Stolberg/Wenau: Zum letzten Mal Kröten über Straße helfen

Stolberg/Wenau : Zum letzten Mal Kröten über Straße helfen

Verkehrsschilder mit der Aufschrift „Vorsicht, Krötenwanderung!“ sollen die Verkehrsteilnehmer auf Tiere, die die Klosterstraße überqueren, aufmerksam machen. Langsamer und rücksichtsvoller fahren viele trotzdem nicht. Bis Mitte/Ende April schützen bis zu anderthalb Kilometer lange Zäune die Amphibien vor dem Tod auf der Straße.

Bereits zum 23. Mal hat der Naturschutzverein Arbeitskreis Naturschutz Krötenschutzzäune an der Klosterstraße aufgestellt, die Zäune an der L 12 stellte eine Behörde auf. Die an beiden Straßenseiten aufgestellten Zäune bewahren die Tiere, die von den Wäldern aus zu dem Tümpel „Klosterteich“ wandern, um dort zu laichen, vor dem Straßentod. Die Tiere begeben sich, sobald es wärmer wird, zu den Laichgewässern und werden durch die circa 50 Zentimeter hohen Zäune daran gehindert, die Straße zu überqueren.

Die Männchen klammern sich oft auf dem Rücken der Weibchen fest und lassen sich zu den Laichgewässern tragen.

Wenn sie dann an den Zäunen entlang laufen, um den Weg zum Gewässer zu finden, fallen sie in die, in regelmäßigen Abständen eingegrabenen, Eimer. Diese werden zweimal täglich von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Arbeitskreises auf die andere Straßenseite getragen, so gelangen die Tiere sicher zum Gewässer und anschließend wieder zurück in die Wälder. „Neben den Kröten wandern auch Molche und Grasfrösche zum Tümpel. Ohne die Zäune haben die Tiere keine Chance“, berichtet Karl-Heinz Plum, Mitglied des Arbeitskreises Naturschutz.

Die Schutzzäune werden dann wieder abgebaut, wenn die Tiere zurück in den Wäldern sind. Wenn die Jungtiere schlüpfen, sind die Zäune nicht mehr da. Das liegt an dem hohen Betreuungsaufwand und daran, dass sich die Abwanderung der Jungtiere oft über einen Zeitraum von Wochen bis hin zu Monaten zieht. Wandern die nur fingernagelgroßen Jungtiere dann über die Straßen in die Wälder, reicht ein einziges Auto aus, um Hunderte von ihnen zu überfahren.

In den 23 Jahren haben die Naturschützer schon so einiges erlebt: „In einem Jahr haben wir die ganze Zeit ein Moped beobachtet, das auf und ab fuhr. Nach einiger Zeit stellte sich dann heraus, dass ein junges Mädchen mit ihrem Moped die Enden des Krötenschutzzauns abfuhr und die Kröten aufsammelte, die Gefahr liefen, von den Autos überfahren zu werden. Sie hatte ihre ganze Handtasche voller Kröten und brachte sie sicher auf die andere Straßenseite“, berichtet Helga Nellessen, Vereinsmitglied. „Manchmal steigen Autofahrer auch einfach aus und bedanken sich bei uns“, sagt Norbert Franzen, Gründungs- und Ehrenmitglied des Arbeitskreises.

Die Krötenaktion in diesem Jahr wird allerdings die letzte Aktion in diesem Gebiet sein: „Der Tümpel kann das Wasser nicht mehr halten, immer wieder vertrocknen die Tiere. Schon drei Mal musste die Feuerwehr das Gewässer wieder auffüllen“, berichtet Franzen.

Der Grund für den Rückgang des Wassers konnte offiziell, auch nach einer amtlichen Untersuchung, nicht festgestellt werden. Eine Wasserzuleitung aus dem anliegenden Bach sollte den Wasserstand des Tümpels halten und wurde von den Behörden auch genehmigt. Die Kosten in Höhe von 22 000 Euro konnte der Naturschutzverein finanziell jedoch nicht stemmen.

Wasserschutzzone II

„Hinzu kommt, dass das Gebiet um den Tümpel herum landwirtschaftlich genutzt wird und obwohl der Tümpel der Wasserschutzzone II zugeordnet wird, darf der Bauer das Ackerland, das bis wenige Meter an das Gewässer reicht, mit Düngemitteln, Insektiziden und Herbiziden behandeln, die das Gewässer in eine Kloake verwandeln.“ Auch das Abholzen der umliegenden Wälder kostet viele Kröten das Leben.

„Ursprünglich wollten wir die Tiere, vor allem die Jungtiere, umsiedeln. Wir hatten auch einen geeigneten Ort gefunden, allerdings wurde dieser Vorschlag vom zuständigen Forstbeamten kategorisch abgelehnt“, so Franzen. Die Anzahl der Tiere ist mittlerweile deutlich zurückgegangen.

Früher zählten die Helfer bis zu 5000 Tiere, dann waren es nur noch um die 1000. In diesem Jahr wird die Zahl aus aktueller Sicht schätzungsweise bei circa 250 liegen.

„Die Natur hat einen Wert, der sich nicht in Geld messen lässt. Wir können den Nutzen daraus derzeitig noch gar nicht erfassen. Aber wenn es so weiter geht, werden unsere Nachkommen spüren müssen, wie wichtig jedes einzelne Lebewesen für die Menschheit ist“, schildert Lilli Lüttringhaus, Mitglied des Naturschutzvereins. Der Arbeitskreis Naturschutz braucht dringend tatkräftigen Zuwachs jeden Alters. Auch über finanzielle Unterstützung freut sich der Verein sehr. Interessierte finden notwendigen Informationen dazu ...

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