Mützenich: Auch ohne Namensschilder gut im Bilde

Mützenich: Auch ohne Namensschilder gut im Bilde

Irgendwie ist es immer ein wenig aufreibend, wenn die Kommission kommt. Man sieht sich zwar als Partner und kennt sich, aber die Jury kann ihre Rolle als kontrollierendes Gremium eben nicht ganz von der Hand weisen, denn die Damen und Herren, die da aus dem Kleinbus klettern, vergeben Punkte.

Am Dienstag um 8.55 Uhr in Mützenich: Im Sonnenschein auf dem mit Kopfsteinpflaster ausgelegten Platz vor der Kirche, direkt an der soeben renovierten Bruchsteinmauer des Friedhofes, steht guter Dinge im Sonnenschein eine Gruppe Mützenicher Bürger, die ihre fünftägige Kirmes wegen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft” für ein paar Stunden unterbricht. 37 Dörfer insgesamt, davon 16 aus dem Südkreis, nehmen am Wettbewerb 2011 der Städteregion Aachen teil.

Ein großes Begrüßungs-Transparent ist quer über die Straße gespannt, zahlreiche Häuser sind mit der grün-gelben Dorffahne geschmückt und buntes Krepppapier weht von den dürren Johannisnacht-Bäumen. Doch all dieses farbenfrohe Schmuckwerk ist nicht der Kommission gewidmet, sondern der fünftägigen Kirmes-Festivität im Venndorf geschuldet, die Dienstagnachmittag zuende ging.

„Ich habe erstmals, solange ich zurückdenken kann, den Kirmesball am Montag verpasst”, erklärt stellvertretender Bürgermeister Franz Müller, der in der Uniform des Musikvereins Eintracht erschienen ist und gemeinsam mit Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz die Kommission im Schnelldurchgang durch das einstige Golddorf Mützenich navigiert. „Eine ganz andere Präsentation als sonst” verspricht Müller den Gästen, und verweist auf die Power-Point-Präsentation, die später in der Kulturstätte „Weißes Pferdchen” stattfinden wird. „Wir wollen ja schließlich einmal gewinnen”, meint der der Mützenicher Ratsherr schmunzelnd, der schon so manche Kommission durch sein geliebtes Heimatdorf hat ziehen sehen.

Ganz anders liegt der Fall da bei Ortsvorsteherin. Erstmals steht sie an verantwortlicher Stelle bei einer Bereisung. „Was für eine Aufregung!”, sieht Jacqueline Huppertz dem zweistündigen Besuch der Jury mit angespannter Erwartungsfreude entgegen. Dann das: Die Namensschilder, die die Mützenicher Gastgeber eigentlich anlegen wollten, sind nicht da. Diese kleine Panne ist für die Kommission aber ohne Bedeutung, sie werden von den verschiedenen Akteuren gut ins Bild gesetzt und rundum informiert.

Immer mehr Bürger finden sich ein, die schauen wollen, was die Jury so alles interessiert. Der Wimpelbaum des Eifelvereins weht im Sommerwind, und auch der Bürgermeister der belgischen Nachbargemeinde Lontzen mischt sich unter die Gruppe. Später wird die hervorragende grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Erwähnung finden, und der Entwurf eine KaffeeSchmuggler-Statue wird keine Staatskrise mehr auslösen.

Die achtköpfige Jury steht im Halbkreis im Schatten der „Aalt Scholl” und notiert fleißig die ersten Eindrücke, jeder begutachtet ein spezielles Gebiet. Einige Jurymitglieder setzen den Strohhut auf, und man fühlt sich ein wenig an die Sommerfrische der Städter aus den 1960er Jahren erinnert.

Die Ortsvorsteherin wünscht sich noch, dass die Kommission auch die Sonne im Herzen tragen möge, und dann startet der Mini- Spaziergang durchs Dorf, nicht länger als 300 Meter lang.

Am Weißen Pferdchen angekommen, erweicht der Kindergarten die Herzen der Jury mit dem Mützenich-Lied - natürlich in Platt. Die Gäste haben wahrscheinlich nicht alles verstanden, möglicherweise auch die Kinder nicht, aber die Juroren spüren, dass sie willkommen sind, und die Kinder sind ja nun einmal die Zukunft des Dorfes, wie es ja auch im Motto heißt. Inzwischen haben sich rund 40 Bürger eingefunden, die es interessiert, wie ihr Heimatdorf sich bei der Präsentation darstellt, die von Winnie Bauer („Wir wollen alles sein - außer gewöhnlich”) konzipiert wurde.

2200 Einwohner zählt Mützenich, doch es gibt 2900 Mitgliedschaften in den 27 dörflichen Vereinen. Auch bei 421 Jugendlichen im Dorf (das sind 26 Prozent der Gesamtbevölkerung) ist das Verhältnis nicht anders.

Auch Günter Flamm, ehemals beim Amt für Agrarordnung beschäftigt, macht sich Notizen, obschon er seit 18 Jahren Jurymitglied und damit ein echter Bereisungsprofi ist. Er hat es ein wenig einfacher, eine Beurteilungsgrundlage zu finden. „Ich kann in den einzelnen Orten inzwischen die Entwicklungen gut erkennen.” Und es sei eine Freude für ihn zu sehen, „was manchmal aus den Tipps, die ich zur Dorfentwicklung gegeben habe, geworden ist.”

Bei Kaffee und Kuchen (ohne die Hilfe der Landfrauen ist wohl keine Bereisung in einem Eifeldorf denkbar) entwickelt sich während der gut einstündigen Präsentation dann ein interessanter Austausch, bei dem deutlich wird, dass bei 280 Dorfveranstaltungen im Jahr Feiern zum Mützenicher Alltag gehört und das Gemeinschaftsgefühl hochgradig ausgeprägt ist.

Nach 120 Minuten heißt es für die Jury Abschied nehmen. In Kalterherberg, Höfen und Rohren wird die Kommission bereits sehnlichst erwartet. Man hat schließlich auch etwas zu bieten. Am Freitag um 16 Uhr wissen alle mehr - dann werden die Sieger 2011 bekanntgeben.

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