Nordeifel: Als die beiden letzten Wölfe in der Nordeifel erschossen wurden

Nordeifel : Als die beiden letzten Wölfe in der Nordeifel erschossen wurden

Es häufen sich in letzter Zeit in den Medien Berichte, dass Wölfe wieder in Deutschland Fuß gefasst haben. Irgendwann, so glaubt oder hofft man, soll auch der Wolf in der Eifel wieder heimisch werden. Es wird ausdrücklich in den Medien darauf hingewiesen, dass er Begegnungen mit Menschen aus dem Wege geht und diese zu verhindern sucht. Trotzdem würde dem einsamen Wanderer durch die Wälder der Eifel eine Gänsehaut über den Rücken laufen, wenn er sich mit einem Rudel Wölfe konfrontiert sehen würde.

Nun gab es bis weit ins 19. Jahrhundert frei lebende Wölfe in der Eifel. Sie wurden heftig verfolgt, denn wenn sie die Kuh oder das Pferd eines kleinen Bauern rissen, konnte das zu Existenzproblemen bei den armen Eifelbauern führen. Außerdem fielen sie auch über Rehe und Hirsche her, deren Jagd ja eigentlich den Adeligen vorbehalten war.

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Ob Wölfe allerdings damals auch Menschen angefallen und getötet haben, ist nicht bekannt. Jedenfalls trugen die Pfarrer von Konzen und Imgenbroich oder auch die evangelischen Pfarrer nie in die Totenbücher ein, dass jemand durch einen Wolf umgekommen sei.

Im Staatsarchiv — früher in Düsseldorf, dank Rüttgers jetzt in Duisburg — lagern zahlreiche Akten, die sich mit der Erlegung von Wölfen beschäftigen. Denn wenn damals jemand einen Wolf erlegte, erhielt er eine Prämie. Aber wie das so bei staatlichen Behörden war und ist, führte auch damals so ein Vorgang zu einem sehr ausführlichen Schriftverkehr. An dieser Stelle soll über zwei solcher Prämienansprüche berichtet werden. Das damaligen Beamtendeutsch ist für heutige Leser kaum zu verstehen, so dass auf den Originaltext verzichtet wird.

Seltsames Gebell in der Nacht

Ein Paul Gerhards aus Lammersdorf wurde in der Nacht vom 6. bis 7. September 1839 durch ungewöhnliches Gebell seiner Hofhunde geweckt in seinem Haus, das außerhalb des Dorfes lag. Durch ein Fenster in seinem Hause sah er einen Wolf, er griff schnell sein Gewehr und erlegte mit einem Schuss das Tier.

Der Bürgermeister von Lammersdorf begab sich zur Wohnung des Paul Gerhards, überzeugte sich von der Tötung des Tieres und stellte fest, dass es sich um eine alte Wölfin handelte. Er stellte dem Erleger darüber eine Bescheinigung aus mit der Bitte an den Landrat, ihm die zustehende Prämie auszuhändigen. Aber die preußischen Behörden hatten ihre Vorschriften. Nach einer Bekanntmachung des Regierungspräsidenten in Aachen vom 5. März 1817 reichte eine einfache Bescheinigung des Bürgermeisters nicht: Paul Gerhards musste das erlegte Tier dem Landrat vorzeigen, so sah es die Vorschrift vor.

Daraufhin begab sich Gerhards zu Fuß nach Monschau zum Landrat und berichtete, dass er diese Vorschrift nicht gekannt habe, aber er habe dem erlegten Tier sofort die Haut abgezogen. Vorsichtshalber habe er Kopf und Geschlechtsteil des erlegten Tieres ebenfalls nicht entfernt. Haut, Kopf und Geschlechtsteil hatte er mit nach Monschau gebracht und dem Landrat vorgelegt.

Der Landrat zog die beiden zufällig anwesenden Oberförster von Rappard und Roesgen zur Untersuchung hinzu, die feststellten, dass die Haut unverkennbar einer erst vor kurzem erlegten, alten Wölfin angehört hat. Die Regierung in Aachen wurde gebeten, die Prämie auszuzahlen. Ob Paul Gerhards diese Prämie tatsächlich erhalten hat, ist aus den Akten nicht zu entnehmen. Auch die Höhe einer solchen Prämie ist nicht bekannt.

Erschossen und „abgeledert“

Der zweite Fall spielte in Roetgen. Ein Arnold Stollewerk, der am äußersten Dorfende in Richtung Rott wohnte, hatte am 17. November 1840 gegen Abend zwischen 16 und 17 Uhr in der Nähe einen Wolf gesehen. Er war daraufhin nach Hause geeilt, hatte sich sein Gewehr geschnappt und konnte den Wolf erlegen. Er hatte den erlegten Wolf „abgeledert“, also ihm das Fell abgezogen und dem Bürgermeister Schartmann vorgelegt, weil er glaubte, einen Anspruch auf eine Prämie zu haben. Dieser schickt den Antrag des Arnold Stollewerk an den Landrat mit der Bitte, die Auszahlung der Prämie zu veranlassen. Aber auch hier wird auf die Bekanntmachung vom März 1817 verwiesen, dass das ganze getötete Tier vorzulegen sei.

Was den heutigen Zeitgenossen verwundert, ist, dass die Hausbesitzer damals im frühen 19. Jahrhundert Gewehre mit Munition im Hause hatten und diese Waffe auch benutzen durften. Luftgewehre dürften das ja wohl kaum gewesen sein. Beide Vorfälle spielten in der Nacht, als es dunkel war. Straßenlampen gab es nicht, und trotzdem konnten die beiden Bauern den Wolf erkennen und jeweils mit einem einzigen Schuss töten.

In Lammersdorf musste Paul Gerhards entweder das Fenster oder eine Tür öffnen, um den Wolf zu erlegen. Beides wäre ohne Geräusche nicht möglich gewesen, so dass der Wolf Zeit gehabt hätte zu verschwinden, aber er blieb im Hof stehen und ließ sich erschießen. Im zweiten Fall in Roetgen musste Arnold Stollewerk erst nach Hause eilen, um sein Gewehr zu holen. Auch hier ist anscheinend der Wolf nicht weggelaufen, sondern hat gewartet, bis der Waffenbesitzer anlegen konnte.

Das waren übrigens die letzten erlegten Wölfe im Kreis Monschau, die in den preußischen Akten erwähnt wurden.

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