Düren: Wie kann man Professur und Vollzeit-Job vereinbaren?

Düren: Wie kann man Professur und Vollzeit-Job vereinbaren?

Professur und Vollzeit-Job — lässt sich das eigentlich unter einen Hut bringen? Scheinbar ja. Der aus Düren stammende Pianist Lars Vogt ist vor Weihnachten zum Professur für Klavier an die Musikhochschule Hannover berufen worden. Und gibt trotzdem noch über 90 Konzerte jedes Jahr weltweit. Und Sparkassen-Vorstandschef Professor Herbert Schmidt ist Honorarprofessor an der Fachhochschule in Aachen. Mit immerhin vier Semesterwochenstunden.

„Ein Lehrauftrag“, sagt Lars Vogt, „hat mich eigentlich schon immer gereizt. Aber ich hatte auch schon meine Zweifel, ob ich eszeitlich hinbekomme.“ Lars Vogt tritt als Klavierprofessur in Hannover in die Fußstapfen seines eigenen Lehrers Professor Karl-Heinz Kämmerling. „Professor Kämmerlings Schuhe zu füllen“, sagt Lars Vogt, „ist unmöglich. Karl-Heinz Kämmerling war ein unglaublich legendärer Lehrer. Wir können nur auf unserem eigenen Weg weiter machen.“

Lars Vogt betreut im Augeblick sechs Studenten, darunter Aaron Pilsan und Anna Rita Hitaj, die beide schon Stipendiaten beim Kammermusikfestival „Spannungen“ in Heimbach waren. „Mit meinen sechs Studenten arbeite ich sehr intensiv“, so Vogt. „Aber natürlich erwarte ich von ihnen auch selbstständiges Arbeiten und eine hohe Flexibilität.“

Nicht immer, so Vogt, würde der Unterricht in Hannover stattfinden, manchmal träfe man sich in seiner Wahlheimat Berlin. „Einmal haben wir uns auch zu einem mehrtägigen Kurs in Liechtenstein getroffen.“ Je nachdem wie es sein Konzerttätigkeit zulassen würde, so Vogt, würde er sich mit seinen Studentinnen auch Studenten auch in den Semesterferien treffen. „Bis jetzt hat es aber immer gut funktioniert, und meine Studentin sind auch ganz glücklich. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass sie von meiner Bühnen- und Konzerterfahrung auch profitieren.“

Im Gegensatz zu Professor Lars Vogt hat Herbert Schmidt „nur“ eine Honorarprofessur an der Fachhochschule Aachen inne. „Ich unterrichte Maschinenbauer zum Thema ‚Finanzierung von Mittelständischen Unternehmen‘. Und die Arbeit mit den jungen Leuten macht mit unglaublichen Spaß.“

Es komme ja auch darauf an, so Schmidt, ein trockenes Thema unterhaltsam zu vermitteln. „Und zwar am besten so, dass bei den Studenten auch etwas hängen bleibt. Und das braucht schon einige Zeit der Vorbereitung.“ Herbert Schmidt kann sich nicht vorstellen, seine Lehrtätigkeit nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse auszubauen. „Das würde ja bedeuten, dass ich mich auf einen ordentlichen Lehrstuhl bewerben müsste. Das werde ich nicht tun, aber als Honorarprofessor werde ich auf jeden Fall weiter unterrichten.“

Lars Vogt wird seine Konzerttätigkeit in absehbarer Zeit nicht einschränken, um mehr Studenten betreuen zu können. „Ich kann im Augenblick gar nichts reduzieren“, sagt er. „Das geht einfach nicht. Ich bin Deutschlands meist verpflichtetster Konzertpianist.“

(kin)