Düren: Zahl der Fahrradunfälle in Düren rückläufig

Düren: Zahl der Fahrradunfälle in Düren rückläufig

Ein Fahrradhelm ist für Jochen Michels aus Derichsweiler selbstverständlich. Und nicht nur, weil er seinen beiden Kindern ein gutes Vorbild sein möchte. Seit diesem Sommer fährt der 42-Jährige jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Langerwehe.

Bei Wind und Wetter. „Die Spritpreise”, sagt der Anlagentechniker, „sind mir einfach zu hoch. Da fahre ich lieber Rad. Und zwar immer nur mit Helm.”Gleich nach der Sommerpause hat Landesinnenminister Ralf Jäger sich dafür stark gemacht, eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen, außerdem hat er eine Herabsetzung der Promillegrenze für Radler gefordert.

„Das können wir nur befürworten”, sagt Reiner Fallkowski, Verkehrssicherheitsberater bei der Kreispolizeibehörde in Düren. „Natürlich”, so der erfahrene Polizeibeamte, „verhindert kein Helm einen Unfall. Aber er schützt unseren Hauptcomputer, nämlich den Kopf.” Ähnlich sieht es bei der Promillegrenze aus. Derzeit liegt die „absolute Fahruntüchtigkeit” bei Radfahrern bei 1,6 Promille.

Innenminister Jäger will diese Grenze auf 1,1 Promille senken. Polizeibeamter Wolfgang Franzen: „Bei Autofahrern liegt sie schon bei 1,1 Promille. Das heißt, wer mit mehr Alkohol im Blut Auto fährt, muss seine Fahrerlaubnis komplett neu beantragen und auch den Führerschein neu machen. Es ist sicherlich sinnvoll, diese Grenze auch für Radfahrer einzuführen.”

Besonders viele Fahrradunfälle sind im vergangenen Jahr in Düren an der Nideggener Straße/Ecke Piusstraße und in der Josef-Schregel-Straße passiert. Reiner Fallkowski: „In der Josef-Schregel-Straße ist das Problem, dass der Radweg direkt neben den parkenden Autos verläuft. Und die Unfälle passieren, wenn die Autofahrer beim Öffnen der Türe nicht aufpassen.”

Die Polizei war an den Unfallschwerpunkten verstärkt präsent, überhaupt haben die Beamten den Radverkehr verstärkt unter die Lupe genommen.

„Wir müssen uns als Polizei darauf einstellen”, so Wolfgang Franzen, „dass auch die Unfallzahlen bei E-Bikes sprunghaft ansteigen werden.” In diesem Jahr sei im Kreis Düren schon ein 83-Jähriger mit einem Elektrofahrrad tödlich verunglückt. Franzen: „Das ist sicherlich bei Seniorinnen und Senioren ein besonderes Thema, weil die durch die E-Bikes plötzlich eine ganz andere Mobilität haben und ja auch viel schneller sind.”

Im kommenden Frühjahr wird die Kreispolizeibehörde darum wieder spezielle E-Bike-Schulungen für ältere Menschen anbieten.

Eines ist den beiden Beamten wichtig: „Beide, Fahrrad- und Autofahrer, haben im Straßenverkehr ihre Berechtigung. Es ist eben nur sehr wichtig, dass aufeinander Rücksicht genommen wird,” betont Reiner Fallkowski.

Grünen-Politikerin Verena Schloemer wünscht sich mehr Fahrradstraßen in Düren, vor allem auch für Schülerinnen und Schüler, die mit dem Drahtesel zur Schule fahren möchten. „Der Verkehr, gerade auch der Lkw-Verkehr, hat sehr stark in unserer Stadt zugenommen”, so Schloemer. „Uns es ist vor diesem Hintergrund wirklich nicht verwunderlich, dass immer mehr Eltern ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen.”

Die CDU habe in der jüngsten Ratssitzung einen Antrag auf ein verbessertes Radwegenetz für die Stadt Düren gestellt. „Der ist leider nicht diskutiert worden”, so Schloemer. „Aber da bleiben die Grünen natürlich am Ball. Es muss insgesamt ein Umdenken geben.”

Auch der städtische Fahrradbeauftragte, Uwe Schmitz, ist der Meinung, dass sich in Sachen Radwegen in Düren Einiges tun muss. „Die Fahrradwege in unserer Stadt”, sagt er, „sind deutlich in die Jahre gekommen. Da müssen wir schon Geld in die Hand nehmen, um die zu renovieren.”

Auch sei es wichtig, so Schmitz, vorhandene Radwege besser zu markieren und in die Straße zu integrieren. „So wie in der Roonstraße”, sagt Schmitz, die ja derzeit gemacht wird. Hier haben wir die Straße extra verbreitert, damit wir auch einen Schutzstreifen für Radfahrer anlegen können.”

Und Jochen Michels? Der findet es gut, dass überhaupt über das Thema Radfahren wieder vermehrt gesprochen wird. „Ich habe viele Leute in meinem Bekanntenkreis, die wieder das Fahrrad aus dem Keller geholt haben. Und Fahrradstraßen für Düren fände ich richtig toll.”

Im Dürener Stadtgebiet gibt es ein 130 Kilometer langes Radwegenetz. Die Wege sind mit übersichtlichen Schildern ausgewiesen.

Insgesamt gibt es an der Rur 286 Radhinweisschilder. Themenrouten wie die Wasserburgenroute oder die Kaiserroute wurden mit in die Beschilderung aufgenommen. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Fahrradunfälle in der Stadt Düren um 22 Prozent, also fast ein Viertel zugenommen.

169 Fahrradfahrer sind in 2011 in Düren verunglückt, 2010 waren es „nur” 137 Radler. Erfreulicherweise hat es in diesem Jahr bis Ende Juli nur 39 Fahrradunfälle gegeben. Das ist mehr als die Hälfte weniger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2011, wo in den ersten sieben Monaten des Jahres 80 Radfahrer einen Unfall hatten.

Die Polizei führt das darauf zurück, dass sie an den neuralgischen Schwerpunkten für Fahrradunfälle verstärkt Beamte eingesetzt hat.

Mehr von Aachener Nachrichten