Nordeifel/Aachen/Würselen: Angeklagter Schulleiter bestreitet erhobene Vorwürfe

Nordeifel/Aachen/Würselen : Angeklagter Schulleiter bestreitet erhobene Vorwürfe

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Aachener Schöffengericht gegen einen wegen versuchter Brandstiftung und Körperverletzung angeklagten Schulleiter (63) aus der Eifel (wir berichteten) hörte der Vorsitzende Richter Marcel Menn verschiedene Zeugen, die sich positiv in Bezug auf den Angeklagten äußerten.

Dem Pädagogen wird vorgeworfen, in der Nacht vom 27. auf den 28. November 2015 in sein ehemaliges und 2014 an neue Eigentümer verkauftes Haus in Würselen eingedrungen zu sein, mit dem Ziel, das Dachgeschoss des Gebäudes in Brand zu setzen.

Die Bewohner, im ersten Stock schliefen noch zwei Kinder, hatten laut Staatsanwaltschaft den nächtlichen Eindringling bemerkt. Sie hätten ihn mit vereinten Kräften niederringen und schließlich gegen 3.20 Uhr am Morgen der Polizei übergeben können. Auf dem Dachboden fand man einen blauen Rucksack mit Brandbeschleuniger, Feuerzeugen und Kerzenstummeln.

Hintergrund des Vorfalls sind die nach Angabe des Angeklagten unbegründeten und überzogenen Regressforderungen in Höhe von rund 150.000 Euro, die die neuen Besitzer wegen erheblicher Mängel am Gebäude gegenüber dem Verkäufer geltend gemacht hatten.

Der Angeklagte habe, so hatte er seine Anwesenheit nachts auf dem Dachboden des Hauses erklärt, mit den neuen Eigentümern über die Probleme sprechen und sie — wenn möglich — gütlich beilegen wollen.

Der dortige Bewohner Christos K. hatte als Zeuge am ersten Prozesstag angegeben, nach 3 Uhr ein Geräusch gehört und den maskierten Mann auf seinem Dachboden gefunden zu haben. Es gab einen Kampf, den der Angeklagte verlor, er wurde mit Klebeband fixiert.

Ehefrau sagt aus

Noch auf dem Weg zur Polizei soll der Schulleiter dann angegeben haben, er habe den Leuten einen Denkzettel verpassen wollen, was er heute bestreitet. Auch die Ehefrau des Angeklagten, ebenfalls Lehrerin, schilderte ihren Mann als immerzu rational abwägend, emotionale Kurzschlusshandlungen seien ihm fremd, ja, bei ihm nicht vorstellbar. Die Frau war an dem Wochenende zu Besuch bei den erwachsenen Kindern im Breisgau, sie erfuhr erst bei der Rückkehr von den Vorfällen.

Allerdings, so schilderte sie die damalige Lage, habe sie gewusst, dass ihr Mann die Gegenpartei in Würselen aufsuchen wolle.

Ob das bei ihnen so üblich sei, unangemeldet spät in der Nacht bei Menschen aufzutauchen, die man nicht mehr zu den besten Freunden zähle, wollte Oberstaatsanwältin Jutta Breuer wissen. Da grätschte mehrfach Verteidiger Paul Meer (Aachen) dazwischen, der für seinen Mandanten ins Feld führte, dass dieser von dem im Haus wohnenden Paar niedergeschlagen worden sei und nicht umgekehrt.

Gleichfalls als Zeuge trat ein Monschauer Polizist auf, der zwei Tage nach dem Vorfall mit dem Auftrag bei dem Angeklagten erschienen war, um eine sogenannte Gefährderansprache zu halten, denn die mutmaßlichen Opfer aus Würselen hatten ein Annäherungsverbot für den Schulleiter veranlasst. Der Polizist berichtete gestern, er sei völlig überrascht worden von der Version des Angeklagten, nach der dieser das Opfer und nicht der Täter sei, er habe sie dem als ehrenwert und gebildet bekannten Mann aber ohne Argwohn abgenommen.

Auch die Tochter des Angeklagten, eine 40-jährige Ärztin, gab an, sich eine solche Tat nicht vorstellen zu können, sie sei im Gegenteil entsetzt, was ihrem Vater dort passiert sei.

Das Gericht vertagte sich auf zwei weitere Kurztermine, weitere Zeugen, darunter noch mehr Polizeibeamte, die bei der Festnahme zugegen waren, sollen dann gehört werden.

Staatsanwältin Breuer will nicht hinnehmen, dass der Angeklagte „eine Stunde und 20 Minuten“ bewusstlos in dem Haus gelegen habe, bevor die Polizei eintraf. Weil das Gespräch über die angeblichen Baumängel nachts um 1 Uhr begonnen habe und es nach seinen eigenen Angaben etwa eine Stunde dauerte, blieb dieses Zeitfenster übrig, das der Angeklagte mit jener angeblichen Bewusstlosigkeit zu erklären versuchte — und was Staatsanwältin Breuer ihm nicht abnimmt.

Mehr von Aachener Nachrichten