Düren: Wie kann sich Düren im Gewerbe neu positionieren?

Düren: Wie kann sich Düren im Gewerbe neu positionieren?

Die Zahlen lassen aufhorchen. Die Stadt Düren ist der zweitgrößte Produktionsstandort in der Region — nach Aachen und vor Städten wie Stolberg oder Eschweiler. Das produzierende Gewerbe hat in Düren eine lange Tradition, gerät aber zunehmend ins Hintertreffen.

Rund 11.300 Menschen arbeiteten nach Angaben des Statistischen Landesamtes NRW zum Stichtag 30.6.2013 im produzierenden Gewerbe. Im Wirtschaftszweig der öffentlichen und privaten Dienstleistungen waren es zum gleichen Zeitpunkt 12.130 Beschäftigte. Mutiert Düren zum Dienstleistungsstandort mit Jobs, die von öffentlichen Kassen bezahlt werden? Und noch eine Zahl: Rund 65 Prozent der Beschäftigten in Düren verfügen nach Zahlen des NRW-Finanzministeriums über Einkünfte von unter 30.000 Euro im Jahr, weitere 22 Prozent liegen immer noch unter 50.000 Euro. Wo soll da Konsum herkommen? Hat Düren Chancen, sich neu zu positionieren?

Wer neue Arbeitsplätze schaffen will, von denen man sich selbst finanzieren kann, muss als Kommune flexibel reagieren können. Langwierige Genehmigungsverfahren oder nicht fertig erschlossene Baugebiete schrecken eher ab. Viel schlimmer: Fehlende oder nicht ausreichend große Gewerbegebiete. Hier hat Düren schon jetzt ein großes Manko: Die Flächen im Gewerbegebiet „Im Großen Tal“ sind weitestgehend ausgereizt, die Fläche an der Stockheimer Landstraße ist ohne die Umgehungsstraße B 56 nur begrenzt vermarktungsfähig, und das neue interkommunale Gewerbegebiet an der Grenze zu Langerwehe steht noch nicht zur Verfügung.

Will Düren seine Funktion als Mittelzentrum behalten, muss die Stadt selbst mehr tun, aber auch mehr Unterstützung erfahren. Trotz der nicht durchgängig positiven Erfahrungen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft GWS und deren letztlichem Scheitern, hat sich ein Grundproblem im Kreis nicht gelöst, was ursprünglich aber Ziel der GWS war: eine Gesamtstrategie für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Kreises.

Nach wie vor wurschteln die Kommunen eher getrennt vor sich hin — Jülich entwickelt sein Gewerbegebiet Merscher Höhe, Aldenhoven will das Test-Center zum Campus umbauen, Düren und Langerwehe setzen auf ihr interkommunales Gewerbegebiet. Überregional bedeutsam — was die Schaffung von Arbeitsplätzen angeht — sind die Planungen — vielleicht mit Ausnahme von Aldenhoven — bisher allesamt nicht.

Wer allerdings in 15 Jahren die Arbeitsplätze der Braunkohle ersetzen will, sollte jetzt die entsprechenden Entwicklungen voran treiben. Auch da tut sich Düren schwer. Beim Verkauf von Gewerbeflächen lag der Kreis Düren mit 6,1 Hektar in 2013 abgeschlagen hinter der Stadt Aachen (12,3 Hektar) und der Städteregion (9,5 Hektar). Der „Innovationsregion Rheinisches Revier“ gehört die Stadt nur über den Umweg Kreis an, in der Indeland GmbH ist man bis heute nicht vertreten. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze gelingt allenfalls im Dienstleistungsbereich, beim produzierenden Gewerbe sind Neuansiedlungen nicht zu verzeichnen, hier ist eher ein Stellenabbau zu verzeichnen, im besten Fall geht es um Erweiterungen am bestehenden Standort.

Hinzu kommt eine Entwicklung, die bei der Diskussion um das Containerterminal kritisch hinterfragt wurde: In der boomenden Logistik-Branche ist der Flächenbedarf in Gewerbegebieten riesig, es entstehen aber vergleichsweise nur wenig hoch-qualifizierte Arbeitsplätze. Bei den Schwierigkeiten, neue Gewerbegebiete überhaupt genehmigt zu bekommen, stellt sich deshalb auch die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, hier flächenintensive Firmen anzusiedeln.

Masterplan als Lichtblick

Für Lichtblicke sorgt etwas anderes: Der Masterplan als Handlungskonzept, wie die Innenstadt weiterentwickelt werden kann. Oder die Studie „Wohnen 2030“ und vor allem die Studie zur Gewerbestrukturentwicklung, die Ende des Jahres vorliegen soll. Hinzu kommen die fertigen oder noch geplanten Dorfentwicklungspläne.

Daraus müsste ein konkreter Stadtentwicklungsplan entstehen. Ob das gelingt, ist nach den Erfahrungen des Masterplanes eher fraglich. Immerhin eigenen sich derartige Handlungsvorgaben auch dafür, die eigene politische Klientel zu bedienen. Ein politischer Konsens aller Parteien fällt da eher schwer. Der ist aber genauso vonnöten, wie die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen.

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