"Wildschweinbande": In Langerwehe eröffnet Natur-Kita

Erste Natur-Kita im Kreis Düren : Kita-Kinder entdecken das Waldleben

Die „Wildschweinbande“ ist der erste Naturkindergarten im Kreis Düren. Ein Bauwagen in Langerwehe-Merode dienst als Basisstation für 20 Kinder zwischen drei und fünf Jahren.

Vor wenigen Tagen haben die Jungen und Mädchen des neuen Langerweher Naturkindergartens „Wildschweinbande“ eine besondere Entdeckung gemacht. Als die Kinder es sich auf ihrem selbst gebauten Waldsofa gemütlich gemacht hatten, um zu frühstücken, haben sie plötzlich eine kleine Maus gesehen, die eine Eichel nach der anderen in ihr Versteck gebracht hat, um Vorräte für den Winter anzulegen. „Es war sehr schön zu beobachten, wie die Kinder beobachtet haben, was diese Maus macht“, erzählt Erzieherin Daniela Hacken. „Und sie haben dadurch auch sehr viel gelernt.“

Der Naturkindergarten ist eine Initiative der beiden Erzieherinnen Daniela Hacken und Hilla Brandwitte. „Als wir vor mehr als einem Jahr gehört haben, dass in Langerweher Betreuungsplätze fehlen“, erklärt Hacken, „ist die Idee zu dem Naturkindergarten entstanden.“ Im Oktober 2017 haben die beiden Frauen zu einer ersten Informationsveranstaltung eingeladen, kurz darauf wurde der Verein „Wildschweinbande“ als Kita-Träger gegründet. Am 1. Oktober 2018 hat der erste Naturkindergarten im Kreis Düren seine Arbeit aufgenommen.

An der Schlossstraße in Merode in unmittelbarer Nähe zum Wald steht ein nagelnauer, grüner Bauwagen, der schon von außen sehr gemütlich aussieht. Es gibt vor dem Domizil der „Wildschweinbande“ einen kleinen Sandkasten und Tische und Bänke. „Weil wir die Baugenehmigung erst kurzfristig bekommen haben“, sagt Hacken, „ist unsere Einrichtung noch sehr provisorisch. Aber wir können jetzt einkaufen und eine gute Ausstattung schaffen.“ Ohne die Unterstützung der Eltern, ergänzt Hilla Brandwitte, sei Vieles gar nicht möglich gewesen. „Es war toll, wie alle mit angepackt haben. Wir haben schon jetzt das Gefühl, dass in unserer kleinen Einrichtung alles sehr familiär ist.“

Für die Natur-Kita (Bauwagen und Erstausstattung) erhält der Verein 134.000 Euro Fördermittel, was die Betriebskosten, also unter anderem Gehälter und Versicherungen angeht, bekommt die „Wildschweinbande“ 91 Prozent der Kosten vom Kreis, neun Prozent muss er selbst aufbringen. Daniela Hacken: „Im Augenblick haben wir 40 Mitglieder. Die Eltern zahlen derzeit 45 Euro im Monat. Dabei kommt uns zugute, dass es darüber hinaus keine Kita-Gebühren im Kreis Düren mehr gibt.“ Würde der Verein wachsen, ergänzt Hacken, könne der Vereinsbeitrag sicher irgendwann sinken.

Aber wie sieht ein Tag im Naturkindergarten aus? Die Kinder werden morgens bis neun Uhr gebracht, den Vormittag verbringen sie im Wald, wo sie spielen, Pflanzen entdecken und Tiere beobachten können. Zum Mittagessen, das in einem örtlichen Naturkostladen gekocht und von Ehrenamtlichen zur Kita gebracht wird, kommen sie zurück zum Bauwagen, wo nachmittags gespielt, gemalt, gebastelt und vorgelesen wird. Zwischen 14 und 16 Uhr werden die Kinder wieder abgeholt.

Das Grundstück an der Schlossstraße ist noch nicht die endgültige „Basisstation“ für die Waldkinder, um das endgültige Stück Land – ebenfalls in Merode – nutzen zu können, muss erst noch der Flächennutzungsplan der Gemeinde geändert werden.

„Wenn wir dieses Grundstück beziehen können“, sagt Daniela Hacken, „möchten wir auch Tiere halten, damit die Kinder lernen, dass man Verantwortung übernehmen muss und die Versorgung von Tieren mehr bedeutet als Streicheln und Füttern.“ Bis die Ziegen, Schafe und Kaninchen bei der „Wildschweinbande“ einziehen können, kümmern sich die Kinder um die Hasen und Meerschweinchen eines Meroder Gärtnerhofes.

„Es ist schön zu beobachten“, sagt Daniela Hacken, „wie sehr die Kinder es lieben, viel Zeit draußen zu verbringen. Und wie wenig Spielzeug sie eigentlich brauchen. Die Eltern geben uns zwar die Rückmeldung, dass die Jungen und Mädchen abends müde sind, aber sie müssen sich auch erst an den neuen Tagesablauf im Wald gewöhnen.“

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