Düren: Wieviel ist uns wirkliche Bildung wert?

Düren: Wieviel ist uns wirkliche Bildung wert?

Die Mannschaftswagen der Polizei rollten im Morgengrauen an. Am 20. November räumten die Beamten die Aula der Uni Köln, die Studenten seit drei Tagen besetzt hatten. Die Studenten diskutierten dort nicht nur über die Abschaffung von Studiengebühren, sondern auch über ein Studium ohne Verwertungsdruck.

Mit ihnen diskutierte der Uni-Professor Matthias Burchardt. Burchardt war empört über den Polizeieinsatz und brachte seinen Frust über eine konfektionierte Lehre und die Entmündigung von Wissenschaftlern im Namen des Hochschulfreiheitsgesetzes in einer „Kölner Erklärung” zu Papier.

Für Pädagogik keine Zeit?

Bei dem Professor am Institut für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne klingeln schon länger die Alarmglocken: KIBIZ, Lernstandserhebungen, Zentralabitur, Verkürzung der Gymnasialzeit und verschulte Studiengänge - für Pädagogik bleibt da keine Zeit mehr, so die Befürchtung, die auch von vielen Erzieherinnen und Eltern geteilt wird.

„Unsere Bildung wird zunehmend ökonomisiert, die Wirtschaft bestimmt mittlerweile zu einem maßgeblichen Teil die Bildung mit”, sagt auch Elke Bennetreu. Sie ist die Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich und hat in Kooperation mit der Evangelischen Gemeinde Düren einen Vortrag mit Professor Dr. Matthias Burchardt organisiert. „Wa(h)re Bildung - was ist uns wirkliche Bildung wert?” - diese Frage stellt Burchardt am kommenden Montag, 15. März, ab 19.30 Uhr im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren, Wilhelm-Wester-Weg.

Unter dem Titel „Humanexperiment Bildungsreform” beleuchtet der Referent die Hintergründe bildungspolitischer Tendenzen. Welches Menschenbild leitet die zahlreichen Reformen im Bildungsbereich und sind deren Ziele überhaupt moralisch zu verantworten? Elke Bennetreu findet deutliche Worte: „Wir bilden Menschen aus, die für die postmoderne kapitalistische Gesellschaft funktionieren müssen, gebildet für den Markt.”

Der Vortrag von Professor Burchardt verfolgt die These, dass gegenwärtig durch Bildung eine tiefgreifende Transformation von Kultur und Gesellschaft durchgeführt wird, ohne dass dieser Prozess öffentlich diskutiert worden wäre. Dass es Alternativen zum eingeschlagenen Weg gibt, soll in einem Ausblick unterstrichen werden.

Mit Blick auf die Wahl

Eingeladen zu dem Vortrag sind Schülerinnen und Schüler, Studenten und Eltern sowie alle, die im Bildungsbereich tätig sind. Denn egal, ob es sich um vorschulische Bildung, Studium oder Erwachsenenbildung dreht, überall werden die Mittel zurückgefahren. „Um Bildung zu organisieren, braucht es von staatlicher Seite mehr Förderung”, sagt Elke Bennetreu.

Sie möchte den Vortrag auch im Hinblick auf die bevorstehende Landtagswahl am 9. Mai verstanden haben. „Bildung muss ein zentrales Thema bei der Landtagswahl sein”, fordert sie.

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