Mützenich: Amazone siegt im strömenden Regen

Mützenich: Amazone siegt im strömenden Regen

Wer auch immer in der Wetteküche am Samstagabend die Spätschicht hatte, ein Freund der Kaltblüter war er nicht. Spätestens seit Samstag weiß aber jeder Zuschauer, was gemeint ist, wenn jemand sagt, dass es „Bindfäden regnet”.

Die zwölf dicken Damen und Herren ließen den Dauerguss gewohnt stoisch über sich ergehen. Und auch ihre Reiterinnen und Reiter ließ das Wetter relativ kalt. Sie verharrten, selbst nach ihrem Ausscheiden, auf ihren gigantischen Pferden im Mittelkreis der „Venn-Arena” und schauten zu, wie die Konkurrenz auf seifigem Geläuf um den Sieg kämpfte. Es war schon imposant zu sehen, wie die gewaltigen Rösser in Wallung gerieten und mit runden, raumgreifenden Bewegungen auf die Zielgerade galoppierten.

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis dieses 25. Kaltblutrennens der St. Georgs-Reiter in Rahmen ihres großen Sommerturniers war ein Riesenüberraschung, denn nicht Abonnementssieger Horst Steffens hatte im Finale die Nase vorn, sondern Ursula Keppler auf Moritz, einem Rheinisch-Deutschen. Steffens hatte bereits im Halbfinale einen ungetrübten Blick auf die Rücklichter von Bernhard Ungermann, der wiederum im Finale vor der Amazone die Segel streichen musste.

Nicht um jeden Preis

Bei allem sportlichen Ehrgeiz: Rösser und Reiter gaben ihr Bestes, aber nicht um jeden Preis, angesichts dieser Bodenverhältnisse. Eine Mahnung, die auch immer wieder aus dem Richterwagen an die Akteure weitergegeben wurde. So blieb es bei einigen leichten Remplern, die gefährlicher aussahen als sie waren. Und immer wieder ging ein Raunen durch das vielhundertköpfige Publikum, das ausharrte, bis Ursula Keppler nach ihrem Siegesritt jubelnd den rechten Arm hochriss.

Nicht wenige ertrugen es auch klaglos, dass ihnen vom Schirm des Nebenmanns immer wieder Regenwasser in den Hemdkragen rann. Als Trost gab es reichlich Getränke, Fritten mit Wurst oder Wurst ohne Fritten und jede Menge leckeren Kuchen.

Vor dem Rennen gab es Programm mit den Dicken. Beim Holzrücken zeigte sich, dass den zum Teil recht jungen Pferden noch einiges an Routine und Gelassenheit fehlt, und beim anschließenden Ringestechen galoppierte so mancher Teilnehmer im Eifer des Gefechts an den einzusammelnden Gerätsen vorbei.

Eigens aufgepeppt

Wie Ingo Scheffen, Vorsitzender des Reitervereind St. Georg, betonte, habe man in diesem Jahr den Auftritt der Kaltblüter etwas aufgepeppt, weil wegen der noch fehlenden Reithalle kein Spring- sondern nur ein Dressurturnier über die Bühne gehen konnte. Auch wenn, wie der Verein hofft, die neue Halle Ende Oktober steht, sollte man darüber nachdenken, den gutmütigen Dicken weiterhin diese Wertschätzung zu geben, denn wenn trotz strömenden Regens mehrere hundert Zuschauer an der Bahn stehen, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen, so ist das ein Beweis, dass es eine Nachfrage nach derlei „kleineren Erdbeben” gibt. Wenn jemand sein Herz an die sanften Riesen verloren hat, dann bleibt das eine lebenslange Leidenschaft. Und das mit Wetter kann man im nächsten Jahr vielleicht auch anders regeln.

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