Düren: Zwangsehe, Schläge und dann das Frauenhaus

Düren: Zwangsehe, Schläge und dann das Frauenhaus

Fatma (Name geändert) hat immer noch Angst. Angst vor ihrem Mann und dessen Familie.

Angst, dass er sie findet und ihr den gemeinsamen Sohn wegnimmt. Fatma ist um die 30 Jahre alt und lebt seit sieben Monaten mit ihrem kleinen Sohn im Frauenhaus in Düren. Hier fühlt sie sicher. Aber bis sie hier hingekommen ist, war es ein weiter, ein steiniger Weg.

Das Dürener Frauenhaus ist in Trägerschaft des Vereins „Frauen helfen Frauen”, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Opfern häuslicher Gewalt dabei zu helfen, ein neues Leben in Sicherheit und Selbstständigkeit zu führen. Am Dienstag feiert der Verein sein 30-jähriges Bestehen.

Fatma ist noch keine 20, als ihr Vater sie gegen ihren Willen mit einem fast 50-jährigen Türken verheiratet. „Mein Vater hat mich verkauft”, sagt Fatma heute. „Ich habe acht Geschwister und mein Mann kam mit Geschenken. Da musste ich ihn heiraten.” Die junge Araberin ist nach Deutschland gekommen und hier hat ihr eigentliches Martyrium erst angefangen.

„Im gleichen Haus wie wir hat auch die Ex-Frau meines Mannes mit den fünf Kindern gewohnt. Das älteste war ungefähr so alt wie ich.” Fatmas Mann hat seiner jungen Frau von Anfang an gedroht. Sie durfte nicht alleine aus der Wohnung und sollte auch keinen Kontakt zu den Nachbarn haben. „Irgendwann hat er dann auch angefangen, mich zu verprügeln. Und mein Vater hat mir am Telefon gesagt, dass ich Schuld an allem sei. Ich müsste eben gehorchen.”

Es hat lange gedauert, bis Fatma bereit war, sich helfen zu lassen. „Erst als ich gemerkt habe, dass mein Sohn sich immer mehr zurückzieht und immer ängstlicher wird, habe ich mich getraut, meinen Mann zu verlassen.” Das war vor sieben Monaten. Mit Hilfe einer Nachbarin ist Fatma damals zu einem Verein in ihrer Stadt gekommen, der ähnliche Aufgaben wie „Frauen helfen Frauen” hat. „Ich bin ins Frauenhaus gekommen. Aber mein Mann hat mich gefunden, deswegen bin ich jetzt in Düren.”

Hier wird die Adresse des Dürener Frauenhauses streng geheim gehalten, kaum einer weiß, wo die acht Frauen und sieben Kinder leben. „Das Frauenhaus”, sagt Sozialarbeiterin Christina Hähnlein, „gibt es mittlerweile seit 25 Jahren. Das Haus hat ganz normale Sicherheitsvorkehrungen, und die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniert wirklich sehr gut.”

Das Frauenhaus in Düren ist eigentlich immer ausgebucht, allein im vergangenen Jahr haben hier 49 Frauen und 44 Kinder Zuflucht gesucht - und gefunden. Die Frauen und Kinder werden psychologisch betreut, für „Frauen helfen Frauen” arbeiten Sozialarbeiterinnen mit einer therapeutische Ausbildung und Erzieherinnen. Christina Hähnlein: „Natürlich unterstützen wir die Frauen auch bei Behördengängen. Oder dann, wenn der Umzug aus dem Frauenhaus in eine normale Wohnung ansteht.”

So wie bei Fatma jetzt. Sieben Monate im Frauenhaus sind eine lange Zeit, viel länger als die Frauen üblicherweise bleiben. „Der Umzug”, sagt Christina Hähnlein, „ist für die Frauen noch mal ein richtiger Kraftakt.” Die Situation auf dem Dürener Wohnungsmarkt, so Hähnlein, sei im Augenblick sehr schwierig. „Wir finden nur schwer geeignete Wohnungen. Und hinzu kommt dann natürlich wieder die Angst, dass die Ehemänner ihre Frauen doch wieder finden.”

Diese Angst kennt Fatma nur zu gut. „Ich habe bald einen Gerichtstermin”, sagt sie. „Es muss entschieden werden, wer das Sorgerecht für unseren Sohn bekommt. Und da werde ich auch meinen Mann wiedersehen.” Natürlich muss Fatma nicht allein zu dem Termin, eine Mitarbeiterin von „Frauen helfen Frauen” wird sie begleiten. „Wir haben auch dafür gesorgt”, sagt Christina Hähnlein, „dass mit dem Gericht Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Damit die beiden sich nur im Gerichtssaal und nicht auf dem Flur begegnen.”

Wenn Fatma das Sorgerecht für ihren Sohn, der mittlerweile in Düren in den Kindergarten geht und sich prächtig entwickelt, wie sie sagt, bekommt, will sie auf jeden Fall aus dem Frauenhaus ausziehen und sich eine Arbeit suchen. Am liebsten als Verkäuferin in einer Bäckerei.

„Ich muss es einfach schaffen” sagt sie. „Weil mein Junge ein gutes Leben haben soll.” Fatma ist dem Verein” Frauen helfen Frauen” unendlich dankbar - wegen all der Unterstützung.

Festakt und Ausstellung zum Vereinsjubiläum

Der Verein „Frauen helfen Frauen” bietet in seinen Räumen in der Gutenbergstraße in Düren immer mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr kostenlose Beratungsstunden an. Selbstverständlich können auch Beratungstermine zu anderen Zeiten vereinbart werden. Telefonisch ist der Verein unter Telefon 02421/17355 zu erreichen.

Das Vereinsjubiläum wird am Dienstag um 17 Uhr mit einem Festakt im „Komm”-Zentrum in Düren gefeiert.

Gleichzeitig wird auch eine Ausstellung mit Bildern von Barbara Irmen, Cilly Baum, Elke Mertens und Gudrun Bergmann eröffnet, die sich mit dem Thema Gewalt an Frauen künstlerisch auseinandersetzen. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 11. Dezember, zu sehen.