Imgenbroich: Anwohner entsetzt: Motorsägen legen alte Rotbuchen um

Imgenbroich: Anwohner entsetzt: Motorsägen legen alte Rotbuchen um

Am Donnerstag heulten im Steinrötsch in Imgenbroich die Motorsägen. Völlig überraschend und sehr zur Verwunderung einiger Anwohner wurden dort eine ganze Reihe alter Rotbuchen gefällt.

Obwohl sie Orkantief „Xynthia” ohne Schaden überstanden hatten, mussten die Baumriesen weichen, weil sie nach Behördenauskunft nicht mehr standfest waren und bei starkem Wind auf dort spielende Kinder zu kippen drohten. Doch auch diese Version der Behörden war nur eine von mehreren.

Ein Beispiel: Die Städteregion erklärt, das letzte Wort sei in Monschau gesprochen worden. Die Stadt Monschau erklärt, die Entscheidung sei bei der Städteregion gefallen.

Einige der Anwohner sind wütend und traurig über die radikale Aktion: „Wir haben in dieser Straße ein Grundstück gekauft, weil hier so viele Bäume stehen und es eben kein typisches Neubaugebiet ist”, berichtet eine Anwohnerin. „Für uns Laien sehen sie aus wie gesunde Bäume, und bisher haben sie noch keinen Ast verloren.”

Die Stadt Monschau hat unlängst im Planungsausschuss beschlossen, die Bäume am Spielplatz auf dem Steinrötsch aufgrund ihres „Gesundheitszustandes” zu fällen.

Verschiedene Anwohner hätten auf den Zustand der Bäume aufmerksam gemacht. Daraufhin seien die Untere Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen und der Monschauer Forstwirt Klaus-Jürgen Schmitz vor Ort gewesen, die sich nach einer Untersuchung einstimmig für die Abholzung der Bäume entschieden hätten. Die Buchen seien eine Gefährdung für den Straßenverkehr und für die Kinder, die auf dem von Bäumen umrandeten Spielplatz spielen, betonte Schmitz.

Er bedaure sehr, dass die Bäume gefällt werden müssen, aber die Wurzeln seien faul und die Bäume daher nicht mehr standfest. Man habe die im Bebauungsplan eingetragenen Bäume zu Beginn der Entwicklung des Neubaugebietes so natürlich wie möglich lassen wollen. Aus diesem Grund seien die Bäume nicht geschnitten worden, außerdem hätten sich auf alten Wurzeln junge Bäume gebildet, die dadurch eine Gefahr darstellten.

Einige der Anwohner können das nicht nachvollziehen und zeigen sich maßlos enttäuscht. „Hätte man sich vorher regelmäßig um die Bäume gekümmert, hätte es nicht so weit kommen müssen”, ärgert sich ein Teil der Anwohnerschaft, die auch die andere Seite versteht: „Wenn tatsächlich ein Hinweis der Bevölkerung eingegangen ist, muss die Stadt natürlich handeln. Denn wenn etwas passiert, fragt sich jeder, warum vorher nichts gemacht worden ist, um das zu verhindern?”

Ob auch gesunde Bäume dazwischen waren, wurde von der Unteren Landschaftsbehörde offen gelassen. Forstwirt Schmitz ist jedoch sicher, dass kein einziger Baum gesund gewesen sei, weil jede einzelne Rotbuche Schäden wie offene Stellen, Fäulnisbefall oder Auswüchse vorweise.

Das sehen die Anwohner anders: „Wenn es wirklich gefährlich ist, bin ich die letzte, die sagt, die Bäume müssten stehen bleiben. Aber diese Bäume hier sehen gesund aus und haben Kyrill und Xynthia überstanden, ohne dass ein Ast heruntergefallen ist.” Außerdem würden Kinder ohnehin nicht während eines Sturms auf dem Spielplatz spielen und „wir sind hier in der Eifel, da stehen halt auch mal Bäume im Wohngebiet”.

Zwischen Kahlschlag und Wildwuchs gebe es immerhin noch einen gewaltigen Unterschied, merkte ein Anwohnerin kopfschüttelnd an.

Wer letztlich den Anstoß zu dieser Baumfällaktion gegeben hat, ist ebenfalls nicht völlig geklärt. Während es im Haus der Städteregion in Aachen heißt, Simmeraths Gemeindeförster Dietmar Wunderlich, selbst Anwohner am Steinrötsch, habe auf Bitte von Nachbarn einen Blick auf die angeblich Kranken Bäume geworfen und daraufhin seinen Monschauer Kollegen informiert, hüllt sich eben dieser Monschauer Kollege zu diesem Vorgang in beharrliches Schweigen.

Höchstens ein kleiner Trost dürfte der Plan der Stadt sein, schon in diesem Frühjahr eine neue, bereits zwei Meter hohe Rotbuchenhecke mit Durchwachsern rund um den Spielplatz zu pflanzen.

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