Vettweiß: Windenergieanlagen: Ja bitte, aber nicht vor der Haustür

Vettweiß: Windenergieanlagen: Ja bitte, aber nicht vor der Haustür

Transparente Entscheidungsprozesse und eine frühzeitige Beteiligung fordern Bürger von der Politik. Hält die Politik das ausnahmsweise tatsächlich mal ein, scheint das zu Missverständnissen zu führen. Diese Erfahrung mussten jetzt Rat, Verwaltung und insbesondere die CDU in Vettweiß machen.

Unmittelbar nach der Atomkatastrophe in Japan war es die Vettweißer CDU, die sich für eine nachhaltige Energiewende stark machte und beantragte, man möge in der Gemeinde prüfen, ob weitere Flächen für Windkraftanlagen genutzt werden könnten. Das Unternehmen Energiekontor legte eine Untersuchung mit entsprechenden Vorschlägen vor, die im Februar im Rat vorgestellt wurden. Der beschloss daraufhin eine Bürgerbefragung, bevor eine Umsetzung in Angriff genommen werden sollte.

Das Ergebnis: wüste Beschimpfungen, insbesondere aus Ginnick, wo zwei Zonen für Windenergieanlagen vorgeschlagen waren. So unterschrieben zum Beispiel 137 Bürger den Satz: „All die Bürger sehen sich vor vollendete Tatsachen gestellt, weil die Planung offensichtlich schon abgeschlossen ist.” Andere sprachen von einer Farce und schlugen gar vor, Standorte für Windkraftanlagen „nicht nur nach Windeffektivität” auszuwählen. Und so sah sich Bürgermeister Josef Kranz in der Ratssitzung am Donnerstag bei der Diskussion der Ergebnisse der Bürgerbefragung genötigt klarzustellen, dass lediglich ein Meinungsbild bei den Bürgern abgefragt worden sei. Kranz: „Wir haben bisher kein Verfahren eingeleitet, sondern befinden uns noch in der Diskussion.”

Ein Standort bleibt übrig

Dabei war trotz des Widerstandes aus Ginnick das Ergebnis überraschend positiv. 227 Bürger haben sich an der Befragung beteiligt, nur 62 stimmten grundsätzlich gegen weitere Windenergieanlagen in den vorgeschlagenen Zonen bei Müddersheim und Ginnick. Selbst die Ginnicker votierten zu 58 Prozent für weitere Anlagen, wenn auch am Standort Müddersheim. Dieser Standort soll nun weiter verfolgt werden - als einziger. Die Parteien verzichteten auf eine weitere Untersuchung der Flächen in Ginnick und wollen auch nicht über weitere Zonen im Gemeindegebiet nachdenken.