Monschau: Alter Stoff ist hochaktuell: Neuauflage von Kleists „Michael Kohlhaas“

Monschau : Alter Stoff ist hochaktuell: Neuauflage von Kleists „Michael Kohlhaas“

Rechtlichkeit und Machtmissbrauch, Rechtsstaat und Korruption, Idealwelt und Wirklichkeit. Die Themen, die Heinrich Kleist in seiner erstmals 1810 veröffentlichten Erzählung „Michael Kohlhaas“ verarbeitet hat, sind heute so aktuell wie damals.

Der Regisseur und Schauspieler Michael Miensopust hat den Stoff, den mancher als 300-Seiten-Wälzer im Deutschunterricht kennengelernt hat, auf ein Skript mit 26 Seiten reduziert und als Theaterstück für Menschen ab 14 Jahren inszeniert. Dass er dabei Kleists Sprache weitgehend übernommen hat, tut dem Erfolg der Inszenierung keinen Abbruch, wie man nun auch in Monschau feststellen durfte.

In zwei Aufführungen spielte das Junge Aachener Grenzlandtheater („Greta“) das Bühnenstück „Michael Kohlhaas“ diese Woche im Rahmen der Bildungszugabe der Städteregion Aachen für insgesamt 200 Schülerinnen der Mädchenrealschule Sankt Ursula Monschau (10er-Klassen) sowie des Sankt-Michael-Gymnasiums Monschau (Q1).

Eine weitere geplante Aufführung für die MGM-Schüler der Klassen 9 und EF wurde wegen eines Todesfalls an der Schule abgesagt, soll aber im Dezember nachgeholt werden.

Als der Pferdehändler Michael Kohlhaas Pferde von Brandenburg nach Sachsen führen will, wird er vom Junker Wenzel von Tronka genötigt, zwei Pferde auf der Tronkenburg zurückzulassen: Neuerdings sei ein Passschein zum Überqueren der Grenze erforderlich, den er sich erst besorgen müsse.

Doch am Ende ist Kohlhaas um seine Pferde geprellt. Er schlägt den Rechtsweg ein, doch obwohl er sich klar im Recht befindet, wimmeln ihn die Behörden als Querulanten ab.

Von Vetternwirtschaft und der Willkür der Obrigkeit erbost, setzt Kohlhaas alles auf eine Karte: Er gibt Familie, gesellschaftliche Position und all sein Hab und Gut auf, allein um in seinem Streitfall moralisch und juristisch Gerechtigkeit zu erlangen, bis ihn sein übermäßiges Rechtsempfinden zum Räuber und Mörder werden lässt. Am Ende kommt Michael Kohlhaas tatsächlich zu seinem Recht — bezahlt dieses jedoch mit seiner Hinrichtung.

In der Regie von Patrick Dollmann gingen Carolin Sophie Göbel in mehr als einem Dutzend Rollen und Dominik Penschek in der Figur des Gerechtigkeitsfanatikers Michael Kohlhaas förmlich auf und fesselten das junge Publikum in Monschau. Nach den Vorstellungen stellten sich die beiden 28-jährigen Darsteller unter Moderation von Theaterpädagogin Anja Geurtz noch den interessierten Fragen der Schüler.

(hes)