Premiere der 18. Dürener Skunk-Sitzung: Zwischen künstlicher Intelligenz und natürlicher Dummheit

Premiere der 18. Dürener Skunk-Sitzung : Zwischen künstlicher Intelligenz und natürlicher Dummheit

Irgendwann musste es ja so kommen. Fritz hat den roten Knopf gedrückt – und damit die Welt, wie wir sie kannten, aus den Angeln gehoben. Fritz ist kein Terrorist, der sich Zugang zu den atomaren Abschusscodes verschafft hat, sondern ein deutscher Verwaltungsbeamter.

Der letzte, der noch mitgedacht hat. Kurz nach dem moralisch-ethischen Schlussverkauf unserer Regierung hat er sämtliche Behörden-Computer zusammengeschaltet, um eine völlige geistige Kernschmelze zu verhindern. Seitdem regiert eine künstliche Intelligenz (KI) die natürlich doofen Bürger. Willkommen in einer möglichen Zukunft, willkommen zur 18. kabarettistischen Karnevalsrevue der Dürener Skunk KG.

Donnerstagabend ging im Rittersaal von Schloss Burgau die gelungene Premiere über die Bühne. Bis zum 2. März heißt es dort regelmäßig „Nachsitzen!“. Damit mit Hasstiraden und Fake News künftig keine Wählerstimmen mehr gewonnen werden, die Natur zerstört und mit Betrugssoftware Kohle gemacht wird, hat die künstliche Intelligenz allen Bürgern einen „Crashkurs in Mitmenschlichkeit, Verantwortung übernehmen und „kein Arschloch sein“ verordnet. Für die Ausbildung der „guten Bürger“ sind die Stinktiere zuständig. Bei den Skunks und ihrer Vorliebe zu Klamauk und Ironie ist Nachsitzen aber auf jeden Fall lustiger als in allen anderen Schulformen. Und das Wichtigste: Ohne den Besuch der Skunk-Schule werden den Zuschauern die Bürgerrechte entzogen.

Die Karten für den Staatskundeunterricht sind bis auf wenige Ausnahmen längst ausverkauft. Die Hürde, am Abend selbst für die Schulung zugelassen zu werden, ist aber noch größer. Das musste Heike Schulz erfahren, die vor 25 Jahren ihren Alex auf dem Berliner „Alex“ kennenlernte und der Liebe wegen nach Düren zog. Ein klassischer Fall von Wirtschaftsflüchtling/Sextouristin also, bilanzierte Ensemble-Gründungsmitglied Andreas Bohm als KI-autorisierter Integrationsprüfer. „Sie hätten ihren Antrag im Heimatland stellen müssen“, wollte er die Dürenerin mit innerdeutschem Migrationshintergrund zunächst ausschließen. Dumm nur, dass der Prüfer beim Sprachtest „Dürener Platt“ selbst durchfiel, kündigte – und Glasreiniger Dirk Steiger kurzerhand das Kommando übernahm.

Doch Andreas Bohm kehrte zurück: Mal als Inkarnation des Wanderpredigers und Künstlers Franz Kaiser (1888 in Düren geboren), mal als Kopie des Indeland-Geschäftsführers Jens B., der munter Baugrundstücke in bester Seelage ans Volk bringen wollte und voller Begeisterung die Pläne skizzierte, mit der Norddeich-Indesee-Meerwasser-Pipeline endlich das Loch zu füllen und ein Eldorado für Delfine, Aquakulturen und Fischfangflotten zu schaffen. Zur Not tun es auch Pontons mit schwimmenden Städten. Und zur größten Not eben Baugrundstücke mit Seeblick.

Seit 18 Jahren schaffen es die „Skunks“, gesellschaftskritische Themen mit Klamauk zu mischen und selbst den größten Nonsens mit tiefsinnigen Kommentierungen zu versehen. Abgerundet wurde das Bild von der Musik der schuleigenen Band „Cantalyra“, die wiederholt dank rhythmischer Übungen die Gehirnaktivität der Zuschauer stimulierte. Witzig-ironische Songs von Dürens König Alphons dem Viertelvorzwölften (Michael Krohm), Thomas Lüttgens und Udo Lindenberg (Jesko Kaluzny) hielten den Zuschauern harmonisch den gesellschaftlichen Spiegel als Zerrbild vors Gesicht.

Die Skunks wären nicht die Skunks, hätten sie nicht erneut lokale Themen aufgegriffen und die Dürener Politik durch den Kakao gezogen. Einen der schönsten Sketche schrieb, wie könnte es anders sein, das Leben. Krokusstraße, Fina-Lörken-Platz, Fina-Lörken-Straße – oder gleich alles auf einmal? Die Mariaweiler Umbenennungsposse aus dem vergangenen Jahr war auf jeden Fall bühnenreif. Manche Story aus Politik und Verwaltung grenzt eben auch ohne die Skunk-Veredlung schon an Realsatire.

Auch im 18. Jahr ihres Bestehens sind die Skunks mit frischen und kreativen Ideen unterwegs. Sie haben ein gutes Gespür für gesellschaftliche Themen und Stimmungen, auch wenn der Unterricht nicht immer hundertprozentig weltanschauungsneutral ist. Doch auch das gehört zu den Skunks: Sie haben eine Meinung – und vertreten diese auch. Den Versuch, das Skunk-Universum mit einem Satz zu erklären, meistert Andreas Bohm: „Es geht darum, mit viel Humor auf Augenhöhe die Herausforderung zu meistern, anderen Menschen Spaß zu bereiten.“

Und dabei durchaus auch den Sinn fürs Schöne und Besondere zu schärfen. Nicht zuletzt aus diesem Grund schlüpft Bohm gerne in eher skurrile Rollen, spielt die leicht abgedrehten Typen. „Mich faszinieren die Grenzgänger in der Komik. So bin ich, wie ich sonst nie sein könnte.“ Und das schon seit der ersten Sitzung der Kabarettistischen Karnevalsrevue.