1. Lokales
  2. Eifel

Das Coronavirus und die Nordeifel: Auswirkungen noch auf Sparflamme

Das Coronavirus und die Nordeifel : Auswirkungen noch auf Sparflamme

Während inzwischen der erste Fall einer Corona-Infektion in der Nordeifel bekannt wurde (dem jungen Mann geht es gut, und er befindet sich in häuslicher Quarantäne), halten sich die Auswirkungen auf das öffentliche Leben in den Kommunen der südlichen Städteregion weiterhin in Grenzen.

Nach einer Empfehlung des Landes sowie der regionalen Krisenstäbe wurden in den vergangenen Tagen auch einige kleinere Veranstaltungen in Monschau, Roetgen und Simmerath abgesagt oder verschoben. Am Mittwoch haben die Krisenstäbe von Städteregion und Stadt Aachen offiziell erklärt, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1000 erwarteten Teilnehmer nach einem Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums zunächst bis Karfreitag abgesagt werden müssen. „Veranstaltungen unterhalb dieser Teilnehmerzahl müssen anhand eines Kriterienkatalogs bewertet werden“, hieß es in der Mitteilung, die auch durch die Kommunen verbreitet wurde.

Eine Checkliste zur Bewertung steht für Veranstalter ab sofort im Internet auf www.staedteregion-aachen.de zur Verfügung. „Die Krisenstäbe appellieren an das Verantwortungsbewusstsein aller Veranstalter und fordern sie zur Kooperation auf. Sollte eine Veranstaltung nach der Checkliste als risikoreich einzustufen sein, empfehlen die Krisenstäbe die Absage“, hieß es in der Mitteilung. Fragen zur Bewertung einer Veranstaltung können an die zuständigen Ordnungsbehörden für Monschau, Simmerath und Roetgen gerichtet werden.

Die Fußballmädels des FC Eifel hatten mit dem FC Übach-Palenberg am Samstag Gegnerinnen aus dem Fußballkreis Heinsberg, wo der Spiel- und Trainingsbetrieb seit Wochen komplett ruht. Es war ein völlig normales Fußballspiel, bei dem beide Mannschaften lediglich auf das übliche Abklatschen vor und nach der Partie verzichteten und sich stattdessen mit dem Fuß begrüßten und verabschiedeten. Foto: Heiner Schepp

Die Auslegung der Verhaltensempfehlung aus den Krisenstäben wird derzeit – naturgemäß – sehr unterschiedlich gehandhabt und richtet sich in vielen Fällen auch nach der erwarteten Klientel einer Veranstaltung. So wurde beispielsweise die für Freitag geplante Modenschau von Moden Haas in Simmerath abgesagt, „da die Besucher bei uns doch einige Zeit recht eng zusammensitzend verbringen und wir vor allem unsere älteren Besucherinnen und Besucher nicht unnötig gefährden möchten“, wie Firmenchef Michael Haas betonte. Die Modenschau werde aber zu gegebener Zeit nachgeholt. Ebenfalls „aus reiner Vorsicht und um die Bemühungen zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung der Infektion zu unterstützen“, findet der für Samstag und Sonntag in Roetgen geplante Osterbasar für das indische Kinderdorf „Ma Niketan“ nicht statt, wie die Veranstalter mitteilten.

Seit 23 Jahren bricht Germania Eicherscheid in den Osterferien zum Skifahren ins italienische Livigno auf. Erstmals musste die Fahrt in die derzeit behördlich abgeriegelte Lombardei nun abgesagt werden. 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene hatten sich auf den Urlaub gefreut. Foto: Heiner Schepp

Skitour abgesagt

Bei Maria Schmitz, Tel. 02471/3462, können nach Absprache am Donnerstag, 12. März, dem Basar zugedachte Flohmarktartikel abgegeben werden. Zum Schutz vor allem der sehr jungen Besucher sagte die Städteregion bereits vergangene Woche die Kindertheater-Veranstaltung „Das kleine Ich-bin-Ich“ ab, die am Freitag in der Aula des Monschauer Gymnasiums stattfinden sollte. „Für reservierte Tageseintrittskarten fallen keine Stornogebühren an“, teilte das städteregionale Amt für Kinder, Jugend und Familie mit. Aufgrund der „stetig steigenden Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus“ hat auch der Caritasverband für die Region Eifel den Alzheimer-Kongress abgesagt, der am Samstag, 14. März, im großen Panorama-Raum auf Vogelsang IP hätte stattfinden sollen.

Andere Veranstalter, Einrichtungen, Vereine und Privatpersonen werden dagegen gar nicht vor die Möglichkeit gestellt, eine Absage abzuwägen. So musste der Sportverein Germania Eicherscheid zu Wochenbeginn schweren Herzens und zum ersten Mal in 23 Jahren seine alljährliche, äußerst beliebte Skitour ins norditalienische Livigno absagen, da die Lombardei, in der das sonnen- und schneereiche südtiroler Skigebiet liegt, vollständig abgeriegelt wurde. „Das Dekret gilt zwar zunächst nur bis 3. April, doch unsere Kontaktpersonen in Livigno gehen selbst davon aus, dass die Saison zu 99 Prozent beendet ist“, teilte Günter Scheidt mit, der die Germania-Skitour seit über zwei Jahrzehnten federführend organisiert. Betroffen sind 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich für die Vereinstour angemeldet hatten.

Ebenfalls aufgrund der restriktiven Maßnahmen in Italien hat auch das Monschauer St.-Michael-Gymnasium seinen Austausch mit einer Schule in Rom abgesagt. Die italienischen Schüler sollten Ende März in die Eifel kommen, der Gegenbesuch sollte nach Ostern erfolgen. Auch das Franziskus-Gymnasium Vossenack musste eine Skifahrt ins italienische Ahrntal absagen; eine für Ende März geplante Reise einer kleinen Schülergruppe nach England wird nach aktuellem Stand jedoch stattfinden. Am FGV wurden des weiteren Informationsveranstaltungen für Eltern, die keinem großen Termindruck unterliegen, verschoben.

Auch am kommenden Wochenende soll in der Eicherscheider Tenne getanzt, gefeiert und gelacht werden – und das alle drei Tage. Foto: Heiner Schepp

An allen Grundschulen und weiterführenden Schulen in der Nordeifel lief indes der Schulbetrieb auch am Mittwoch uneingeschränkt weiter. Auch am Berufskolleg in Simmerath, dessen Partnerstandort in Stolberg bereits seit letzter Woche geschlossen ist, geht derzeit noch alles seinen normalen Weg.

Heiße Sauna

Dies gilt auch für den Fußballspielbetrieb in der Nordeifel wie im gesamten Fußballkreis Aachen. Während im Profibereich aufgrund hoher Zuschauerzahlen Geisterspiele angeordnet wurden und auch viele Eifeler Fans der Westbundesligisten Gladbach, Köln, Schalke und Dortmund am Mittwoch und Samstag buchstäblich „in die Röhre“ schauen, wurden bislang keine Spiele im lokalen Jugend- und Seniorenbereich infolge der Corona-Vorsichtsmaßnahmen abgesagt.

Am vergangenen Samstag empfingen die U15-Fußballerinnen des Jugendfördervereins FC Eifel mit dem 1. FC Rheinland Übach-Palenberg in der kreisübergreifenden Staffel sogar eine Mannschaft aus dem Fußballkreis Heinsberg, wo der Spiel- und Trainingsbetrieb seit zwei Wochen komplett ruht. „Es war ein völlig normales Fußballspiel, bei dem beide Mannschaften lediglich auf das übliche Abklatschen vor und nach der Partie verzichteten und sich stattdessen mit dem Fuß begrüßten und verabschiedeten“, berichtete der Verein.

Auch am kommenden Wochenende soll nach jetzigem Stand kein Meisterschaftsspiel ausfallen, wobei beide Bezirksligamannschaften aus der Nordeifel Gegner aus dem Kreis Heinsberg vor der Brust haben: Der FC Roetgen erwartet Sparta Gerderath, Germania Eicherscheid reist zum 1. FC Heinsberg-Lieck, der nach den Maßgaben des Fußballverbandes Mittelrhein zu kreisübergreifenden Spielen antreten darf.

Auch andere Sportarten sind bislang nicht von der Absagewelle betroffen, und sowohl das Vennbad in Monschau wie auch das Simmbad in Simmerath werden, Stand Mittwoch, auch in den kommenden Tagen wie gewohnt ihre Besucher empfangen. Und die Roetgen-Therme weist schon seit Tagen auf ihren Online-Portalen unter Berufung auf aktuelle Studien darauf hin, dass sich das Coronavirus nirgendwo so unwohl fühlt wie in einer heißen Sauna ...