Bahnstrecke zwischen Stolberg und Eupen soll keine Utobie bleiben

Euregio Verkehrsschienennetz: Bahnstrecke zwischen Stolberg und Eupen soll keine Utopie bleiben

„Ja, es ist unser erklärtes Ziel, die Bahnstrecke von Stolberg aus bis zur deutsch-belgischen Grenze, und darüber hinaus auch bis nach Eupen, zu reaktivieren“, so Geschäftsführer Thomas Fürpeil von der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS).

Gerade für den Tourismus wäre es ein großer Gewinn, würde man den Zugverkehr bald schon wieder aufleben lassen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei bereits in Angriff genommen worden, die EVS investiere rund fünf Millionen Euro in die Befahrbarmachung der Gleise von der Altstadt Stolberg bis nach Breinig, bestätigt Fürpeil. Der Startschuss erfolge bereits im März mit dem Abriss des im Krieg zerstörten Rüstbach-Viadukts. „Das wird nun neu gebaut“, ist zu hören. Zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres könne die Euregiobahn fahrplanmäßig dann Breinig ansteuern, wünscht er sich.

Bis Ende 1961 verkehrten zwischen Stolberg über Breinig nach Schmithof an der deutsch-belgischen Grenze Personenzüge. Und dieses Schmithof, so Thomas Fürpeil, aber auch die ostbelgische Stadt Eupen, stehen bei der EVS weit vorne auf der Planungsliste. Es werde von belgischer Seite ebenfalls Interesse an einer Umsetzung angestrebt. Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Belgien, hatte im März 2017 öffentlich betont, dass man die Reaktivierung der Strecke von Stolberg nach Eupen brauche. Gerade für Eupen und Ostbelgien würde die Anbindung an die Euregiobahn eine große Chance bedeuten, damit könne eine effizientere Verbindung zum Bahnhof Köln (eventuell auch Mönchengladbach) geschaffen werden.

Sein Pressesprecher Serge Heinen teilte im Juni 2017 mit: Die Euregio Maas-Rhein erkennt in einer möglichen Verlängerung der Euregiobahn von Stolberg nach Eupen eine bedeutende Ergänzung zu bereits bestehenden grenzüberschreitenden Mobilitäts-Angeboten. Eine Anbindung Ostbelgiens an das Netz der Euregiobahn wäre in vielerlei Hinsicht, so im Bereich der Studenten- und Arbeitskräftemobilität oder des Tourismus, ein großer Gewinn für die gesamte Euregio Maas-Rhein. Nicht zuletzt wäre das Schienenverkehrsangebot für deutsch-belgische Berufspendler eine Alternative zum Pkw.

Städteregionsrat Tim Grüttemeier, auch Vorsitzender des EVS-Beirats, weiß ebenfalls um die wichtige euregionale Bedeutung des Vorhabens. Kommunen der Städteregion Aachen stünden hinter diesem Vorhaben, es sei ein großes Interesse an diesem Musterprojekt für die europäischen Regionen spürbar, hatte er im vergangenen Jahr verlauten lassen.

Für Thomas Fürpeil ist der „erste Schritt“ in Richtung Breinig möglicherweise auch das Entree zur Reaktivierung der Weiterführung an die deutsch-belgische Grenze. „Und dann möglichst auch bis Eupen“, sagt er. Der EVS-Geschäftsführer weiß, dass es nicht leicht wird, mit der belgischen Seite eine Einigung zu erzielen, immerhin sei mit dem Projekt ein großer finanzieller Aufwand verbunden.

Fürpeil misst in Sachen Tourismus dem Norden der Städteregion (Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, eventuell sogar Übach-Palenberg) eine große Bedeutung zu. Er denkt aber auch gezielt an die Eifel, an den Ravel-Radweg und den Eifelsteig. Hier würden sich Möglichkeiten ergeben, wie wirtschaftliche Impulse, Käuferpotentiale, Wanderer, Radwanderer – also ein touristischer Aufschwung.

Fürpeil betont, dass das alles keine Utopie sei. „Wir befinden uns in den Planungen, einen konkreten Zeitpunkt gibt es nicht.“ Aber: „Wir werden unser erklärtes Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Gleiches gelte auch für die Euregio-Tram, die von Baesweiler über die Jülicher Straße in Aachen den Bushof ansteuern soll. Und er weiß, dass das alles eine stolze Summe Geld kostet.

Rainer Hülsheger, Vorsitzender des Heimat- und Eifelvereins Rott und Mitglied im Vorstand der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) sowie Mitglied des Naturschutzbeirates der Städteregion Aachen, ist ein Verfechter der Reaktivierung der Bahnstrecke von Stolberg nach Eupen. Er hat bereits in einem Vortrag dem Umwelt-, Fremdenverkehrs- und Forstausschuss der Gemeinde Roetgen sowie Bürgermeister Jorma Klauss die Vorteile der Maßnahme dargelegt. Dabei sei eine positive Bewertung spürbar geworden.

Hülshegers Ausführungen decken sich mit denen von Fürpeil, Paasch und Grüttemeier. Hülsheger thematisiert die „wirtschaftliche Belebung“ für die beiderseits der deutsch-belgischen Grenze liegenden Städte und Orte mit Bahnhöfen und Haltepunkten. Die Bahnstrecke Eupen – Stolberg könnte einer Kanalisierung von Verkehrsströmen dienen, denn sie kreuze Landes- und Bundesstraßen, die radial auf Aachen und die Autobahn E 40 zulaufen. In Raeren und Walheim könnten P+R-Parkplätze Pendlerströme aus der Eifel in die Räume Aachen, Düren, Köln, E 40 abfangen.

Hülsheger schwärmt von „Naturerleben entlang der Bahn“, von Rad- und Wanderbahnhöfen in der Nordeifel, und erwähnt den Eifelsteig sowie die Ravel-Route – vom Bahnhof ins attraktive Wegenetz der Nordeifel, bequem von Bahnhof zu Bahnhof radeln oder wandern.

Geschäftsführer Max Salzmann von den Eisenbahnfreunden Grenzland (EFG) sagt, dass der Verein sich seit 2008 für den Erhalt sowie die Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebes engagiert. Das letzte verbliebene Stück der Vennbahn zwischen Stolberg und Eupen stelle eine sehr erhaltenswerte Infrastruktur im Aachener Süden dar. Im Zuge der Reaktivierung könne das Angebot von touristischen Sonderfahrten mit historischen Eisenbahnfahrzeugen ausgebaut werden.

(der)
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