Auch die Bachstelzen haben es nicht leicht

Lebensraum kleiner geworden : Auch die Bachstelzen haben es nicht leicht

Im Mai und Juni sind die meisten Singvögel völlig ausgelastet bei dem Versorgen ihres Nachwuchses mit Nahrung. Amseln sieht man auf Rasen und in Wiesen nach Regenwürmern suchen, Kohlmeisen fliegen vom Nistkasten ununterbrochen in die umliegenden Bäume und Gebüsche, um dort Raupen oder andere Insekten zu sammeln.

Auch Bachstelzen gehören zu den einheimischen Vogelarten, die jetzt brüten und ihre Jungen versorgen müssen.

Dieser Singvogel ist im gesamten ehemaligen Kreis Monschau verbreitet, aber lebt nur in halboffener oder offener Landschaft mit Flächen, die keine hohe Vegetation aufweisen, besonders in Wassernähe. In Wäldern würde man vergeblich nach Bachstelzen Ausschau halten. Einst, bevor der Mensch die Landschaft umgestaltete, waren ihre Lebensräume wohl Flussufer, Schotterflächen an Flüssen und Seen. Im Laufe der Zeit wurden die Bachstelzen Kulturfolger auf Grünlandflächen und in Agrarlandschaften, in Dörfern mit Viehhaltung, aber auch in Industrieanlagen und in Städten mit Rasenflächen.

So waren denn auch in unseren Dörfern und im Städtchen Monschau häufig Bachstelzen zu finden, denn hier gab es ausreichend Schuppen, Ställe, Häuser und Mauern mit Halbhöhlen und Nischen zum Anlegen der Nester. Natürliche Standorte für die Nester waren und sind in Böschungen und Abbrüchen, Felsspalten, Wurzelteller, Löcher in alten Bäumen oder aber auch einfach alte Nester von anderen Vögeln. Mit dem Einzug des Menschen in die Landschaft passten sich die Bachstelzen an die neue Kulturlandschaft an und bauten ihre Nester auf Holzbalken, in Mauerlücken, unter schadhafte Dachziegel, in Holzstößen, Eisenkonstruktionen an Brücken. Das Nest selbst wird meist mit trockenem Pflanzenmaterial gebaut und innen mit feinerem Material wie Haare, Federn und Wollfäden ausgepolstert. Die jungen Bachstelzen werden, wie es bei den meisten Vogelarten üblich ist, von ihren Eltern gefüttert: Mücken und Fliegen, Köcherfliegen, Ameisen, kleine Schmetterlinge, Springschwänze, Flohkrebse und kleine Fische gehören zum Speiseplan der Bachstelzen.

Nun haben sich bekanntlich unsere Dörfer in den letzten Jahrzehnten völlig verändert: Es sind keine Bauerndörfer mehr, sondern Wohndörfer, deren Bewohner in der Nähe oder auch weiter entfernt Arbeit gefunden haben. Schuppen, Scheunen, Ställe sind nicht mehr vorhanden, Misthaufen oder Jauchegruben mit vielen Insekten auch nicht mehr. Hauswände und Dächer sind gut isoliert, so dass insgesamt gesehen die Bachstelzen weitaus weniger Nistplätze im Dorf haben als noch vor wenigen Jahrzehnten. Da auch noch die Nahrung knapper geworden ist, bleibt es nicht aus, dass die Anzahl der Bachstelzen in unserer jetzigen Kulturlandschaft stark abgenommen haben. Sie ist zwar noch überall in den entsprechenden Lebensräumen zu beobachten, aber längst nicht mehr so oft wie vor 50 Jahren.

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