Nordeifel: Auch künftig sollen in Simmerath Kinder geboren werden

Nordeifel : Auch künftig sollen in Simmerath Kinder geboren werden

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Wochenende die Nachricht vom erneuten Existenzkampf der Geburtshilfe am Simmerather Krankenhaus in der gesamten Nordeifel. Wie berichtet, hatte die Eifelklinik am Freitagnachmittag den drohenden Hebammenmangel öffentlich gemacht, nachdem drei der vier Geburtshelferinnen angekündigt hatten, nicht mehr für die Rufbereitschaft zur Verfügung zu stehen.

Sollte für die Vakanz keine Lösung gefunden werden, könne dies bedeuten, dass werdende Mütter ab Juni nicht mehr in Simmerath entbinden können, hatte die Geschäftsführung des Krankenhauses betont.

„Ich kann mir für die Gemeinde Simmerath und unsere Region keine schlechtere Nachricht vorstellen“, bedauerte Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath und Vorsitzender des Krankenhaus-Beirats, die Entwicklung. Hermanns äußerte sich aber gedämpft optimistisch, dass es gelingen könne, „die Geburtshilfe in Simmerath auch über den 31. Mai hinaus aufrecht zu erhalten“. Er stehe in engem Kontakt mit dem Träger und der Leitung des Hauses und habe auch am Montag den Eindruck gewonnen, „dass intensivst an einer Lösung des Problems gearbeitet“ werde.

Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der sich wie Hermanns 2010 massiv für den Erhalt der Geburtshilfe in Simmerath eingesetzt hatte, sprach von einer auch persönlich „bedrückenden Nachricht“. Man müsse aber respektieren, „dass es derzeit große Personalprobleme bei den Hebammen gibt — übrigens nicht nur in Simmerath, sondern in vielen Krankenhäusern der Region“. Helmut Etschenberg hofft sehr, dass sich diese Abmeldung eventuell doch noch verhindern lasse, oder es nur eine vorübergehende bleibe. „Gerne bin ich zu Gesprächen mit dem Betreiber des Krankenhauses bereit und biete unsere Hilfe an. Für die gesamte Nordeifel hat es eine hohe Bedeutung, dass auch künftig — wenn irgend möglich — Frauen weiterhin hier ihre Kinder zur Welt bringen können.“

Vier Hebammen teilen sich bisher noch die Rufbereitschaft für jene werdenden Mütter, die ohne Hebamme zur Entbindung nach Simmerath kommen. Einzig die dienstälteste Geburtshelferin des Quartetts, Eva Krings, hat sich nicht an der Kündigung des Vertrags beteiligt, äußerte sich jedoch am Montag gegenüber unserer Zeitung.

Sie sei 1992 wegen steigender Geburtenrate von ihrer damals 65-jährigen Mutter Paula Krings, Hausgeburtshebamme und später auch als Beleghebamme im Krankenhaus tätig, zur Unterstützung in die freiberufliche Hebammenarbeit gerufen worden. „Damals war es ein wesentlich höherer Aufwand, in ständiger Bereitschaft die Frauen zu betreuen und zu entbinden — ohne die technischen Hilfsmittel, die es heute gibt: voll ausgestattete Kreißsäle, Ultraschall, CTG sowie motorisierte Fahrzeuge, Navi und Handy“, erinnert sich Eva Krings.

Der Beruf der Hebamme meine in erster Linie die Begleitung von Mutter und Kind unter der Geburt, findet Krings: „Kinder werden zu den unterschiedlichsten Zeiten geboren, und so sind, wie in vielen anderen Berufen auch, unregelmäßige Arbeitszeiten — Arbeiten in der Nacht, an Wochenenden, an Feiertagen — üblich. Das Herzstück der Arbeit einer Hebamme ist die fachkompetente individuelle Betreuung unter der Geburt“, so die Hebamme, für die es „aus ethischer und moralischer Sicht doch zu schaffen sein sollte, neben der Vor- und Nachbetreuung die Frauen auch zu entbinden — heimatnah und individuell 1:1 betreut“. Denn, so Eva Krings: „Die Geburt ist das Herzstück des Berufs der Hebamme.“

„Ist zu bewältigen“

Natürlich sei es dabei von Vorteil, diese Arbeitsbelastung im Team zu teilen, so dass sich eine ständige Bereitschaft auf mehrere Hebammen verteile und somit Freiraum geschaffen werde, neben der Berufstätigkeit auch Familie und Freizeit zu leben, sagt die Hebamme. Eva Krings, die nach eigenen Worten stets gerne die Rufbereitschaft übernimmt, hofft, dass es nicht zur Schließung der Abteilung kommt. Und sie ist sicher: „Mit den vorhandenen, hier im Umkreis lebenden und arbeitenden Hebammen ist die Geburtshilfe in Simmerath gut zu bewältigen.“

(hes)
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