Düren: Zwei Männer verhaftet: Neues Prüfgerät entlarvt gefälschte Papiere

Düren : Zwei Männer verhaftet: Neues Prüfgerät entlarvt gefälschte Papiere

Selbst als die Polizei schon neben ihm im Bürgerbüro stand, behauptete ein 40-Jähriger noch, dass mit seinem Ausweis alles in Ordnung sei. Er hatte sich mit diesem ja schon bei der Stadt Düren registriert, nun wollte er sich ummelden. Bei dem Versuch wurde der Mann verhaftet. Ein neues Prüfgerät hatte den gefälschten litauischen Ausweis des Georgiers entlarvt. Vor einigen Jahren, als er sich in der Stadt angemeldet hatte, gab es das noch nicht.

Im Bürgerbüro war dies der zweite Fall binnen elf Tagen, dass das neue Prüfgerät gefälschte Dokumente erkannte. Seit dem 1. Juli prüfen die Sachbearbeiter jedes Ausweisdokument damit, in der Woche sind es 110 bis 150. Auf die ersten beiden Monate hochgerechnet waren also rund 0,2 Prozent der Ausweise gefälscht — ein marginaler Anteil. Zwischen November 2017 und Juli 2018 sind ohne Prüfgerät nach Angaben des Bürgerbüros drei Fälschungen aufgeflogen. „Einer davon hat sich direkt aus dem Staub gemacht, als ich die Lupe genommen habe“, erinnert sich Nina Schumacher, die Hauptsachbearbeiterin. Mit dem Gerät kann die Stadt unter anderem schneller und beweissicher gegen Personen vorgehen, die sich mit gefälschten Dokumenten Sozialleistungen unrechtmäßig sichern wollen.

Der Blick sei auf alle Ausweise „vorurteilsfrei gleich“, betont Schumacher, dennoch würden die Sachbearbeiter bei bulgarischen, rumänischen und litauischen Pässen schneller misstrauisch, weil sie diese öfter in der Hand halten und daher wüssten, was bei auffälligen Ausweisen für eine Fälschung spricht.

4000 Euro kostet das Prüfgerät, das Fluggäste von Kontrollen an deutschen Flughäfen nach ihrer Ankunft aus einem Nicht-EU-Land kennen. Bezahlt wird es vom Bund. Jede Kommune, die Interesse an einem solchen Gerät hat, bekomme es problemlos, erklärt Hans-Jörg Feltes. Er leitet das Bürgerbüro. Die Verwaltung hatte seinem Wunsch im März entsprochen. Noch ist Düren die einzige ausgestattete Kommune im Kreis. Beim Ausländeramt des Kreises wird das Gerät seit März eingesetzt, aber nur bei Verdacht. Eine Fälschung lag noch nicht vor, teilt der Kreis mit.

Stadt Hamm gilt als Vorreiterin

Erfahrung mit dem Prüfgerät, das 1800 Dokumente aus nahezu allen Ländern erkennt, hat vor allem die Stadt Hamm seit April 2017 gesammelt. Sie gilt als bundesweite Vorreiterin. Mitarbeiter von dort werden die Dürener Sachbearbeiter weiter schulen, wie sie auffällige Dokumente, die das Gerät meldet, als Fälschung entlarven können. Im ersten Jahr nahm die Polizei in Hamm 20 Personen im Einwohnermeldeamt fest, gegen zwei lag ein Haftbefehl vor. Insgesamt stellte die Stadt 35 Strafanzeigen wegen gefälschter Papiere — etwa alle 14 Tage ein Volltreffer bei 400 bis 500 Dokumenten monatlich. Laut der Stadt versuchte eine Person, mit unechten Dokumenten über den Familiennachzug sieben Angehörige nach Deutschland zu holen — das wurde verhindert. In einem Zwischenbericht über die Erfolge des neuen Prüfgeräts steht außerdem, dass „präventive Auswirkungen deutlich werden“.

Wie viele Fälschungen im Kreis Düren bislang vor dem Einsatz des Prüfgeräts aufgefallen sind, kann die Polizei nicht sagen. Die Zahl soll „sehr gering“ sein, erklärt Sprecherin Ingrid Königs. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass etliche falsche Ausweise unterwegs sind. Dass diese bei Behörden nicht immer als gefälscht erkannt werden, liegt nach Aussage von Ingrid Königs daran, dass die Sachbearbeiter einfach nicht genügend über Fälschungen wissen — und die technischen Mittel fehlen. „Wünschenswert wäre aus polizeilicher Sicht eine flächendeckende Versorgung mit entsprechenden Prüfgeräten“, äußert Ingrid Königs.

Bis zu mehreren Tausend Euro

Diejenigen, die sich mit gefälschten Ausweisen einen Vorteil verschaffen wollen, lassen sich nicht auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region reduzieren. Es lässt sich jedoch sagen, wie aus dem Erfahrungsbericht der Polizei hervorgeht, dass die Personen oftmals aus Ländern mit Visumspflicht kommen. Für europäische Länder besteht die nicht, und deswegen würden die rumänische und die bulgarische Nationalität am meisten vorgetäuscht. Eine „besondere kriminelle Energie“ würde aber nicht der Grund dafür sein, gefälschte Dokumente zu nutzen, heißt es seitens der Polizei. „Die Leute kommen hierher, weil sie in aller Regel arbeiten wollen.“

Die unechten Dokumente werden laut Polizei sowohl im Ausland als auch in Deutschland angefertigt. Zu haben seien Personalausweise beziehungsweise sogenannte ID-Karten — je nach Qualität — ab einem Preis von 250 Euro. Ein Gesamtpaket aus ID-Karte, Führerschein und Reisepass kann mehrere Tausend Euro kosten, erläutert Ingrid Königs. Sie sagt auch: „An die Hersteller und Vermittler dieser Fälschungen zu kommen, ist äußerst schwierig.“

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