neben der Pfarrkirche Sankt Bartholomäus wohl Mützenichs markantestes Gebäude – und eines der traditionsreichsten ohnehin: Die heutige Kunst- und Kulturstätte „Weisses Pferdchen“ an der Ecke Eupener Straße/Schiffenborn blickt in diesem Jahr auf eine 170-jährige Geschichte als Gast- und Schankwirtschaft zurück. In den kommenden Wochen gibt es aber dort noch mehr Grund zum Feiern.

„Ich werde das Haus zum 1. August offiziell an meinen Sohn Simon übergeben“, kündigte Bernhard Schrouff, der das „Weisse Pferdchen“ seit 1997 besitzt und betreibt, im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Der gebürtige Aachener, der seit 1992 in Mützenich lebt, hat aber auch selbst Grund zum Feiern, denn am 29. Juli vollendet er sein 70. Lebensjahr und möchte dies mit allen Freunden des Hauses kräftig feiern. „Es gibt etwas zu trinken und zu essen, natürlich alles frei, und ich würde mich freuen, wenn es ein großes Fest in lockerer Runde wird“, so der Jubilar in spe.

Eine Art Kunstinstallation

Auch seine Kunst- und Kulturstätte feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag. Vor zehn Jahren, im Juni 2009, eröffnete Bernhard Schrouff das Haus und verpasste ihm den markanten hellroten Anstrich. „Das war damals eine Art Kunstaktion. Frauen malen sich ja auch ihre Lippen rot an, um aufzufallen. Das wollte ich auch mit meiner neuen Kunststätte“, erzählt Bernhard Schrouff und erinnert sich noch gut: „Da herrschte ganz schöne Aufregung im Dorf und darüber hinaus, weil ich das traditionelle Fachwerk-Weiß einfach überstrichen hatte.“

Doch die Aufregung legte sich und das nun nicht mehr weiße „Pferdchen“ entwickelte sich zu einem Anlaufpunit für Freunde von Kunst und Musik jeder Art. Über 50 Konzerte, Theaterstücke und Kabarettabende fanden statt mit teils ausgefallenen Künstlern und Bands. Fast schon legendär die Konzerte mit Stoned Washed und Peter Tambornino, mit der heimischen Ska-Band KTK, Rock mit Reno Schnell und Peter Sonntag, jüngst noch mit der jenseits der Grenze sehr bekannten und beliebten Chanson-Formation Les Copains d’abord aus Ostbelgien oder der Sparkassen Big Band.

Schon im 19. Jahrhundert machten hier Händler auf dem Weg von Monschau nach Eupen Rast und Station. Foto: Repro/Schepp

Fest gebucht ist jedes Jahr im November Eifel-Kabarettist Jupp Hammerschmidt mit seinem jeweils neuen Programm. Weit mehr als nur eine schöne Raumdekoration des großen Saales waren und sind die wechselnden Kunstausstellungen im Saal, überwiegend mit Künstlern aus der Region, denen Bernhard Schrouff die Möglichkeit gab, sich im schönen Ambiente des alten Gebäudes zu präsentieren. Aktuell stellt Bernhard Schrouff zahlreiche Werke seiner eigenen, stattlichen Sammlung von Malereien aus.

Sein Sohn und Nachfolger Simon möchte die Arbeit und die Ideen seines Vaters fortführen. Der 36-Jährige ist nach seiner beruflichen Tätigkeit in Süddeutschland in die Eifel zurückgekehrt und wird das „Weisse Pferdchen“ künftig auch verstärkt wieder als Gaststätte betreiben.

„Seit Anfang des Jahres haben wir freitags und samstags das Bistro für Gäste geöffnet, in den Sommermonaten bei gutem Wetter auch die Terrasse mit Kaffee und Kuchen und kleinen Leckereien“, erzählt Simon Schrouff.

Auch künftig sollen Lesungen, Comedyabende und Musikkonzerte stattfinden, und natürlich können auch weiterhin private Feiern in jeder Größenordnung gebucht werden. Eine Neuerung präsentiert der neue Betreiber am letzten Tag dieses Jahres, wo er zum Preis von 79 Euro (Kinder zum halben Preis) 100 Gästen eine große Silvesterfete mit Tanz, Getränken und einem erlesenen Menü anbieten möchte. Anmeldungen und Anfragen dazu wie auch für private Feiern sind jederzeit persönlich oder per E-Mail an info@weisses-pferdchen.de möglich. Auch Bands oder Gruppen, die hier auftreten möchten, können sich direkt an Simon Schrouff wenden.

Etwas traurig stimmt Bernhard Schrouff, dass er aufgrund seiner Erkrankung ein anderes großes Projekt in Mützenich nicht weiterführen konnte. Pläne für den Bau eines großen Komplexes für betreutes Wohnen in der Ortsmitte an der Eupener Straße lagen fix und fertig in der Schublade, mussten dann aber aus gesundheitlichen Gründen auch dort verbleiben.

Weiter Kunst an den Wänden

„Hier im Haus geht es aber weiter und auch die Kunst an den Wänden wird fortgesetzt“, verspricht Bernhard Schrouff, der zwar fortan kürzer treten möchte, seinen Sohn aber weiterhin unterstützen wird. „Ich bin ja nicht aus der Welt“, sagt der 69-Jährige, der sich stets auf seine Familie verlassen konnte und hofft, dass dies auch so bleibt: „Bei acht Kindern müssen sich alle schon ein bisschen solidarisch zeigen“, stellt er augenzwinkernd fest.