WVER investiert ab 2020 rund 300 Millionen in Kanäle und Kläranlagen

Wasserverband Eifel-Rur legt Jahresbericht vor : Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro angekündigt

Seit 2004 hält der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) seinen jährlichen Finanzbedarf konstant. 132 Millionen Euro müssen die Mitglieder, die Städte, Gemeinden und industriellen Abwassereinleiter, im Einzugsgebiet der Rur, seitdem jährlich überweisen.

Dies wird auch 2019 und 2020 noch so bleiben, betonte Vorstand Dr. Joachim Reichert bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2018 nicht ohne Stolz, schließlich entspreche der stabile Beitragssatz angesichts der Inflation und zusätzlichen Aufgaben, die der Verband mit seinen 610 Mitarbeitern in der Abwasserbeseitigung und der Talsperren- und Gewässerunterhaltung übernehmen müsse, eigentlich einer Beitragssenkung von 20 Prozent. Aber dabei wird es nicht bleiben.

In den 2020er Jahren wird der WVER rund 300 Millionen Euro in die Erneuerung und Ertüchtigung von Abwasserkanälen und Kläranlagen investieren müssen, kündigte Reichert an. Das wird sich nicht nur bei den Kommunen und Industriebetrieben finanziell bemerkbar machen, sondern auch bei Otto Normalverbraucher, der im Einzugsgebiet des jeweiligen Bauprojektes mit steigenden Abwassergebühren rechnen muss.

Ein Beispiel ist die zeitweise längst überlastete und sanierungsbedürftige Kläranlage Düren, in die bis 2024 in einer ersten Ausbaustufe auch auf Anweisung der Bezirksregierung Köln als Aufsichtsbehörde geschätzte 35 Millionen Euro fließen werden. Und wo von eine ersten Stufe die Rede ist, wird eine zweite folgen. Deren Kosten aber seien derzeit noch nicht absehbar, erklärte Reichert. Offen ist auch weiterhin, ob die Kläranlage Düren bis 2028 Standort einer neuen Klärschlammverbrennung für das westliche Rheinland wird. Die wird zum einen erforderlich, weil die derzeitige Mitverbrennung des Klärschlamms im RWE-Kraftwerk Weisweiler 2030 endet, vor allem aber der im Klärschlamm enthaltende Phosphor ab 2029 gesetzlich zurückgewonnen werden muss.

Infolge des Kanaleinsturzes in der Renkerstraße kalkuliert der Verband mittlerweile mit Kosten von neun Millionen Euro. Foto: ZVA/Jörg Abels

Aktuell werden in Düren jährlich etwa 7000 bis 8000 Tonnen Klärschlamm verbrannt, eine neue Anlage wäre etwa zehnmal so groß. Die verkehrsgünstige Lage und die vorhandene Fläche sprechen für den Standort Merkener Busch, die Nähe zur Wohnbebauung (Merken, Huchem-Stammeln, Birkesdorf) dagegen. Sechs Standorte werden derzeit im Rheinland untersucht, eine Entscheidung erwartet der WVER bis Ende März 2020. „Bis dahin wäre alles Spekulation“, stellt Dürens Bürgermeister Paul Larue (CDU) in seiner Funktion als WVER-Verbandsvorsteher fest.

Der Ausbau der Kläranlage Düren ist aber nur eines der anstehenden Großprojekte, ein anderes ist der Bau des dringend erforderlichen zweiten Hauptabwasserkanals von Untermaubach bis zur Kläranlage Düren. Auf einen möglichen Baubeginn des sogenannten Parallelsammlers, der laut Reichert weit mehr als 40 Millionen Euro kosten werde, wollte sich der WVER-Vorstand nicht festlegen. „Wir gehen davon aus, dass die Planungen Ende des Jahres abgeschlossen sein werden.“

Die immense Größenordnung der anstehenden Investitionen sei nicht darauf zurückzuführen, dass in den vergangenen Jahren Projekte zurückgestellt wurden, um den Beitrag für die Kommunen und Industriebetriebe künstlich stabil zu halten, versicherte der WVER-Chef. Vielmehr kämen mehrere Faktoren zusammen. Anlagen, die während der Investitionsbooms Anfang der 90er Jahre entstanden sind, müssten nun nach 30 Jahren zwingend ertüchtigt werden. Dazu kämen eine immer schnellere Innovationsgeschwindigkeit, die technische Veränderungen nach sich ziehe, und immer strengere gesetzliche Auflagen, die bei der Abwasserreinigung erfüllt werden müssten.

WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert. Foto: ZVA/Jörg Abels

Bereits im vergangenen Jahr wurden rund 34 Millionen Euro investiert, 3,1 Millionen Euro in die Talsperren und Gewässer (Beispiele sind die Renaturierung des Meroder Baches bei Schlich und Erneuerung des Tosbeckenschwelle am Staubecken Heimbach). Das Gros aber floss in die Abwasserbeseitigung: rund 31,7 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch bereits erste Kosten der Kanalhavarie in der Renkerstraße in Lendersdorf, für die der WVER mittlerweile bis zum voraussichtlichen Abschluss der Arbeiten im September 2020 mit neun Millionen Euro kalkuliert.

Zu Buche schlugen aber vor allem Maßnahmen an der Kläranlage Düren: die Erneuerung der Maschinentechnik und der Einbau einer Desinfektionsanlage mit UV-Licht zur Beseitigung von Legionellen im Abwasser (4,2 Millionen) und die Abluftbehandlung (1,5 Millionen). „Damit haben wir aus unserer Sicht aber auch die wesentlichen Quellen der Geruchsbelästigung für die Anwohner eliminiert“, betonte Reichert. Größter Einzelposten 2018 war der Bau einer Ozonungsanlage an der Kläranlage Aachen-Soers zur Eliminierung von Spurenstoffen im Abwasser (10,5 Millionen).