Bei seiner Abschiedsgala kommt der Barde ohne Leder in Fahrt

20. Monschau-Festival auf der Burg : Volkslieder kann Heino immer noch am besten

Mit dem blauen Enzian, der schwarzen Barbara und der schwarzbraunen Haselnuss wird man ihn immer und ewig in Verbindung bringen, da kann er noch viele Metal- und Popsongs kopieren, dass keine deutsche Rockband mehr vor ihm sicher ist.

Heino ist ein deutscher Volkssänger, das kann er am besten, und das kauft man ihm auch ab: Das war auch bei seinem als Abschiedsgala titulierten Konzert auf der Burg Monschau im Rahmen des 20. Festivals nicht anders.

Auf den zu gut dreiviertel gefüllten Sitztribünen hatte sich eine Reihe von Fans versammelt, die sich im Nieselregen aber zunächst reserviert zeigten. Gecoverte Songs wie „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen oder „Sonne“ von Rammstein haben Teile der Heino-Konzert-Fangemeinde irritiert, selbst wenn sein kleiner Ausflug in die Rockszene vor einigen Jahren ihm kommerziell einen zweiten Frühling bescherte.

„Als wäre es gestern gewesen“, begrüßte der 80-Jährige im schwarzen Ledermantel und großem Silberkreuz auf der Brust „seine Freunde“, um dann, verstärkt mit einer siebenköpfigen Band und einem dreiköpfigen Chor, zwischen Rock- und Volksmusik zu pendeln. Beim Bierzelt-Song „Rosamunde“ gab es einen kleinen Ausrutscher bei der Tonart und Grönemeyers Klassiker „Was soll das?“ klingt in der Heino-Version schon ein wenig grenzwertig und gibt der Fragestellung einen doppelten Sinn. Bei „La Paloma“ und „Sierra Madre“ ist Heino aber wieder musikalisch ganz auf Linie, und die Fans sind es ebenso.

Der Nieselregen bei der Heino-Abschiedsgala drückte zwar ein wenig auf die Stimmung, aber die Fans auf der Burg Monschau waren dennoch in guter Stimmung. Foto: Peter Stollenwerk

„Jeder kann mitsingen. Wir haben Heino in unserer Jugend geliebt“, sagt Josi Becker, die aus Titz zum Heino-Auftritt nach Monschau gekommen ist. Herbert Weber aus Warendorf, der gerade Eifelurlaub in Dedenbon macht, hat die Festival-Plakate in Monschau gesehen und sich mit seiner Ehefrau spontan zum Konzertbesuch entschlossen. „Heino ist noch jemand, der singen kann“, sagt der treue Fan, „aber wir wollen Heino so erleben wie wir ihn kennen und nicht mit einem Totenkopf-Emblem auf dem Ring.“

In der Pause tauschte Heino den schwarzen Mantel gegen ein rotes Jackett und steigerte sich dann Stück um Stück zu Höchstform. Als er seine hinreichend bekannten Partykracher in Serie abspulte, war das Publikum auf Betriebstemperatur und die ersten Blumensträuße wurden auf die Bühne gebracht. Der Volkssänger genoss die Zuneigung, denn er weiß was er seinen Fans schuldig ist. Zwischendurch wurde noch eine kurze Selbstinszenierung eingestreut, als sich plötzlich Ehefrau Hannelore aus dem Hintergrund zu Wort meldete und im Zwiegespräch mit dem Ehemann über den Abschied von der Bühne parlierte. Fazit des Dialogs: Ende offen.

Bei der Zugabe „Hoch auf dem gelben Wagen“ hatte sich das Publikum von den Plätzen erhoben, Feuerzeuge wurden entflammt, und Heino verließ langsam und lange winkend die Bühne.

Zu Beginn des Abends hatte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter ganz offiziell die 20. Festspiele gemeinsam mit dem diesjährigen Schirmherrn der Veranstaltung, Oliver Paasch, dem Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens, eröffnet. Sie stellte zudem mit Ruth Breuer und Rolf Kaulard die neue Festival-Leitung vor und dankte dem Publikum, „dass sie uns seit 20 Jahren die Treue halten, auch wenn sie nicht immer von der Sonne verwöhnt wurden“.

Oliver Paasch bezeichnete das Monschau-Festival als festen Termin im Kulturkalender der Euregio. Der wunderbare und beneidenswerte Rahmen des Festivals lade dazu ein, neue Freundschaften zu schließen. Er stellte den völkerverbindenden Charakter des Festivals heraus verknüpft mit einer Werbebotschaft für ein starkes Europa.

(P. St.)
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