Roetgen: Alternativladen: 300.000 Euro für Projekte in aller Welt

Roetgen: Alternativladen: 300.000 Euro für Projekte in aller Welt

Aus vielen kleinsten Beträgen wird in der Summe eine große Hilfe. Unter dem Motto „Alternativladen? - Finden wir anziehend!” betreibt die Ökumenische Arbeitsgruppe Alternativen Roetgen-Rott in Roetgen seit nunmehr 35 Jahren ein Ladengeschäft, in dem Gebrauchtes für kleines Geld weitergegeben wird.

Als Spenden werden gut erhaltene Kleidung, Spielzeug, Bücher und kleiner Hausrat angenommen und zu sehr niedrigen Preisen verkauft.

Mit den so erzielten Einnahmen werden jedes Jahr gemeinnützige Organisationen im In- und Ausland unterstützt. Rund 14.000 Euro standen 2011 zur Verteilung an, die auf acht Projekte aufgeteilt wurden, berichtete jetzt Alternativladen-Mitarbeiterin Anna Maria Jansen. Insgesamt sind auf diese Weise schon mehr als 300.000 Euro zusammengekommen.

Bei der Auswahl der geförderten Projekte ist den Mitgliedern der Arbeitsgruppe, die unentgeltlich alle mit dem Ladenbetrieb zusammenhängenden Arbeiten erledigen, besonders wichtig, dass auf überschaubaren Wegen und mit weitgehendem Einblick in die Verwendung der Gelder Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Einige Initiativen in Südamerika und Afrika werden seit Jahren begleitet, um Nachhaltigkeit zu sichern. „Es macht Freude zu sehen, wie sich die Lebensumstände der Menschen im Laufe der Jahre verbessert haben”, sieht Anna Maria Jansen einen Erfolg dieser Strategie.

Ein Beispiel für langfristige Begleitung eines Projekts ist ULNA in Südbrasilien. ULNA steht für „Uma luz no ammanha - Ein Licht für den Morgen”. Ursprünglich ins Leben gerufen als Heimstatt für verlassene Kinder, hat sich das Projekt inzwischen zu einem Dorf entwickelt, in dem auch Mütter mit ihren Kindern und alte Menschen eine menschenwürdige Bleibe finden. In von Bürgerkrieg und Völkermord gezeichneten Regionen im Kongo und in Ruanda wird die Organisation Twese Hamwe unterstützt, die kleineren Gruppen Kredite gewährt, mit denen Ziegenherden und einfache Maschinen gekauft werden können.

Weitere Mittel flossen an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen” sowie an Misereor für die Arbeit in den Armenvierteln von Guatemala-Stadt (wir berichteten). Auch das Eine-Welt-Forum in Aachen konnte sich wieder über eine Zuwendung freuen.

Dass durch das Alternativladen-Konzept so hohe Beträge erwirtschaftet werden können, ist nicht nur den vielen treuen Kunden zu verdanken - „rund 50 Prozent unserer Besucher sind Stammkunden”, weiß Anna Maria Jansen -, sondern auch der Evangelischen Kirchengemeinde, die durch Zuschüsse zu den Miet- und Betriebskosten für das Ladengeschäft die Ausgaben niedrig hält.

15 MitarbeiterInnen engagieren sich zurzeit ehrenamtlich im Alternativladen, darunter die drei Gründungsmitglieder Ursula und Willy Hermann sowie Marlene Roentgen. Des Weiteren sind Marlene Abo el Said, Hedwig Gerards, Sonja Graff, Anna-Maria und Gert Jansen, Martina Krupa, Lydia Pricken, Ulrike Sattelmacher-Schulze, Gerda Stark, Elke Wilmar, Irma Witthoff und Christa Wölbeling im Einsatz.

Neue Mitarbeiterinnen gesucht

Aktuell dringend gesucht werden Mitarbeiterinnen, die bereit sind, das Team zu den Ladenöffnungszeiten zu unterstützen. „Wir bieten vier Öffnungszeiten pro Woche an, da wäre es gut, wenn sich die Arbeit auf mehr Schultern verteilen würde”, hofft Anna Maria Jansen auf weitere Helferinnen. Wer etwas Zeit erübrigen kann, kann Kontakt aufnehmen mit Willy Hermann, Telefon 02471/2556.

Der Alternativladen an der Bundesstraße 77 ist - außer in den Schulferien - geöffnet dienstags und freitags jeweils von 9 bis 11.30 Uhr und 15.30 bis 18 Uhr. Sporadisch werden auch „offene Samstage” angeboten, die insbesondere von Berufstätigen und Familien gerne genutzt werden.

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