Simmerath: Als die Autos in die Eifel kamen: Ausstellung in Woffelsbach

Simmerath : Als die Autos in die Eifel kamen: Ausstellung in Woffelsbach

Es muss ziemlich geknattert haben: Kinder flüchteten, Fuhrleute zurrten ihre Zügel fest, Kuhhirten schafften umgehend ihre Tiere auf Seite. Auf alle Fälle sprach das „Montjoier Volksblatt — das Organ für die katholischen Interessen der Kreise Montjoie, Malmedy und Schleiden“ — von Autos, die in „Schnellzuggeschwindigkeit“ durch den Ort rasten.

Dabei hätten sich die Eifeler auch eine Tempo-10-Zone für den ganzen Monschauer Kreis gewünscht, wie sie bereits in Malmedy existierte. Schlagzeilen über Motorenlärm gab es im Volksblatt schon vor über hundert Jahren, wie Walter Lauscher herausgefunden hat. Die automobilen Anfänge und ihre „Nebenwirkungen“ sind Teil der Ausstellung, die der Woffelsbacher in Kleinstarbeit zusammengetragen hat. Wie Woffelsbach im letzten Jahrtausend mobil wurde, belegt er mit Zeitungsausschnitten und alten Fotos.

Auf fast jedem Foto ist ein Rad oder Reifen zu sehen, prächtige alte Automobile, Motorräder oder Woffelsbacher auf Fahrrädern. Nachlesen kann man auch in alten Berichten über den Straßenbau und die Verbindungsstrecken zwischen Steckenborn, Woffelsbach und Rurberg. Etwa 60 alte Aufnahmen sind in der Ausstellung zu sehen. Das älteste Foto, so schätzt er, stammt von 1902.

Der größte Teil der Bilder entstand vor 1955, soviel ist sicher. Mehr als 500 Totenzettel zeigt er zusätzlich; zudem kann in einer Kopie des Geburts- und Heiratsregisters aus Rurberg-Woffelsbach geschmökert werden.

Unter den Woffelsbachern hat sich Walter Lauscher längst einen Namen als Archivar gemacht, und so findet er nicht selten alte Fotos oder Dokumente in seinem Briefkasten vor. Nachbarn öffnen ihre Alben und Erinnerungskisten für ihn. So ist mittlerweile eine stattliche Sammlung zusammengekommen.

„Mir geht es allerdings nicht in erster Linie um die Autos, die auf den Fotos zu sehen sind. Mir geht es vor allem um die Menschen, die abgebildet sind. Wer ist zu sehen? Wer war mit wem verwandt? Das sind Fragen, die mich mehr bewegen und beschäftigt haben.“ Nicht in allen Fällen konnte er die Namen der abgebildeten Personen herausfinden und hofft nun auf Hinweise von den Ausstellungsbesuchern.

Unterstützt wird Walter Lauscher auch in diesem Jahr wieder von Norbert Schlösser, der seine prächtige alte Backstube an der Oberhausener Straße als Ausstellungsraum zur Verfügung stellt. Walter Lauscher bittet allerdings darum, dass Besucher ihren Wagen bereits in der Seestraße abstellen.

Zu sehen ist die Ausstellung wieder im Rahmen von „Ne Daach“ in Woffelsbach am kommenden Wochenende und darüber hinaus. Die Öffnungszeiten sind am 9. und 10. Juni, 10 bis 18 Uhr; vom 11. bis 15. Juni, 14 bis 18 Uhr, sowie am 16. und 17. Juni, 10 bis 18 Uhr.

(ml)