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Neue Ausstellungen in Monschau: „Aufbruch“ im Fotografie-Forum

Neue Ausstellungen in Monschau : „Aufbruch“ im Fotografie-Forum

Das als „Kunst- und Kulturzentrum“ der Städteregion etablierte Haus in Monschau präsentiert ab sofort wieder Fotografen aus der Region, die sich im Netzwerk „Shift“ zusammengeschlossen haben.

Mit seiner Kamera wandert Willi Filz auf einsamen Wegen, entdeckt die spröde Schönheit wild gewachsener Stämme, die an geheimnisvolle belebte Wesen aus einem Tolkien-Roman erinnern, sieht eine Ruine, darin einen Menschen, nachdenklich: Wer lebte einst in diesen Mauern? Karg und doch mit einer modernen Romantik gestaltet Filz seine Werke, die er bis zum 30. August im „Kabinett“ des Fotografie-Forums der Städteregion Aachen (ehemaliges Kunst- und Kulturzentrum) in Monschau zeigt.

An zwei Sonntagen anwesend

Im Rahmen der Kabinett-Ausstellung zeigt Willi Filz zwei Serien zu einem Thema: Aufbruch. In Aleppo ist das die Sehnsucht nach einem Neuanfang, die nach den letzten mörderischen Jahren des Krieges auflebt. Doch auch beim Jakobsweg bedeutet Aufbruch mehr, als alltäglich mit dem Rucksack loszuziehen und die nächste Etappe zu erwandern. Auch hier existiert eine Sehnsucht – nach einem neuen Start, einem Aufbruch in ein anderes, besseres Leben. Beide Serien sind Willi Filz sehr wichtig. „Polka auf dem Camino“ ist eine sehr persönliche Arbeit des Fotografen, in der er seine Eindrücke vom Jakobsweg festhält.

Eindrücke vom Jakobsweg: In einer zweiten Fotoreihe zeigt der „Shift“-Fotograf ebenfalls Bilder zum Thema „Aufbruch“. Foto: Willi Filz

Bei der Serie „Aleppo 2020“ handelt es sich um eher klassische Reportagebilder aus der vom Bürgerkrieg gezeichneten Stadt im Norden Syriens. Ob „Aleppo 2020“ oder spanischer Jakobsweg, der belgische Fotograf, Jahrgang 1962, überzeugt durch seine klare Bildsprache. Der Künstler ist am 16. und 30. August jeweils sonntags von  14 bis 16 Uhr im Fotografie-Forum in Monschau anwesend.

Möglich wird diese Ausstellung, der in diesem Jahr drei weitere Begegnungen folgen, durch „Shift“, einem 2017 gegründeten Netzwerk ambitionierter Fotografinnen und Fotografen aus der Städteregion Aachen, das seine Mitglieder miteinander verbindet und ihnen im KuK eine Plattform zur Präsentation ihrer Arbeiten bietet. In Zusammenarbeit mit dem KuK und der Städteregion organisiert „Shift“ nicht nur Ausstellungen. Der enge Kontakt zur legendären Agentur Magnum Photos ermöglicht es, in Monschau Workshops mit Profis anzubieten, die selbst Mitglieder bei Magnum sind.

„Nahezu 150 Jahre lang hat es gedauert, bis die Fotografie endlich als vollwertige Kunstform anerkannt wurde“, sagt Nina Mika-Helfmeier, Leiterin und Kuratorin von „Shift“. „Mit dieser Initiative haben wir einen wichtigen Schritt geschafft.“ Und es kommt noch etwas hinzu: Das Land Nordrhein-Westfalen hat das Projekt im KuK zum „Fotografie-Forum“ der StädteRegion ernannt und fördert sämtliche Aktivitäten zu dem Bereich mit einer Summe in Höhe von 100.000 Euro, der „Ritterschlag“ für alle Bemühungen rund um die Kunst der Fotografie. „Wir wollen die Arbeiten großer Fotokünstlerinnen und –künstler zeigen, aber uns auch nach denen umsehen, die man noch nicht so gut kennt.“ Im Zuge der Förderung kann man demnächst die zweite Etage des Kunsthauses in Monschau komplett der euregionalen Kunstszene widmen.

Die Planungen für das komplette Jahr 2020 sind trotz der Corona-Problematik fertig: So wird vom 12. September bis 4. Oktober Kathrin Esser, 1990 in Düren geboren, gesellschaftskritische Gedanken fotografisch umsetzen. Was bedeutet „Ortsanbindung“, wie kommt es in der modernen Welt zu „Ortlosigkeit“? Wie entstehen fiktionale, hybride Orte? Da scheint ein Raum, in dem nur ein Klavier an der Wand steht, über Einsamkeit zu klagen, ein finsteres Treppenhaus lässt auf Schritte lauschen. Kathrin Esser, seit 2014 Mitarbeiterin der „Internationalen Photoszene“ Köln, spürt diese Befindlichkeiten auf.

Im Oktober: Ursula Böhmer

In die Natur zieht es Ursula Böhmer (17. Oktober bis 8. November). Die in Berlin lebende Aachenerin reizen Naturphänomene, sie überschreitet Grenzen. Wo ist es Pflanze, wo Mensch? „Ich benutze vorwiegend analoge Techniken und stelle meine Bilder im klassischen Dunkelkammerprozess her“, verrät sie. Die reale Kuh ist genauso Teil ihrer Welt, wie verrätselte Phänomene am nächtlichen Himmel, dabei bleiben ihre Fotoarbeiten still, intensiv und unaufgeregt.

Die vierte im Jahr 2020 wird Ole Stragier (21. November bis 13. Dezember) sein. Die belgische Fotografin, Jahrgang 1979, hat sich an der Akademie in Gent unter anderem mit „inszenierter Fotografie“ beschäftigt. Sie deckt auf, entblättert das Glatte und legt jene Schönheit frei, die unter der Haut des Alltäglichen liegt. Das können schmerzliche Prozesse sein, skurrile Begegnungen, aber niemals die gefällige Dekoration des Lebens.

Vier Ausstellungen, vier Positionen: Es wird noch eine Menge folgen. „Unsere Region ist reich an Talenten. Die wollen wird fördern und zur Geltung bringen“, sagt Mika-Helfmeier.

Mehr Informationen im Netz:

www.kuk-monschau.de