Düren: Zuschauer beeindrucken Zuspieler: Arena Kreis Düren wird zu Tollhaus

Düren : Zuschauer beeindrucken Zuspieler: Arena Kreis Düren wird zu Tollhaus

Stefan Falter ist am Sonntag mit seiner Frau in den Kermeter gegangen. Den Trainer der SWD Powervolleys zog es zu einem Spaziergang in die dichten Wälder des Nationalparks zwischen dem Rursee Schwammenauel und dem Urftsee. Der Schmidter suchte die Ruhe nach einem aufregenden Samstagabend.

„Ich habe nur wenige Stunden geschlafen“, sagte der Coach vor dem Ausflug. Immer wieder verarbeitete er in Gedanken den 3:0-Sieg seiner Mannschaft vor 1800 Zuschauern in der Kreisarena gegen den Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys.

Die ersten Ultras der SWD Powervolleys haben sich Spielführer Jaromir Zachrich als Vorbild erkoren. Foto: Guido Jansen

Mit diesem eigentlich ungefährdeten Sieg hatte wohl keine einzige Person in der Arena gerechnet. Mit Sicherheit auch nicht Dennis Barthel. Ende vergangener Spielzeit hatte der junge Spieler, der aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in das Bundesliga-Team geschafft und sich immer wieder, obwohl kein Stammspieler, als wertvoller Akteur erwiesen hatte, seine Erstliga-Karriere beendet. Nun bedankte sich Gesellschafter und Hauptsponsor Erich Peterhoff im Namen der Powervolleys für die treuen Dienste von Dennis Barthel. Und die Zuschauer klatschten sich schon mal lautstark ein.

Als Co-Trainer ruhig, als Coach ein Energiebündel: Stefan Falter. Foto: Guido Jansen

Der Vorgeschmack

Die Berliner bekamen einen Vorgeschmack dessen, zu welcher Lautstärke das Dürener Publikum fähig ist, wenn sich seine Mannschaft in einen Rausch spielt. Die Arena, das „Wohnzimmer“ von Mittelblocker Michael Andrei und seinen Mitstreitern, entwickelte sich zu einem, Hexenkessel. Die restlos begeisterten Zuschauer beeindruckten natürlich die neuen Spieler der Powervolleys: „Ich hatte schon gehört, dass die Stimmung hier großartig sein soll“, sagte Spielmacher Stijn d‘Hulst. „Aber dass das hier so krass abgeht, dass die Halle wie ein massiver Block hinter der Mannschaft steht — damit hatte ich nicht gerechnet.“

Die Unterstützung der Fans schien den Belgier, der zu Beginn der Spielzeit von Knack Roeselare nach Düren gewechselt war, zu beflügeln. Berlins neuer Trainer Luke Reynolds war von dem 26-Jährigen so beeindruckt, dass er ihn zum Spieler des Tages kürte. Und sein Dürener Kollege unterstrich die Klasse des Spielmachers mit einem Beispiel aus dem dritten Satz. 18:16 führten die Berliner, als d‘Hulst am Aufschlag stand. Er punktete direkt oder bereitete die Punkte vor: „Da war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am Aufschlag“, zollte Falter Respekt.

Die Dürener Zuschauer erlebten während der drei Sätze auch einen neuen Stefan Falter. Als Co-Trainer von Michael Mücke, Anton Brams und Tommy Tiilikainen hatte Falter das Geschehen auf dem Spielfeld ruhig verfolgt. Am Samstag ließ der Eifeler seinen Emotionen freien lauf. Er reckte die Faust in die Höhe, sprang nach langen, erfolgreichen Ballwechseln in die Luft, feuerte seine Spieler an. Das Energiebündel sagte: „Als Co-Trainer darfst du dich nicht in den Vordergrund stellen. Da musst du dem Coach mit Ratschlägen zur Seite stehen. Als Trainer aber darfst du die Mannschaft von der Seitenlinie aus emotional unterstützen.“

Bei Berlins neuem Trainer aus Australien waren dagegen emotionale Regungen kaum festzustellen. Sein Gesicht wirkte drei Sätze praktisch versteinert. Und während nach Prolingheuers Aufschlag-Ass zum 23. Punkt im dritten Satz Falter seiner Freude freien Lauf ließ, haderte Dürens ehemaliger und Berlins aktueller Zuspieler Sebastian Kühner ob der Stärke der Powervolleys: „Sie haben das gut gemacht, waren aggressiv und mutig.“