Ausstellung „Shift Photo“ im Kunst- und Kulturzentrum in Monschau

Im Kunst- und Kulturzentrum : 13 Fotografen und ihr Blick auf die Wirklichkeit

Höchst unterschiedlich sind die Arbeiten der 13 Fotografinnen und Fotografen, die jetzt im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau im Rahmen der SHIFT- Gruppenausstellung gezeigt werden.

Verteilt auf neun Räume sind Bilder in den verschiedensten Formaten zu entdecken, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, die aber durch zwei Blöcke inhaltlich miteinander verbunden sind. Während der erste Teil der Ausstellung verschiedenen Objekten, Alltags- und Gebrauchsgegenständen, Innenräumen und Architektur gewidmet ist, konzentriert sich der zweite Teil auf das Prinzip der Theatralisierung beziehungsweise Anti-Theatralisierung in der Porträtfotografie.

Zur Eröffnung der Ausstellung drängten am Sonntag zahlreiche Besucher in die Ausstellungsräume, um die Bilder auf sich wirken zu lassen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Städteregionsrat Axel Wirtz stellte die Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, die Fotografinnen und Fotografen und ihre Arbeiten vor.

Andreas Magdanz rückt das Gefängnis „Stammheim“ mit seinen großformatigen Fotografien in den Mittelpunkt. Die heutigen beton-nüchternen und sachlichen und vor allem emotionslosen Außen- und Innenansichten des Gefängnisses bilden einen bewussten Kontrast zu den schockierenden Ereignissen des Deutschen Herbstes.

Die Arbeiten von Jörg Hempel mit dem Titel „Solarmorphosis“ verschwimmen mal traumartig, mal hart, mal sinnlich. Der oszillierende Effekt verleiht gewöhnlichen Bauten ein neues Wesen. Jörg Hempel nennt die Methode Solarisation. Erneutes Belichten bedingt verfremdete, kaum lenkbare Verschiebungen von hell und dunkel. Die Zufälligkeit lässt den Betrachter staunen und rätseln, was er da gerade sieht.

Die 2018 entstandene Fotoserie „Die Besitzer“ von Manja Schiefer und Marco Röpke zeigt skulpturale Arrangements, die aus irdischem Tand zusammengestellt und räumlich neu strukturiert wurden. Sie spielen mit der Wahrnehmung der Betrachter und verraten oft erst auf den zweiten Blick die Herkunft oder Art der Bestandteile der Objekte.

Petra Warras setzt sich mit dem Begriff „Heimat“ auseinander. An einem fremden Ort sein heißt, sich einer anderen Welt öffnen zu müssen. Dem steht der Wunsch nach Rückzugsorten und Geborgenheit gegenüber. Innerhalb dieses Spannungsbogens entstand die inszenatorische Serie „Stay Home“.

Florian Beckers‘ „Licht-Bilder“ entstehen aus der Dunkelheit heraus und verschwinden teilweise wieder in ihr. Es geht um das Zusammenspiel der leeren Fläche mit dem Restbild – verlassene, topografisch unbestimmte Orte, leere, ungesicherte Räume, in die Stimmungen projiziert werden. Da sie kein klares Bild von der Außenwelt abgeben, handeln sie vielmehr von der Welt in unserem Inneren.

Andrea Borowski porträtiert in ihrer Serie Mütter mit ihren erstgeborenen Töchtern. Sie thematisiert die gleichzeitige Existenz von Fremdheit in der Mutterrolle und unbedingter Nähe zur eigenen Tochter. Die Ambivalenz beider Gefühle wird durch Pose, Mimik, Ausstattung und Umgebung verstärkt.

Hugo Thomassen begibt sich in seiner Porträtreihe aus der Dunkelheit kommend auf die Suche nach dem Licht. Dunkle Kleidung vor dunklem Hintergrund setzt das Gesicht, die Haut und die Struktur noch intensiver in Szene. Der Betrachter schwelgt in dem Gefühl, dass Zeit keine Rolle spielt, weder beim Betrachten noch bei der Frage, ob die Bilder gerade eben oder vor langer Zeit entstanden sind.

In den Arbeiten von Peter Stollenwerk spielt Zeit eine entscheidende Rolle. Das Langzeitprojekt „Familienbilder“ zeigt gestellte Aufnahmen der Familie des Fotografen. Neben einer Würdigung der klassischen Familienfotografie geht es ihm auch um das Thema Älterwerden. So ziehen beim Betrachten der Bilder 25 Jahre in Sekunden vorüber.

Carl Brunn zeigt in seiner Serie Anhänger verschiedener Fußballvereine von der Ersten bis zur Vierten Liga. Den Freunden des Fußballs begegnet er mit Neugier, Respekt und viel Empathie. Seine Bilder erzählen unaufgeregt von einer Gemeinschaft, die eine Leidenschaft miteinander verbindet.

„45 Jahre Knast“ heißt die Serie von Marco Rose, in der er den ehemaligen Bankräuber Peter Reiner porträtiert. Seine Fotos sind präzise und direkt, zugleich aber auch vertraulich, ohne den Menschen bloß zu stellen. Mit Respekt nähert er sich dem Porträtierten mit der Kamera – ohne ihn zum Objekt einer interessanten Bildkomposition zu degradieren.

„Resurface“, Wiederauftauchen, heißt das Projekt von Johanna Reich, das vergessenen Künstlerinnen gewidmet ist. Sie generiert einen Kreislauf von digitalisiertem und analogem Material, indem sie Polaroids von Porträts erfolgreicher Künstlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts anfertigt und den Prozess der Bildentwicklung filmt.

Ernst Wawra fotografiert Landschaften, Straßen und Objekte. Meist steht er dabei im Heißluftballon und richtet seine Kamera im 90-Grad-Winkel nach unten. Man schwebt hoch oben in der Luft, und unten auf der Erde fügen sich Flächen aus Farben, Licht und Schatten zu spannenden Formationen. Er zeigt Ausschnitte aus irdischen Spielzeuglandschaften und verwirrt den Betrachter mit unbekannten Perspektiven.

(ag)
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