Nordeifel: Bei Gärtnereien heißt das Motto in der Hitze „Wasser marsch!“

Nordeifel: Bei Gärtnereien heißt das Motto in der Hitze „Wasser marsch!“

Wasser ist in diesem heißen Sommer das Element der Stunde. Das spüren nicht nur alle Gartenbesitzer, sondern auch die Blumenhandlungen und Gärtnereien, wo jetzt auch Tag für Tag das Motto „Wasser marsch!“ gilt. „Wir gießen den ganzen Tag über unsere Blumen und Pflanzen. Morgens fangen wir an, und abends hören wir damit auf“, sagt Andrea Haas, Floristenmeisterin im Betrieb Blumen Pauls in Konzen

Der Durst der Blumen ist kaum zu stillen. „Das ist viel Arbeit und sehr zeitintensiv“, sagt Andrea Haas: „Hinzu kommt noch die körperliche Belastung, da unsere Mitarbeiter den ganzen Tag über der Sonne ausgesetzt sind.“ Die gärtnerische Faustregel, dass man entweder frühmorgens oder am Abend die Blumen gießen sollte, ist derzeit außer Kraft gesetzt. „Das funktioniert bei uns nicht“, sagt Andrea Haas und lacht.

2000 Liter Wasser pro Tag

Zwei Mitarbeiter sind den ganzen Tag über damit beschäftigt, die Pflanzen zu wässern. Rund 2000 Liter pro Tag sind dafür nötig. „Es schadet auch nicht, wenn die Blumenerde mal ein wenig antrocknet“, ergänzt die Floristenmeisterin. Dadurch würden die Pflanzen aktiviert, neue Wurzeln zu bilden, die wiederum das Wachstum förderten.

Einen besonders hohen Wasserbedarf haben die Hortensien. „Die werden auch hin und wieder komplett bis zum Topfrand ins Wasser eingetaucht, damit der Wurzelballen sich vollsaugen kann“, erzählt Andrea Haas. Kleine Hitzeschäden an den Blumen müssen zwischendurch beseitigt werden. Diese entstehen, wenn nach dem Gießen die nassen Blätter in der prallen Sonne regelrecht verbrennen. „Das verkraften die Blumen aber ganz gut“, weiß Andrea Haas.

Während die Mitarbeiter fleißig mit dem Brauseschlauch wässern, kommt gerade eine treue Kundin auf den Hof, die spontan ein Kompliment gibt: „Ich finde es toll, wie liebevoll sich die Leute hier mit den Blumen beschäftigen, damit man auch an heißen Tagen perfekte Ware bekommt.“

Während die blühenden Pflanzen in dieser heißen Jahreszeit besondere Zuneigung brauchen, entwickeln sich die Rasenflächen vielerorts zur Steppenlandschaft.

„Auch wenn so manche Grünfläche im Moment eher an eine Wüste erinnert, brauchen sich Gartenbesitzer um ihren Rasen keine Sorgen zu machen“, beruhigt Betriebsmitinhaber Stefan Pauls die Gemüter besorgter Gartenbesitzer. „Im nächsten Jahr wird alles wieder grün“, sagt er. Nur bei neu angelegten Rasenflächen müsse jetzt kräftig gewässert werden, weil diese noch keine Stabilität besäßen.

Platzregen würde auch nicht helfen

Von allen herbeigesehnt wird inzwischen das Wasser von oben, aber in diesem Punkt herrscht seit fünf Wochen Ebbe. „Ein Platzregen würde im Moment auch keine Abhilfe schaffen“, sagt Pauls. „Die Böden sind jetzt hart wie Beton, und große Mengen Wasser würden sofort abfließen. Das Wasser gelangt nicht dahin, wohin es eigentlich gehört.“

Wie sehr die Natur unter den ausbleibenden Niederschlägen leidet, erkennt man auch an vielen Bäumen, die schon eine herbstliche Färbung angenommen haben. Das betrifft selbst die anspruchslosen und widerstandsfähigen Buchen und Linden. „Besonders an Birken und Weiden sind bereits massive Trockenschäden festzustellen“, hat Stefan Pauls beobachtet.

„Wie umfangreich die Schäden wirklich sind, wird man aber erst im nächsten Frühjahr sehen“, ergänzt er. Dass viele Bäumen bereits im August ihr Blattkleid abwerfen, sei grundsätzlich kein Grund zur Beunruhigung, sagt Pauls. Dabei handele es sich um eine Stressreaktion des Baumes, der jetzt die Photosynthese verweigere, um sich darauf zu konzentrieren, dass das wenige Wasser in der Substanz verbleibe.

„Auch in der Natur lautet jetzt das Prinzip ‚Friss oder stirb‘.“ Im Übrigen, so der Fachmann, sei es praktisch unmöglich, ältere Bäume zu bewässern. Dies ergebe nur Sinn bei Neuanpflanzungen, wie sie beispielsweise in diesem Frühjahr auf dem neuen Rathausplatz in Simmerath vorgenommen worden seien.

Riesiger Wasserspeicher Venn

Im Gegensatz zu anderen Gegenden in Deutschland aber sieht die Nordeifel noch relativ grün aus. Dies liege vor allem an der Zusammensetzung der Böden, weiß Stefan Pauls. Der in der Region vorherrschende Lehmboden könne das Wasser länger speichern.

Eine ganz wichtige Funktion räumt er dabei dem Hohen Venn ein. „Hier gibt es übrigens keinerlei Trockenschäden“, sagt Stefan Pauls, da der torfreiche Boden die Funktion eines riesigen Wasserspeichers übernehme und für stetige Luftfeuchtigkeit sorge.

Dies wirke sich auch positiv auf das Umland aus, wie man immer wieder am Morgentau feststellen könne. „Deshalb kommt man in der Eifel eigentlich auch ohne Bewässerungsanlagen aus“, sagt Pauls aus Erfahrung, aber Regen sehnt er trotzdem herbei. „Hilfreich wäre jetzt ein leichter Nieselregen, am besten zwei Tage am Stück.“

(P. St.)
Mehr von Aachener Nachrichten