Düren: Wohin mit der Bismarck-Statue?

Düren: Wohin mit der Bismarck-Statue?

Im Augenblick fristet die Bismarck-Statue, die seit 1892 in Düren steht, ihr Dasein in einem Lagerraum. Spätestens, wenn Hotel, Kongresszentrum, Wohn- und Geschäftsräume an der Bismarckstraße fertig sind, soll auch die große Skulptur im Theodor-Heuss-Park gleich neben dem neuen Bismarck-Quartier wieder aufgebaut werden. Aber darüber gibt es Diskussionen.

Karlheinz Stockheim hat einen Antrag an den städtischen Bürgerausschuss gestellt und gefordert, die Bismarck-Statue nicht wieder aufzustellen. „Die Ergänzung des Wohnviertels mit der Statue des ehemaligen preußischen Ministers von Königs- und Gottesgnaden“, heißt es in dem Antrag, „wäre ein großes Ärgernis und wenig von geschichtlich verantwortbarer Erinnerungskultur geprägt.“ Der Ausschuss tagt am Donnertag, 17 Uhr, im Rathaus.

„Der Investor für Hotel und Kongresszentrum“, erklärt Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), „hat sich bei der Namensgebung für das Quartier an der Bismarckstraße orientiert.“ Natürlich, ergänzt Spelthahn, sei Bismarck nicht Kanzler einer modernen Demokratie im heutigen Sinne gewesen. „Gleichwohl hat er große Verdienste erworben. Aus meiner Sicht wäre es total überzeugen, das Denkmal nicht wieder aufzustellen.“

Ähnlich sieht das Stefan Weschke, CDU-Fraktionsvorsitzender im Dürener Stadtrat. „Man sollte historische Persönlichkeiten nach den Maßstäben ihrer Zeit beurteilen“, sagt er. „Bismarck ist Teil der deutschen Geschichte und hat wichtige Reformen angestoßen, zum Beispiel die Sozialversicherung.“ Natürlich, ergänzt Weschke, gebe es auch bei Bismarck, Dinge, die man durchaus kritisch sehen könnte. „Aber es wäre kein gutes Zeichen, die Bismarck-Statue nicht mehr aufzustellen.“

Verena Schloemer (Bündnis 90/Die Grünen), Ratsfrau und Vorsitzende des Kulturausschusses, kann die Kritik von Stockheim durchaus nachvollziehen. „Natürlich hatte Bismarck nicht nur gute Seiten. Ich verbinde seine Politik auch mit Brutalität und Diskriminierung. Es ist richtig, Geschichte kritisch zu hinterfragen.“ Gleichwohl ist auch Schloemer dafür, das Denkmal wieder aufzustellen. „Wir müssen an die Geschichte erinnern. Daher sollten wir gemeinsam mit dem Stadtmuseum und der Geschichtswerkstatt eine Tafel erstellen, auf der auch die kritische Seite Bismarcks dargestellt wird. Damit sollte sich der Kulturausschuss beschäftigen.“

„Man kann zu Bismarck stehen, wie man will“, sagt Bernd Hahne, Vorsitzender von Geschichtswerkstatt und Stadtmuseum Düren. „Aber er hat Deutschland geprägt und gehört wieder in den Park.“ Man könne Geschichte nicht einfach entsorgen, indem man Denkmäler einfach im Bauhof verstecken würde. „Stattdessen müssen wir über Bismarck aufklären — mit einem Schild, aber auch im Rahmen von Stadtführungen.“

Dr. Horst Wallraff vom Stadt- und Kreisarchiv geht noch einen Schritt weiter. „Ich halte nichts von Denkmalverbannung. Wenn man das zu Ende denkt, müsste man auch das Kolosseum in Rom planieren. Gladiatorenspiele sind kritisch zu sehen.“ Auch Wallraff setzt auf Aufklärung. „So wie wir es bei dem Feuerengel von Bildhauer Adolf Wamper gemacht haben, nämlich mit einer erklärenden Tafel sollten wir es auch bei der Bismarck-Statue tun.“

Bürgermeister Paul Larue (CDU) nennt noch ein anderes Argument, warum die Statue aus seiner Sicht unbedingt wieder aufgebaut werden sollte. „Dieses Denkmal ist das einzige bedeutende Personendenkmal, das die schreckliche Zerstörung Dürens am 16. November 1944 überlebt hat. Solche historischen Zeugnisse sollten wir achten und pflegen. Es wäre geschichtsvergessen, die Statue nicht wieder aufzustellen.“

Natürlich könne man über Bismarck unterschiedlicher Meinung sein. „Aber das ist doch bei fast allen historischen Persönlichkeiten so. Ich finde es auch persönlich problematisch, dass Bismarck den Krieg als Mittel der Politik gesehen hat. Trotzdem war er eine bedeutende Persönlichkeit in der deutschen und europäischen Geschichte.“

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