Zweieinhalb Jahre Haft im Norddürener Drogenprozess

Drogenprozess endet mit Haftstrafe : Landgericht verurteilt den Norddürener Ardian C. zu zweieinhalb Jahren

Mit vier Freisprüchen und einer Verurteilung ist am Aachener Landgericht der langwierige Prozess gegen mutmaßliche Drogenhändler aus Norddüren zu Ende gegangen. Von den ursprünglich fünf Beschuldigten erhärtete sich der Verdacht auf Verkauf von Kokain aber nur bei einer Person: dem Hauptangeklagten Ardian C.

Der 50-jährige Familienvater wurde wegen Handels mit Kokain in mindestens 16 Fällen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die übrigen vier Angeklagten, insbesondere die Ehefrau und sein Sohn, wurden freigesprochen.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Markus Vogt folgte damit nur teilweise dem Plädoyer von Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts, die für Ardian C. eine Haft von drei Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Das Strafmaß wurde dabei nicht unwesentlich vom weitgehend polizeibekannten Vorleben des Angeklagten beeinflusst. Seit dieser Anfang der 1990er-Jahre angeblich wegen politischer Äußerungen mit der albanischen Polizei in Konflikt geraten und nach Deutschland geflohen war, wurde er immer wieder straffällig. Von Anfang an sei er mit aggressivem Auftreten und sogar Morddrohungen gegenüber Beamten aufgefallen, bevor er sein Vorstrafenregister auch mit unerlaubtem Waffenbesitz, Drogenhandel und Besitzes illegaler Substanzen erweiterte.

Für das Gericht hätten letztlich die Sicherstellung von rund 25 Gramm Kokain in der Wohnung von Ardian C. sowie mehrere glaubwürdige Zeugenaussagen den Ausschlag gegeben, wie Richter Vogt in der Urteilsbegründung sagte. Allerdings gab er zu bedenken, dass viele Zeugenaussagen Schwächen gehabt hätten, was auch von der Verteidigung stets kritisiert worden war. Diese durfte sich bestätigt sehen, weil auch die Kammer gravierende Fehler bei Lichtbildvorlagen durch Polizeibeamte feststellte, welche die Grundlage für einige der Anklagen waren.

Ein gänzlich anderes Bild zeigte sich bei der von ihm getrennt lebenden Ehefrau, der Mitbeschuldigten Nazime C. (50). Aus Sicht der Verteidigung sei bereits die Anklage der unter psychischen Belastungen leidenden Altenpflegerin ein Skandal, dem die Staatsanwaltschaft als Herrin des Verfahrens hätte Einhalt gebieten müssen, weil es bis zum Ende des Prozesses keine Indizien für eine Mitbeteiligung der Frau gegeben hat.

Auch der 21-jährige Sohn, Jürgen C., wurde vom Gericht von allen Vorwürfen freigesprochen. Es sei zwar denkbar, so Richter Vogt, dass die beiden etwas vom illegalen Treiben des Hauptangeklagten mitbekommen hätten, jedoch sei fraglich, ob sie sich in ihrer familiären Position dagegen hätten zu Wehr setzen können.

Etwas anders stellte sich die Urteilsbegründung bei den Mitangeklagten Sparti M. (33) und Ijoni L. (20) dar. Diese wurden zwar ebenfalls freigesprochen, jedoch habe es „erhebliche belastende Momente“ dabei gegeben, betonte der Richter. Weil die Zeugenaussagen, die eine Beihilfe bei den Drogengeschäften von Ardian C. hätten belegen können, zu widersprüchlich gewesen seien, sei eine solche aber nicht erwiesen. „Möglicherweise haben sie davon gewusst, aber bis man aufgrund von Indizien zu strafrechtlichen Maßnahmen kommt, ist es ein sehr großer Schritt“, sagte Vogt. Und diesen, das machte er deutlich, sei die Kammer nicht bereit zu gehen, auch weil außer Ardian C. keiner der Angeklagten vorbestraft ist.

Nach acht Verhandlungstagen, über tausend Seiten Aktenmaterial und einer Verurteilung muss sich nach diesem Prozess die Staatsanwaltschaft zumindest die Frage gefallen lassen, ob die Anklage nicht zu früh und auf zu dünner Beweislage erfolgte. Ardian C. will das Urteil anfechten und sagte betont gelassen: „Ich habe Zeit.“

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