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Aus Mangel an Beweisen

Zornige Richterin spricht Vater frei

Das Gericht glaubt den Täter zu kennen, kann ihn aber nicht verurteilen. (Symbol) FOTO: dpa / Jordan Raza

Nideggen/Aachen Seine sieben Wochen alte Tochter wird schwer misshandelt. Das Gericht glaubt, den Täter zu kennen – kann ihn dafür aber nicht verurteilen. Der 26 Jahre alte David M. aus Nideggen-Wollersheim ist von dem Vorwurf freigesprochen worden.

Der 26 Jahre alte David M. aus Nideggen-Wollersheim ist von dem Vorwurf freigesprochen worden, seine damals sieben Wochen alte Tochter Kylie Ende 2018 schwer misshandelt und lebensgefährlich verletzt zu haben. Das hat das Aachener Landgericht gestern entschieden. Fest steht allerdings, dass es nur David M. oder seine damalige Lebensgefährtin gewesen sein können, die Kylie damals geschüttelt, ihr einen Arm, einen Oberschenkel, mehrere Rippen und ein Schienbein gebrochen und sie am Kopf verletzt zu haben.

Die Vorsitzende Richterin der 5. Großen Strafkammer, Regina Böhme, ließ gestern keinen Zweifel daran, dass sie David M. die Tat zutraut. „Wir glauben, dass es der Vater war“, sagte Böhme. Sie beschrieb den 26-Jährigen als empathielos, persönlichkeitsgestört, und nur auf seinen persönlichen Vorteil bedacht, „der in seinem Leben noch nichts zustande gebracht hat“. Allerdings sei David M. eine Schuld nicht zweifelsfrei nachzuweisen, erklärte Böhme. Der Ausgang des Prozesses sei daher „frustrierend“.

Seltsam sei, dass die frühere Lebensgefährtin und Mutter von Kylie David M. als Zeugin vor Gericht nicht belastet habe, obwohl sie in der Wohnung war, als Kylie misshandelt wurde. „Hier haben wieder mal zwei unreife Menschen ein Kind in die Welt gesetzt, die nicht einmal in der Lage sind, eine regelkonforme Beziehung zu führen“, sagte Böhme rot vor Zorn. „Und die Leidtragende ist Kylie“, die nun in einer Pflegefamilie lebt. Ihr gehe es gut. Verurteilt wurde der vorbestrafte M. jedoch wegen Körperverletzung, weil er seine damalige Lebensgefährtin betrunken mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie ihn in den Rücken getreten hatte. Böhmes Kammer verhängte eine Strafe von 15 Monaten Haft, sie dachte nicht daran, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Zudem muss M. eine Entziehungskur machen.

(gego)

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