Drogenbanden-Prozess : Zweifel an der Beweisführung

Drogenbanden-Prozess : Zweifel an der Beweisführung

Der Prozess gegen eine mutmaßliche Drogenhändler-Bande aus Norddüren hat gestern endlich Fahrt aufgenommen.

Am nunmehr fünften Verhandlungstag am Aachener Landgericht wurden gleich vier Zeugen angehört, die den Verdacht auf bandenmäßigen Handel mit Kokain gegen die fünf Angeklagten hätten erhärten sollen.

Das gelang aber nur teilweise, und so stehen nach dem Ende des gestrigen Verhandlungstages Entlassungsanträge für die drei in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten im Raum. Das Gericht wird in den kommenden Tagen darüber entscheiden.

Es waren vor allem die Vernehmungen der beiden Beamten der Dürener Polizei, die zu Ermittlungen im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Drogenkäufern befragt wurden, die der Verteidigung neue Nahrung lieferten.

In mehreren Erklärungen bemängelten die Anwälte die angeblich mangelhafte Ausführung von Lichtbildvorlagen, aufgrund derer einige ihrer Mandanten als Verdächtige identifiziert wurden. Auch sei zweifelhaft, ob die von den Beamten befragten Zeugen ordnungsgemäß über ihre Rechte und Pflichten belehrt worden seien.

„Keine Fehler“

Das mag nach Banalitäten aus der Strafprozessordnung klingen, ist aber für die Verwendbarkeit der Indizien vor Gericht entscheidend. Diese stehe damit in erheblichen Zweifeln, erklärten die Verteidiger. Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts sah indes keine Fehler seitens der Ermittlungsbeamten. Diese hätten gemäß Vorschrift gehandelt und so sei es „eine Frage der Beweiswürdigung“ seitens des Gerichts, diese auch anzuerkennen und zu verwerten.

Eine weitere Zeugin zeichnete zuvor ein eher persönliches Sittenbild der Verhältnisse im Dürener Norden. Sie wohnte mit ihren Kindern in einem der mutmaßlich zum Verkauf von Drogen genutzten Häuser. „Zeitweise ging es da zu wie auf dem Bahnhof, so viele Leute gingen da ständig ein und aus“, schilderte sie. Auch habe sie mehrmals selbst den Drogenhandel an der Tür von einer der Wohnungen mitbekommen. Unklar ist jedoch, inwieweit dies in Zusammenhang mit den Angeklagten zu bringen ist, da offenbar keiner der fünf Beschuldigten selbst dort wohnte.

Keine neuen Erkenntnisse gab es unterdessen von einem vierten Zeugen, der in einem anderen Prozess bereits selbst als Käufer und Konsument von Heroin in Erscheinung getreten war. Er verweigerte die Aussage mit der Begründung, dass er ansonsten Gefahr laufe, nahe Verwandte zu belasten.

Substanziell bleiben von diesem fünften Verhandlungstag somit vor allem die von der Verteidigung vorgebrachten Zweifel an der Beweisführung und Anträge. Und der Vorsitzende Richter Markus Vogt machte bereits deutlich, dass diese „nicht ungehört bleiben werden“. So ist die Richtung, die der Prozess gestern eingeschlagen hat, sicherlich nicht unbedingt im Sinne der Staatsanwaltschaft und der Ermittlergruppe der Dürener Polizei.

Mehr von Aachener Nachrichten