Perlenbachtalsperre: Als hätte jemand den Stöpsel gezogen

Perlenbachtalsperre : Als hätte jemand den Stöpsel gezogen

„Höchste Zeit für einen abflusswirksamen Regen“, sagt Derk Buchsteiner, der Betriebsleiter des Wasserwerks Perlenbach. Denn der Supersommer 2018 hat den Pegel und den Inhalt der kleinen Monschauer Talsperre auf den niedrigsten Stand seit 2003 fallen lassen.

Die Leitung des Wasserwerks hat deshalb am 6. September die Notwasserversorgungsleitung von der Aufbereitungsanlage in Roetgen bis nach Lammersdorf in Betrieb genommen. Seit zwei Wochen beziehen Lammersdorf-Kämpchen und -Waldsiedlung, die Gemeinde Hürtgenwald sowie Roetgen ihr Trinkwasser nicht wie gewohnt aus der Perlenbachtalsperre, sondern aus dem Talsperrenverbund Dreilägerbachtalsperre, Obersee und Kalltalsperre. Und seit Dienstagnachmittag werden im erweiterten Teilnotbetrieb zusätzlich die halbe Gemeinde Simmerath sowie die Stadt Heimbach inklusive Feriendorf und der Ort Schmidt mit Trinkwasser aus Roetgen versorgt.

Ein trauriges Bild gibt derzeit der vor allem bei Wanderern so beliebte Perlbachsee ab. Der Wasserspiegel liegt rund sieben Meter unter dem Stauziel und Normalpegel von 464 Metern Meereshöhe. Foto: Heiner Schepp

Der Sommer ist wieder da! Das war der allgemeine Tenor, als diese Woche die Temperaturen wieder über die 25-Grad-Marke kletterten. In diesem Fall sprechen die Meteorologen von einem „Sommertag“. In der Wahrnehmung der Wasserwirtschaftler ist der Sommer aber gar nicht zurück gekommen, sondern dauert jetzt schon mindestens seit Mai an. Die Niederschlags-Statistik auf der Internetseite des Wasserwerks Perlenbach (s. Link unten) spricht Bände.

Die normale Pegelanzeige der Talsperre liegt trocken; abgelesen wird jetzt auf einer verrosteten Messlatte, die das Niedrigwasser erstmals seit 15 Jahren wieder freilegte und die selbst manche Perlbach-Mitarbeiter noch nicht kannten. Foto: Heiner Schepp

Letzter „richtiger“ Niederschlag im Mai

An der Aufbereitungsanlage in Roetgen betreibt der Perlenbachverband eine kleine Pumpstation mit großer Leistung, die nun erstmals seit 2003 wieder arbeiten muss und das Wasser aus Roetgen hoch nach Lammersdorf befördert. Foto: Heiner Schepp

Der letzte „richtige“ Niederschlag — für Derk Buchsteiner beginnt dieser bei 50 Litern pro Quadratmeter — resultiert vom 29. Mai, als der Starkregen und Hagelsturm, der in Monschau große Schäden anrichtete, auch 65 Liter in den Regenmesser der Talsperre spülte. Drei Tage später gab es mit 37 Litern noch etwas „Nachtisch“, aber das war‘s dann mit richtigem Regen für diesen Sommer. Juni, Juli, August und bisher auch der September blieben ohne zweistellige Tagesregenmengen, brachten jeweils nur acht bis 13 Tage mit Niederschlag, „der sich im Bereich der Verdunstung bewegte“, so Derk Buchsteiner.

Während für die Natur und die Gartenbesitzer die fünf aufeinanderfolgenden Regentage zwischen 23. und 27. August etwas Linderung brachten, fielen die in dieser Zeit insgesamt gemessenen 18 Liter für die Wasserwirtschaft kaum bis gar nicht ins Gewicht. Im Gegenteil: Am 26. August, also genau an diesen gefühlt nassen Tagen Ende August, fiel der Pegel der 800.000 Kubikmeter Wasser fassenden Talsperre erstmals seit 2003 wieder unter die markante 460-Meter-Marke und setzte zum weiteren Sturzflug in kürzester Zeit an: Auf 457,87 Meter Meereshöhe schaukelte der Wasserspiegel der Sperre am vergangenen Montagmorgen — 457,40 Meter waren es am 8. September 2003 gewesen. In Wassermenge ausgedrückt, befanden sich am Montagmorgen noch 206.000 Kubikmeter Rohwasser hinter dem Damm — Tendenz stark fallend. „Wir sind nicht mehr weit von den Tiefstwerten 2003 entfernt“, sagt Buchsteiner.

Notversorgung eingerichtet

Der Betriebsleiter räumt „eine gewisse Besorgnis“ ein, unterstreicht aber auch: „Wir sind gewappnet.“ Damit gemeint ist die infolge der 1999er-Trockenheit errichtete Notversorgung des Perlbachwerks. Um qualitativ und auch quantitativ die Versorgung der Bevölkerung zu sichern, wurde eine 400 Millimeter starke Notwasserversorgungsleitung von der Aufbereitungsanlage der Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG) an der Dreilägerbachtalsperre in Roetgen bis zum Versorgungsnetz des Wasserversorgungszweckverbandes Perlenbach 2001 gebaut.

Mit dieser Leitung ist das Wasserwerk Perlenbach in der Lage, bei Ausfall der Talsperre oder in Trockenzeiten, Wasser von der WAG zu beziehen. 2003 war dies der Fall — seither lag die rund sechs Kilometer lange Leitung von Roetgen hoch nach Lammersdorf trocken und standen die gewaltigen, vertikalen Pumpen in dem unscheinbaren Häuschen zwischen dem derzeitigen Vicht-Rinnsal und dem WAG-Betriebsgebäude still. 240 Höhenmeter müssen die 400 PS (325 kW) starken Fördermonster das Wasser empordrücken, bis es an Jägerhaus ankommt und von dort Richtung Raffelsbrand und den Dürener Raum sowie Teile von Simmerath verteilt wird.

Seit dem 6. September fließt über das kleine, verbandseigene Gebäude das Wasser von der WAG-Aufbereitungsanlage in einem Strang direkt in die Ortslage Roetgen und in einem weiteren zu besagter Pumpe nach Lammersdorf/Wollerscheid. „Da wir uns der Reserve von 200.000 Kubikmetern Talsperreninhalt bedenklich nähern, werden wir, wie zuletzt 2003, den erweiterten Teilnotbetrieb aufnehmen und weitere Teile des Versorgungsgebiets im Bereich Simmerath, Hürtgenwald, Kreuzau und Schmidt sowie Heimbach inklusive Feriendorf mit Wasser der WAG speisen“, erläuterte Derk Buchsteiner am Dienstag.

Ursprünglich hatte man dies zunächst im Probebetrieb machen wollen, doch weil der Pegel durch das trocken-heiße Wetter diese Woche immer stärker fällt, wurde dieser Schritt vorgezogen. „Unsere Wasserabgabe lässt sich grob in dreimal 3000 Kubikmeter/Tag einteilen; zwei Drittel beziehen wir nun aus Roetgen“, erläutert Buchsteiner. Nur die gesamte Stadt Monschau sowie die Rurtalorte der Gemeinde Simmerath (ohne Einruhr) bekommen ihr Trinkwasser nun noch aus der Perlenbachtalsperre.

Für den Kunden sei dies aber weder quantitativ, noch qualitativ zu spüren, versichert Buchsteiner und unterstreicht: „Der Tiefststand der Talsperre wirkt sich absolut nicht auf die Wassergüte aus.“ Und wohl auch nicht auf den Wasserpreis für den Kunden, denn die Trockenheit und ein extrem hoher Wasserverbrauch in einem historisch trockenen Sommer seien „ein außerplanmäßiger, nicht vorhersehbarer Aufwand“, so der Betriebsleiter.

Die Umschaltung auf Notbetrieb ist indes ein Geschäft der laufenden Betriebsführung, das aber dennoch in enger Abstimmung mit der politischen Verbandsführung geschieht. „Genau für eine solche Situation haben wir die Notversorgung 2001 gebaut“, zitiert Derk Buchsteiner den Verbandsvorsitzenden Axel Buch, der den betriebswirtschaftlichen Schritt ebenso mitträgt wie Verbandsvorsteher Karl-Heinz Hermanns.

„Mindestens bis Ende September“, so Buchsteiner, werde man nun so verfahren und weiter auf einen ergiebigen Herbstregen hoffen und warten. Die Wetterprognosen allerdings nähren diese Hoffnung nicht. Zwar beendet am Wochenende ein Sturmtief aus den Resten von Hurrikan Florence den schönen Eifeler Spätsommer, doch mehr als jeweils fünf Liter Niederschlag am Samstag und Sonntag geben die Vorhersagemodelle für Monschau nicht her.

Derk Buchsteiner, der für die Talsperrenmitarbeiter und sich selbst eine Urlaubssperre verordnet hat, kann bei aller Not der Situation auch Positives abgewinnen: „Die Situation zeigt, dass die nicht ohne Grund gebaute Notversorgung funktioniert“, sagt der Betriebsleiter und schließt in sein Lob die Mitarbeiter ausdrücklich ein: „Da wird gerade hervorragende Arbeit geleistet!“