Auch dieses Mal geben sich viele Besucher den Gruselspaß

„Happy Halloween“ in der Altstadt : Seit 20 Jahren spukt es in Monschau

Betrat man am Wochenende die Altstadt von Monschau, wurde man von ungewohnter Hörkulisse empfangen: dumpfe Geräusche, unheimliche Musik, Kreischen. Zahlreiche seltsame Gestalten waren nach Monschau gekommen, um anderen das Fürchten zu lehren - denn es war „Happy Halloween“.

Dumpfe Geräusche, unheimliche Musikklänge, ein Kreischen, dann schließlich ein erleichtertes Lachen. Betrat man am vergangenen Wochenende die Altstadt von Monschau, wurde man mit dieser Hörkulisse empfangen. Wenig später begegneten dem Besucher seltsame Gestalten, die sich aus dem Dunkel der mitunter engen Gassen schälten: Zombies in der Eschbachstraße, Drachenwesen und unheimliche Mönche, blutüberströmte „Irre“ mit zugenähten Mündern in der Mottengasse. Aber zum Fürchten war man ja hergekommen, denn es war schließlich „Happy Halloween“.

Wieder hatten sich zahlreiche Gruppen zusammengefunden, um Besucher der Altstadt das Fürchten zu lehren. Von Station zu Station ließen diese sich von Geisterführern leiten, die mit Witz und Grusel Schauriges über ihre Heimatstadt berichteten: Neben Uwe Kappe und Peter Dick übernahmen Franz Josef Kaulen und seine Söhne Christoph und Sascha diese Aufgabe, die durchaus anspruchsvoll war, galt es doch, Besuchergruppen von gut 50 Personen sicher durch die Geisterstadt zu bringen.

Ein dunkler Geselle führte auch diese Gruppe sicher durch die gruselige Altstadt und hielt viele Informationen bereit. Foto: Heiner Schepp/Heiner SChepp

Viele Monschauer hatten sich wieder besonders Schreckliches für Freitag- und Samstagabend ausgedacht. Am evangelischen Gemeindehaus wartete ein „Horror-Zirkus“ mit einer blinden Wahrsagerin, einer Bestie mit Dompteurin und mit lustig-schrecklichen Clowns auf. Alena Küsel, Viktoria und Jennifer Warts sowie Jasmin Peuler und Frederic Löhrer fielen durch ein grandioses Make-Up und detailreiche Kostüme aus der Filmwelt eines Tim Burton auf. Begleitet von Klängen aus dem Musicalfilm „Nightmare before Christmas“ zeigten sie vor allem den Kindern eine freundliche Seite des Grusels. Wahrsagerin Viktoria erläutert, dass mit dem Make-Up am Vormittag begonnen wird, damit man pünktlich zum Abend fertig wird. Zum vierten Mal sind die von Halloween Besessenen jetzt dabei, immer mit einem anderen Konzept. Wie lange man an einem solchen Auftritt plant? „Die Vorbereitungen für’s nächste Jahr beginnen übermorgen.“

In der Mottengasse wartete die „irre“ Familie Stoß auf Besucher. Foto: Harald Egerland

Bei allen Gruppen fällt auf, dass es sich nicht lediglich um willkürliche Verkleidungen handelt. Oftmals stecken Konzepte, kleine Geschichten dahinter. Die aufmerksamen Besucher erleben nicht nur sich bewegende Geisterfiguren, sondern vielmehr Mini-Shows mit einer kleinen Dramaturgie.

Preiswürdig: Die Horror-Installation im Garten der Familie Dick beklagte die Vermüllung unserer Erde. Foto: Harald Egerland

Bei den Mitwirkenden zeigt sich, dass die Geister keine Nachwuchssorgen kennen. Nicht selten handelt es sich bei den Gruppen um komplette Familien, wie zum Beispiel die Familie Stoß, die – verstärkt durch Daniela und Miro Florian – in der Mottengasse wahnsinnigen Schrecken verbreitete, oder die Familie Baales, die in Kostümen aus der Fantasyserie „Game of Thrones“ den Besuchern auflauerte. Manchmal handelt es sich auch um Freunde, die sich zusammenfinden, so zum Beispiel bei der achtköpfigen Gruppe hinter dem Aukloster, die sich in den Kostümen bekannter Hollywood-Schreckensfiguren zu einem „last Dinner“ versammelt hatten.

Dunkle Gestalten begegneten den Besuchern von „Happy Halloween“ in Monschau unter anderem auch in der Eschbachstraße. Foto: Harald Egerland

„Nein, wir haben keine Nachwuchsprobleme“, bestätigt denn auch Helga Janke-Offermanns: „Wir haben rund 70 Geister, die herumspuken. Angefangen haben wir einmal mit drei Betttuch-Gespenstern und einem verrückten Mönch an der Pfarrkirche.“ Damit erinnert sie sich an die Anfänge des Schauer-Events, das war im Jahr 1999. Sie war damals die einzige Geisterführerin, die Besucher durch die Stadt führte, spukende Geister an jeder Ecke gab es damals freilich noch nicht. „Das hat sich über die Jahre entwickelt und immer mehr gesteigert“, kann sie auf eine erfolgreiche Geschichte verweisen. Seit einigen Jahren nun schon ist sie oberste Geister-Chefin und hält alles organisatorisch zusammen.

Die Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten, nimmt man kaum oder überhaupt nicht wahr. Da sind die Maskenbildner: Danja Waldeck-Dick sowie Pia Beckers, Hannah Strang und Janna Schülter, die über mehrere Stunden mit Airbrush- und Latexarbeiten Menschen zu Horrorfiguren umgestalten. Ebenso die Helfer im Kolpinghaus, die die Besucher mit Getränken und fetziger Musik zur Halloweenparty empfangen, während sich eine Hexe (Senfmüllerin Ruth Breuer) um die Kleinen kümmert und ihnen kindgerechte Gruselgeschichten vorträgt.

Für nicht wenige Besucher sind die schaurigen Stadtführungen sicherlich das Wesentliche am „Happy Halloween“. Ein kostümiertes Besucherpaar aus Duisburg, zum dritten Mal dabei, bezeichnet Monschau gar als „Hochburg des Halloween“. Halloweenpartys gäbe es mittlerweile an allen möglichen Orten, „aber diese besonderen Stadtführungen und die große Beteiligung der Monschauer, das gibt es nur hier!“

Abgerundet wurde das Event durch ein Rahmenprogramm auf der Marktplatz-Bühne vorwiegend am Sonntag durch eine Zaubershow, durch Kürbisschnitzen und Live-Musik. Zuletzt wurden auch noch die am schönsten geschmückten Häuser prämiert. Zum ersten Mal wurde dabei auch ein Preis für Gastronomen und Geschäfte ausgelobt. Auch wenn sich dadurch noch immer zu wenige motivieren ließen, konnten hier drei Preise vergeben werden. Nicole Schubert von „Edel und Stahl“ konnte hierbei am meisten überzeugen.

Bei den Monschauer Bürgern konnten Jutta Kaulard und die Familie Sontag den zweiten beziehungsweise dritten Platz ergattern. Sieger war eine Familie, die zu den alljährlichen Favoriten zählt: Familie Dick vom Schaufenberg präsentierte in ihrem Garten eine Installation ganz im Zeitgeist. Ein bewegliches Skelett angelte hier inmitten einer Mülllandschaft, aus der deformierte Wesen kamen – eine schaurig-geistreiche Anklage gegen die zunehmende Umweltverschmutzung.

War am Freitagabend der Besucherstrom noch überschaubar, so sorgte das milde und trockene Herbstwetter am Samstag für sehr gute Besucherzahlen. Die Losung vom „Karneval im Dunkeln“ ist in Monschau auch im 20. Jahr aufgegangen.