Simmerath: Abschlusslesung der Schreibwerkstatt für Jugendliche

Simmerath : Abschlusslesung der Schreibwerkstatt für Jugendliche

Annika, Anna, Lisa, Richard, Ulrike, Melisha, Samira, Moritz und Mara: neun Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, aus Simmerath, Roetgen und Monschau. Neun besondere junge Menschen, die zu einem echten Team zusammenwuchsen — bei der 3. Schreibwerkstatt für Jugendliche.

Die Schreibwerkstatt wurde ausgeschrieben von der Gemeindebücherei Simmerath und unterstützt vom Lions-Club Monschau und dem Förderverein der Gemeindebücherei. Zum Abschluss des dreimonatigen Projekts mit Miriam Schaps präsentierten die Jugendlichen nun ihre in dieser Zeit entstandenen Texte.

Knisternde Spannung

Es herrschte eine knisternde Anspannung unter den jungen Autoren vor der Abschlusslesung, denn Texte schreiben ist das eine — diese aber dann vor Publikum vortragen das andere. Zehn Mal hatten sich die sieben Mädchen und zwei Jungen zwischen 10 und 16 Jahren für anderthalb Stunden zum Gedankenaustausch und spielerischem Umgang mit Literatur getroffen mit dem Ziel, das Erfahrene schriftlich zu erfassen.

Während einige Jugendliche schon zum dritten Mal mitmachten, war es für die Kursleiterin Miriam Schaps die erste Schreibwerkstatt mit dieser Altersgruppe. Schnell stimmte die Chemie innerhalb des kleinen Kreises und die Ergebnisse konnten sich nun bei der Abschlusslesung sehen oder besser gesagt hören lassen. Das Motto der Schreibwerkstatt lautete diesmal „Mensch, menschlich, wunderbar“.

„Mit diesem Motto haben sich die Jugendlichen zunächst bei einem kleinen Brainstorming befasst. Dabei wurde klar, dass es ihnen nicht unbedingt leicht fiel, die Begriffe ,Mensch‘ und ,wunderbar‘ miteinander zu vereinen. Zu viele negative Themen auf der Welt beschäftigen sie“, berichtete Miriam Schaps. „Manche machten sich in der Werkstatt philosophische Gedanken darüber, inwiefern sich die Menschen gleichen bzw. unterscheiden, einer schrieb einen Chatdialog, einige äußerten in ihrem Text ihre Meinung zu einem bestimmten Thema und wieder jemand anderes schrieb eine Art Gedicht, in dem gegensätzliche Charaktereigenschaften gegenübergestellt wurden“, gewährte die Werkstattleiterin einen Einblick in die Arbeit mit den Jugendlichen.

Von Bildern und Würfeln animiert

Diese ließen sich auch durch verschiedene Bilder zu Geschichten und Gedichten anregen. Teilweise verwendete man dafür Bilder aus dem Spiel „Dixit“, die recht abstrakt sind und somit viel Raum für Fantasie lassen. „Aber auch Fotokarten haben uns auf gute Ideen gebracht“, so Miriam Schaps.

Sehr viel Spaß hatten die Teilnehmer auch an den Story Cubes. Das sind Würfel, bei denen sich auf jeder Seite ein Bild oder ein Symbol befindet. „Hier haben wir zusammen eine Geschichte erzählt, wobei wir uns von den Bildern leiten ließen.“

Ein besonderer Kursabschnitt wurde dem Rezensieren von Jugendbüchern gewidmet. Auf Anfrage stellten verschiedene Verlage kostenlose Leseexemplare von Neuerscheinungen zur Verfügung. „Diese neue Art des Schreibens über Literatur war für die jungen Schreiber ebenfalls sehr reizvoll“, so Miriam Schaps.

So empfahl der jüngste Teilnehmer Moritz (10) aus Monschau „allen Fantasy-Fans“ den Roman „Weltenweber“ und Ulrike war begeistert von „Deadwater“, einer packenden Story über ein verschollenes Schulschiff mit Jugendlichen. Und Richard aus Roetgen war vom Fantasybuch „Das Auge der Schlange“ derart gefesselt, „dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte“.

Liebe und ein wunderschöner Tag

Wunderschön waren aber auch die freien Gedankenspiele der Jugendlichen, in denen sie von der Liebe, vom „besten Sommer meines Lebens“ oder einfach von einem „schönen Tag“ schrieben.

Ob Rezension, Gedicht, Dialog oder freier Text: Wie ein roter Faden zog sich der behutsame und doch emotionale Umgang der jungen Autoren mit der deutschen Sprache durch die Lesung. Bemerkenswert dabei war, dass keiner von ihnen in die Jugendsprache oder die von Anglizismen geprägte Sprache von Chats und Sozialen Netzwerken verfiel, sondern alle über einen ausgezeichneten Wortschatz verfügen.

„Es hat Spaß gemacht — und gibt hoffentlich ein Wiedersehen“, sprach Gemeindebüchereileiterin Rita Plum sicherlich für alle Zuhörer der Abschlusslesung.

(hes)