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Hubertushöhe: Am Schilderbaum herrscht Wander-Wirrwarr

Hubertushöhe : Am Schilderbaum herrscht Wander-Wirrwarr

Qualität vor Quantität – auf der Hubertushöhe scheint dieser Spruch nicht zu gelten. An dem beliebten Wanderziel kreuzen sich eine Vielzahl von Wanderwegen. Der Schilderbaum stiftet aber mehr Verwirrung als klare Einsichten.

Man kann es nicht übersehen und nicht übergehen: Seitdem Corona das Alltagsleben dominiert, ist das Wandern wieder groß in Mode gekommen. Auf Schritt und Tritt begegnet man diesem Frühjahr wanderfreudigen Menschen, die der erzwungenen Passivität trotz nun beginnender Lockerungen mit Aktivitäten per pedes unter freiem Himmel entgegenwirken. In Wald und Feld ist die Abstandsregel leicht einzuhalten, das Immunsystem wird gestärkt, und die belebenden Auswirkungen auf die Psyche sind allgemein bekannt.

Dennoch musste die Verwaltung des Nationalparks in den zurückliegenden Osterferien darauf hinweisen, dass eine weitere Ausdehnung des Besucherandrangs nicht gewünscht sei. Doch trotz dieser Ausladung haben neben den Gästen von außerhalb auch viele Ortskundige in der Eifel neue Wandermöglichkeiten außerhalb des Großschutzgebietes und bisher kaum bekannte Wanderstrecken in der Region erkundet.

Zu einer gelungenen Wanderung gehört in der Regel auch eine verständliche Beschilderung, wobei Qualität vor Quantität gehen sollte. Ein Beispiel für eine bestimmt gut gemeinte aber im Ergebnis schlecht gemachte Wegekennzeichnung ist ein Schilderbaum auf der Hubertushöhe in Schmidt. Besser bekannt als „Schöne Aussicht“, gehört dieses auch als „Eifelblick“ ausgewiesene Panorama zu den besonders stark frequentierten Anlaufpunkten in der Nordeifel. Der weitläufige Platz eröffnet einen großartigen Blick auf den Rursee, die Staumauer Schwammenauel und den Sonnenstrand Eschauel. Am Horizont erkennt man Steckenborn und darunter im Wald versteckt liegt Rurberg.

Ein Schilderbaum und die Qual der Wahl: Auf der „Schönen Aussicht“ in Schmidt wird der Wanderer von der Vielfalt des Wegangebotes überrollt. Abgerissene Wegweiser am oberen Ende machen die Orientierung auch nicht einfacher. Foto: Peter Stollenwerk

Da möchte man gleich auf Wanderschaft gehen, und auf der „Schönen Aussicht“ steht ja auch der eben erwähnte und nicht zu übersehende Schilderbaum. Auf dem imprägnierten Fichten-Rundholz befinden sich rund 20 Markierungsschildchen, die in diesem Falle für die sprichwörtliche Qual der Wahl sorgen. Der Schilderbaum erinnert ein wenig an das natürliche Chaos einer Zettelwand in einer Universitäts-Mensa. Im Angebot für den Wanderer hält der Schilderbaum den Schmidter Panoramarundweg, den Nationalpark-Randweg, die Schmidter Nationalparkrunde, die Eifeler Steilküste und die Rurseeblicke parat. Hier hat die Ortsgruppe des Eifelvereins Schmidt nichts ausgelassen, und da will der Hauptverein natürlich nicht hinterherhinken. Der Eifelverein hat noch den Krönungsweg, den Ardennen-Eifel-Rundweg und als wirkliche Krönung den Europäischen Fernwanderweg Nordsee-Rhein-Main-Donau-Karpaten-Rila im Angebot. Abgerundet wird das Wege-Wirrwarr dann noch durch die Bachtäler-Höhenroute, ein Partnerweg des Eifelsteigs, angeboten vom Verein Rureifel-Tourismus.

Die Länge des Weges

Es ist fast so, als würde man vor lauter Markierungen den Weg nicht mehr sehen, aber bekanntlich führen ja viele Wege zum Ziel. Die Vielfalt des Wegeangebotes macht den Wanderer in diesem Falle nicht klüger sondern ratloser, denn die Markierungssammlung verrät nichts über Schwierigkeitsgrad, Topografie oder gar Länge der Wege.

Aber halt, da war doch was! Ganz oben am Schilderbaum entdeckt der Wanderer mehrere verbogene Metallhalterungen, an denen einst richtige Wegweiser mit Ortsangaben und Streckenlänge befestigt waren. Diese aber hängen hier schon lange nicht mehr. Sie waren wohl das Opfer mutwilliger Zerstörung, denn nicht nur ruhesuchende und friedliebende Wanderer vergnügen sich auf der Hubertushöhe. Abgerissene Wegweiser sind höchst ärgerlich, aber in einem Premium-Wandergebiet wie der Eifel sollte es auch Teil der Wegekonzeption sein, eine vollständige, orientierungsfreundliche und verständliche Markierung nicht aus den Augen zu verlieren.