Nordeifel: Als Holland-Fan in der Eifel: Am Mittwoch ist es Spaß

Nordeifel: Als Holland-Fan in der Eifel: Am Mittwoch ist es Spaß

Ungläubig blicken Touristen hinüber zum Garten von Ronnie Van THoen. Zwischen den Bäumen im Rosental hängen orange Fähnchen, am Eingang zum Haus ist eine niederländische Flagge gehisst und am Gartenzaun ist ein orangefarbenes T-Shirt - ähnlich einer Art Vogelscheuche - über einen Stock gezogen.

„Das ist ein Brüll-T-Shirt”, sagt Ronnie stolz. Er löst den Klettverschluss an der Seite des T-Shirts und hervor kommt ein Löwe mit einem grimmigen Gesichtsausdruck. „Der Garten ist natürlich jetzt ein Stadtgespräch”, sagt der 64-Jährige schmunzelnd. Dabei ging es mehr um eine Art Scherz, einen „Ulk”, wie Ronnie sagt. Nun muss er sich so manchen Spruch anhören. Aber da kann er mit umgehen. „Ein bisschen Nationalstolz habe ich schließlich noch”, sagt er grinsend.

Seit 40 Jahren lebt Ronnie in Deutschland, gebürtig kommt er aus Rotterdam. Ein wirklicher Fußballfan ist er zwar nicht, aber die Spiele der Europameisterschaft schaut er sich an. Sein Tipp für Mittwochabend: 1:1. Dann kommt es darauf an, was Holland beim letzten Spiel in der Vorrunde gegen Portugal macht. Ronnie sieht das aber gelassen. „Wenn Holland nicht weiterkommt, dann bin ich eben für Deutschland”, sagt er wie selbstverständlich. Von Rivalität keine Spur. Früher gab es diese Fehde, nun geht es um Spaß. Den EM-Titel holt seiner Meinung nach weder Deutschland noch Holland. „Das wird entweder Portugal, Italien oder Spanien.”

Das sieht Freek Suringh, Geschäftsführer Carat Hotel Monschau, anders. „Wenn Deutschland gewinnt, wird Deutschland Europameister”, sagt er. Wenn nicht, dann könnte Frankreich ein Titel-Kandidat sein. Sein Tipp für Mittwochabend: 2:1 für die Niederländer. Das Ergebnis im Spiel gegen die Dänen hat der 55-Jährige, der seit 1999 in Deutschland arbeitet, noch nicht ganz überwunden. „Holland war viel besser als die Dänen”, sagt er kopfschüttelnd. Was fehlte, war eben das Tor. Schöner, aber zumeist erfolgloser Fußball: Freek sieht es mit Galgenhumor: „Wir können gut verlieren, weil wir immer Zweiter werden.”

Den Niederländern wird oft fehlender Teamgeist vorgeworfen. Das stimme nicht, sagt Freek, das Team sei eine Einheit geworden. Er übt vielmehr Kritik am Trainer, der es versäumt hat, gegen Dänemark mit zwei Stürmern spielen zu lassen. Klaas-Jan Huntelaar - Torschützenkönig in der Bundesliga - gehört zusätzlich zu Robin van Persie auf den Platz und nicht auf die Bank.

Außerdem ist Holland ein kleines Land. Die Nationalspieler spielen überall in Europa verteilt und nicht in der Eredivisie, der höchsten Spielklasse der Nachbarn. Die Spieler kennen sich also zumeist nur aus der Nationalmannschaft. Nicht so in Deutschland. Alleine acht Spieler laufen sonst gemeinsam für den FC Bayern München auf, Mesut Özil und Sami Khedira wechselten nach der Weltmeisterschaft 2010 zu Real Madrid, Mats Hummels, Bernd Schmelzer, Lars Bender und Mario Götze feierten im Mai Deutsche Meisterschaft und Pokal-Sieg mit Dortmund. „Da hast du eine richtig gute Basis”, sagt Freek, „und es entwickeln sich Automatismen.”

Freek mag den deutschen Fußball. Der BVB und die Bayern liegen ihm besonders am Herzen. Früher waren es Arbeitssiege, die Deutschland zum Erfolg geführt haben. Am Mittwoch ist es - das Spiel gegen Portugal außen vor gelassen - schöner Fußball, der deutsche Fans jubeln und Niederländer staunen lässt. Wie beim deutschen 3:0-Sieg gegen Holland im November vergangenen Jahres in Hamburg. „Ich bin begeistert von Deutschland”, gesteht Freek. Zwar spielen seine Niederländer auch attraktiven Fußball. „Aber wegen unserer Schönheit vergessen wir manchmal, effektiv zu sein.”

Freek selbst hat Zuhause und im Büro nicht geschmückt. Bei seinem Sohn in Vaals hingegen sieht das anders aus. Da ist die eine Straßenseite in orange, die andere in schwarz-rot-gold gehüllt. Freeks Frau ist Deutsche und drückt der DFB-Elf die Daumen. „Das ist dann schon mal lustig bei uns Zuhause”, sagt Freek lachend. Kommt es zu einem Finale zwischen Deutschland und Holland, weiß Freek nicht, zu wem er halten soll.

Dass in seinem Hotel keine deutschen oder holländischen Fahnen hängen, ist seinen internationalen Gästen geschuldet. Wer hingegen Gast im Hotel „De lange Man” in Rohren ist, kann nicht übersehen, dass hier ein Holland-Fan am Werk war. Robert Hoevenaars, 45 Jahre alt, begrüßt ein seinem „Vakantiehotel” fast nur Niederländer.

Robert sieht darin eine Geschäftsphilosophie. „In Monschau gibt es so viele Übernachtungsmöglichkeiten, da musst du dir schon etwas einfallen lassen.” Falls für Holland in der Vorrunde Schluss ist, wird alles wieder abgeschmückt. Aber Robert tippt auf ein 2:1 für Holland. Er erwartet ein spannendes Spiel und späte Tore. Die Qualität beider Mannschaften schätzt er in etwa gleich ein. Nur die Sache mit dem fehlenden Teamgeist: „Das ist bei den Holländern immer noch so.” Angucken wird er sich das Spiel im Hotel - gemeinsam mit Holland- und Deutschland-Fans.

Und was macht er, wenn Holland verliert und in der Vorrunde ausscheidet? „Dann bringen die Zimmermädchen wahrscheinlich Deutschland-Fahnen mit.”

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