Zeugen verhindern Flucht eines Trickdiebs und erhalten den Bürgerpreis

Trickdieb wird von Passanten gestoppt : Quartett erhält für couragierten Einsatz den Bürgerpreis

Weil sie einen Dieb auf der Tat ertappt und gemeinschaftlich gestoppt haben, sind Vanessa Schmitz, Arash Monfared Ghaznavi und René Wilkens am Donnerstag mit dem Bürgerpreis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. Eine weitere Dame, die ebenfalls zur Tataufklärung beigetragen hatte, will ungenannt bleiben, erhält den Preis jedoch in den kommenden Tagen.

Der Fall, für den sie nun geehrt wurden, liegt fast genau ein Jahr zurück. Am 29. Mai des vergangenen Jahres, es war ein Dienstag, wurde eine damals 84-Jährige aus Düren in der Innenstadt von einem Mann angesprochen. Die Frau  war mit ihrem Rollator unterwegs, an dem sie ihre Handtasche befestigt hatte. Der Unbekannte wollte wissen, wo sich eine Bushaltestelle befindet. Während die Seniorin den Weg erklärte, lenkte der Mann sie mit einem Schirm ab und zog unbemerkt das Portemonnaie aus der Tasche.

Als sie den Verlust bemerkte, machte sie mit lauten Rufen andere Zeugen aufmerksam: Vanessa Schmitz, René Wilkens und Arash Monfared Ghaznavi. Sie nahmen zu Fuß die Verfolgung zweier weglaufender Männer auf und hielten den Haupttäter schließlich auf der Kölnstraße fest, wo der 38-jährige Osteuropäer von der Polizei festgenommen wurde. Seinem bis dahin unbekannten männlichen Begleiter gelang die Flucht. Er blieb jedoch nicht unerkannt, denn René Wilkens fotografierte ihn bei der Flucht.

Die bestohlene Frau erhielt dank einer Zeugin ihr Portemonnaie, in dem sich 800 Euro befanden, zurück. Sie hatte von ihrem Arbeitsplatz in einem Bekleidungsgeschäft am Markt aus beobachtet, wie der Täter die Geldbörse auf seiner Flucht wegwarf. Sie hob die Börse auf und gab sie samt Inhalt zurück. Der Haupttäter wurde vorläufig festgenommen und am nächsten Tag im Rahmen eines sogenannten beschleunigten Verfahrens vom Dürener Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Gleiches gilt für seinen 39 Jahre alten Landsmann und Mittäter, der anhand des Fotos identifiziert werden konnte.

Ein Diebstahl wie dieser fürs Foto nachgestellte wurde am 29. Mai des vergangenen Jahres von couragierten Bürgern in Düren vereitelt. Foto: imago/Joko

Das Verhalten der engagierten Passanten werteten die Jurymitglieder, die aus verschiedenen Bereichen der Polizei stammen, in mehrfacher Hinsicht als vorbildlich. Zum einen habe man gemeinsam gehandelt und nicht weggesehen, zum anderen habe man auch sich selbst nicht in Gefahr gebracht, sagte der Regionalbeauftragte der Polizei Düren, Ralf Classen. Ganz wichtig: „Immer den Notruf betätigen, damit wir als Polzei handeln können.“

Der Preis symbolisiert die Zivilcourage, die Bürger zeigen sollen. Die in den Rurtalwerkstätten geschaffene Holzskulptur stellt ein großes Auge dar, in dessen Mitte das Wort „Mut“ zu lesen ist. „Er zeigt, dass Menschen aus einem bestimmten Holz geschnitzt sein müssen und die Augen offen halten sollen“, sagte Polizeisprecherin Melanie Arenz. Im vergangenen Jahr habe man eine besonders große Anzahl von Fällen der Zivilcourage registriert, in die engere Auswahl für den Preis kamen letztlich fünf. Neben der Skulptur erhielten die Ausgezeichneten eine Urkunde und einen Blumenstrauß.

Der Preis wurde zum vierten Mal vergeben. Landrat Wolfgang Spelthahn sieht darin eine Möglichkeit, „sich bei Vorbildern zu bedanken“. „Die Polizei kann nicht alleine danach schauen, dass sich alle Menschen an die Regeln halten, sondern sie ist auf die Hilfe der Bürger angewiesen“, sagte der Dürener Polizeichef. Das Quartett habe dazu beigetragen, dass die Gesellschaft sicherer und lebenswerter werde.

Und die so gelobten selbst? „Es ist in meinen Augen selbstverständlich zu helfen“, sagt Vanessa Schmitz. Sie habe instinktiv, „aus dem Bauch heraus“ gehandelt. Dem pflichten auch René Wilkens und Arash Monfared Ghaznavi bei. Letzterer brach bei der Preisverleihung im Kreishaus gleich eine Lanze für die Stadt: „Düren ist bei weitem nicht so schlecht, wie es von den eigenen Bürgern manchmal gemacht wird.“ Den Ball nahm Landrat Spelthahn natürlich gerne auf: „Bürgerliches Engagement, wie sie das gezeigt haben, trägt dazu bei, dass sich die Menschen wohler fühlen.“